Plattensammler:innen sind leidenschaftlich und fuchsen sich gerne in Diskussionen um ihr Hobby. Dennoch wissen auch sie nicht immer alles: Es gibt einiges an verbreitetem Irrglauben, der schlicht falsch ist. Wir klären fünf Vinyl-Mythen auf!
5 populäre Vinyl-Mythen
Mythos 1: Schallplatten klingen besser als CDs.
Da Schallplatten oft als das Medium der Musikgenießer:innen gesehen werden, sind viele der Überzeugung: Sie klingen auch besser als CDs! Tatsächlich sind CDs aber schon aus rein technischer Perspektive dem Vinyl überlegen. Schallplatten können natürlich fantastisch klingen, aber sie haben inhärente Einschränkungen, insbesondere bei Frequenzen, die sie nicht so gut abbilden können wie CDs.
Warum viele aber den Klang von Vinyl bevorzugen, liegt im Mastering begründet, also dem Prozess, der nach dem Aufnehmen und Mixen kommt, und in dem die Lautstärke der Musik angepasst wird. Da CDs viel mehr Lautstärke als Platten aushalten können, wurden Alben seit dem Aufstieg der CD meist lauter gemastert, um möglichst viel Power aus dem Medium herauszuholen. Um lauter zu mastern, muss die Lautstärkedynamik der Musik auch stärker komprimiert werden, also: Die lauten Elemente müssen leiser gemacht werden, damit man leisere Elemente lauter machen kann. Das Ergebnis ist durchsetzungsfähiger, hat aber auch weniger Raum zum Atmen. Auf Schallplatten wird meist leiser gemastert, vor allem vor dem Zeitalter der CD hatte man schlicht keinen Anlass dazu, so laut zu mastern. Vielen gefällt dieser dynamischere, weniger komprimierte Sound besser.
Mythos 2: Erstpressungen sind die besten Pressungen.
Viele Sammler:innen halten die Erstpressungen eines Albums für heilige Objekte, die ultimative und am besten klingende Form eines Albums. Dafür zahlen sie gern große Summen. Aber warum sollten Erstpressungen die besten sein? Vor allem bei älteren Alben spricht vieles für Erstpressungen, denn damals gab es noch kein digitales Mastering – die Alben wurden direkt von den Mastertapes aus dem Studio überspielt und klingen somit am unverfälschtesten.
Auch wenn das oft stimmt, ist nicht jede Erstpressung die beste. In manchen Fällen waren die ersten Pressungen noch nicht optimal und mögliche Fehler, beispielsweise Rauschen, wurden bei späteren Neupressungen ausgebessert. Die Maschinen und der Herstellungsprozess sind über die Jahrzehnte ja auch präziser geworden. Ein anderes Argument, das viele für den besseren Klang von Erstpressungen aufführen würden, wäre, dass sich die für das jeweilige Album angefertigte Metallmatrizen der Presswerkzeuge da noch nicht abgenutzt hatten. Aber oft werden für Neupressungen auch wieder neue Matrizen angefertigt, die womöglich präziser sind.
Abseits davon wird eine Erstpressung, die durch die lange Zeit mittlerweile verkratzt oder verbogen ist, auch kein tolles Hörerlebnis bieten. Also ja, viele Erstpressungen klingen am authentischsten, aber nicht immer am besten. Und insbesondere bei Alben, die in den letzten circa zwanzig Jahren erschienen und somit schon seit Erstveröffentlichung digital gemastert wurden, hat die Diskussion um Erstpressungen wenig Relevanz.
Mythos 3: Schwarzes Vinyl klingt besser als farbiges Vinyl.
Dafür sollte man erstmal wissen, dass alle Schallplatten aus Polyvinylchlorid (PVC) bestehen, welches erhitzt und gestampft wird. Und PVC hat per se keine Farbe. Im Herstellungsprozess wird PVC immer ein Farbstoff beigefügt, so gesehen sind also auch schwarze Platten farbige Platten. Warum beharren also viele darauf, schwarzes Vinyl klinge besser? Der Farbstoff, der für schwarze Platten verwendet wird, ist Industrieruß (auch Carbon Black genannt), welches einen positiven Nebeneffekt hat: Es minimiert Rauschen, da es als Schmiermittel für die Nadel fungiert. Mittlerweile hat man für farbiges Vinyl aber schon lange andere Schmiermittel gefunden, die das Rauschen ebenso gut minimieren wie bei schwarzen Platten.
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Mythos 4: Eine verbogene Platte ist nutzlos.
Im Plattenladen ist es nicht verkehrt, sich eine gebrauchte Platte mal nah vors Auge zu halten und zu drehen, um darauf zu achten, ob die Platte vielleicht schon etwas verbogen oder gewellt ist. So etwas kann durch Hitze oder falsche Lagerung ja schon mal passieren. Aber ist eine leicht verbogene Platte per se unbrauchbar? Nein, oft klingen sie noch wunderbar, selbst wenn sie beim Drehen auf dem Plattenteller komisch aussehen mögen. Wenn die Nadel aufgrund der gewellten Oberfläche herumrutscht, kann das auch an einem Plattenspieler mit schlecht gewichtetem Tonarm liegen.
Prinzipiell sollte man aber schon darauf achten, seine Platten nicht flach aufeinandergelegt zu stapeln, sondern aufrechtstehend zu lagern, und sie wenig direktem Sonnenlicht und Wärme auszusetzen. So lässt sich dem Verbiegen vorbeugen.
Mythos 5: Je mehr Gramm, desto besser klingt die Platte.
Mittlerweile scheint es zum guten Ton (Wortspiel nicht intendiert) zu gehören, seine Musik auf 180 Gramm schwere Platten pressen zu lassen. Die meisten gehen davon aus, dass 180 Gramm besser als die ansonsten oft üblichen 140 bis 150 Gramm klingen. Die Platten fühlen sich hochwertiger an, oft enthalten Verpackungen sogar Sticker mit Aufschriften wie „180 grams audiophile quality“ – dabei können auch diese wesentlich schlechter als viele leichtere Platten klingen.
Irgendwie schlich sich mal die falsche Vermutung ein, eine dickere Platte erlaube tiefere Grooves (also die Einkerbungen), die damit dynamischer und detaillierter klingen. Aber das stimmt nicht. Tiefe Grooves sind ebenso oft in dünneren Platten zu finden, und umgekehrt. Ein klarer Vorteil von schwereren Vinylplatten ist wiederum, dass sie stabiler sind und sich nicht so leicht verbiegen. Die Klangqualität ist vom Gewicht aber nicht abhängig.