„Freedom Of Me“: Kate Nash will nichts von Meinungsfreiheit hören

„Freedom Of Me“: Kate Nash will nichts von Meinungsfreiheit hören
Foto: Ellius Grace

Zu verspielten Flöten liefert Kate Nash einen harten Song, der sich aus misogynen Hassnachrichten speist, die unter dem Deckmantel der Meinungsfreiheit das Internet zu Hauf füllen. Es ist die zweite Single des kommenden Albums Cailín und ein Manifest für Doppelstandards.

Kate Nashs „Cailín“ wird harte Kost

Eine neue feministische Hymne von Kate Nash ist da und die Instrumentals klingen nach einem verspielten, wunderbaren Folkstanz. Doch der Klang der warmen Flöten trügt! Obwohl der Titel schon vor einiger Zeit entstanden ist, erfährt er im Angesicht der Diskussionen um die Cornell 7 gerade erschreckende Aktualität – aber das kennen wir von Kate Nash ja schon. Wo andere vielleicht mal einen Finger in die Wunde legen, packt Kate Nash gleich die ganze Hand rein. Dabei ist Freedom Of Me nicht einfach nur ein feministischer Powersong gegen Vergewaltigungen, sondern schaut ganz detailliert einen Teilaspekt aktueller Debattenkultur rund um das Thema sexualisierter Übergriffe an. 

Meinungsfreiheit – aber nicht uneingeschränkt

In einem ausführlichen Instagrampost beschreibt die Musikerin ihre Herleitung der Lyrics. Denn die könnte man durchaus als einen Hot Take verstehen, wenn man nur oberflächlich zuhört. Darin spricht Kate Nash nämlich über Meinungsfreiheit, allerdings kommt das Grundrecht dabei nicht so gut weg, wie man das zunächst annehmen würden; ist es doch ein Grundpfeiler jeder demonkratischen Gesellschaft. Nash schreibt: „Mir ist aufgefallen, dass sich diese amerikanische Herangehensweise an die Meinungsfreiheit in den sozialen Medien und die damit verbundene Besessenheit weltweit verbreitet. [...] Ich halte die Meinungsfreiheit nicht für so wichtig und glaube, dass Amerika eine Lüge verkauft. Die extreme Rechte legt großen Wert darauf und verteidigt sie mit Nachdruck. Und ich bin natürlich eine Person, die offen sagt, was sie denkt. Aber in Großbritannien unterliegt unsere Meinungsäußerung nationalen Gesetzen, darunter dem Public Order Act von 1986, dem Racial and Religious Hatred Act von 2006, dem Online Safety Act von 2023 und dem Hate Crime and Public Order (Scotland) Act von 2021. Meiner Meinung nach zu Recht.“

Inspiriert von Russell Brand-Dokumentation

„Ich würde behaupten, dass mein Recht, frei von Vergewaltigung und Gewalt zu leben und Zugang zu medizinischer Versorgung zu haben – ohne politische Debatte – weitaus wichtiger ist als die Meinungsfreiheit“, fährt sie fort und wiegt die beiden Dinge gegeneinander auf. Dem liegt zugrunde, dass die zirkulierende, stärker werdende Misogynie die Gewaltbereitschaft fördert und ein unsicheres Klima für marginalisierte Menschen schafft. „Der Song ist auch eine Reflexion darüber, wie die Medien Frauen behandeln, wenn es um Vergewaltigungsfälle geht. Ich habe ihn direkt nach dem Anschauen von „Dispatches – Russell Brand: In Plain Sight“ geschrieben und mir die Kommentare dazu online angesehen. Es ist als Frau ziemlich schwer, sich die abfälligen und beiläufigen Äußerungen anzuhören, mit anzusehen, wie Frauen auseinandergenommen werden, das Misstrauen, die Wut, die Witze und schließlich die Langeweile.“


Kate Nash schließt ihre lange, breite Ausführung mit den folgenden Sätzen: „Mir ist durchaus bewusst, dass dieser Song in der Woche erscheint, in der Russell Brand vor Gericht steht und wir über die ‚Cornell 7‘ lesen. Das Schreckliche an diesem Song ist, dass er immer aktuell bleiben wird.“ Das A Cailín wird am 22. Januar erscheinen. Die vorherige Single Spilt Milk beschäftigte sich bereits mit Abtreibungsgesetzen. Ein großes, tiefschürfendes Album ist wohl unausweichlich.

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