Seit Jahren hoffen Millionen K-Pop-Fans, dass endlich mal ein koreanischer Act bei der Grammy-Verleihung punktet. Völlig zurecht, denn K-Pop war mit Acts wie BTS, Blackpink, Stray Kids, Aespa und Twice in den vergangenen Jahren sehr präsent und erfolgreich in den amerikanischen Charts. In diesem Jahr wittern viele die Chance auf den ersten großen K-Pop-Erfolg bei den Grammys.
Das liegt vor allem an den Nominierungen, die kürzlich verkündet wurden. Die Korea Times – immer eine gute Adresse für K-Pop-News – schrieb daraufhin: „Kann K-Pop endlich die ‚Grammy-Festung‘ erobern? Die Nominierungen haben die Hoffnung darauf entfacht“.
Rosé und die „KPop Demon Hunters“ könnten Grammy-Geschichte schreiben
Tatsächlich sind K-Pop-Songs zum ersten Mal in der Grammy-Geschichte auch in den wichtigsten Kategorien nominiert. Das liegt vor allem am Welthit APT. von Blackpinks Rosé feat. Bruno Mars und am Durchmarsch des KPop Demon Hunters-Soundtracks, mit der Single Golden, die von Ejay, Audrey Nuna und Rei Ami performt und von Ejai (mit-)geschrieben wurde. APT. könnte bei „Song of the Year“, „Record of the Year“ und „Best Pop Duo or Group Performance“ punkten. Golden ist in fünf Kategorien nominiert – inklusive der Königsklasse „Song of The Year“.
Auch die zweimal nominierten KATSEYE werden von vielen dem K-Pop zugerechnet, was im Grunde ein wenig falsch ist. Zwar wurden sie nach K-Pop-Methoden ausgebildet und das BTS-Label HYBE ist involviert, aber mit Yoonchae gibt es nur ein koreanisches Bandmitglied – auch musikalisch sind KATSEYE nicht wirklich an koreanischem Pop ausgerichtet. In der Musical-Sparte ist noch der Soundtrack zu Maybe Happy Ending als „Best Musical Theater Album“ im Rennen.
Eine „uneinnehmbare“ Festung?
Aber warum werden die Grammys eigentlich aus K-Pop-Perspektive als „uneinnehmbare Festung“ angesehen? Nun ja: Bis auf BTS waren bisher schlichtweg keine koreanischen Acts vertreten. BTS wurden von 2021 bis 2023 für drei Jahre in Folge für die beste Pop-Duo- oder Gruppenperformance nominiert, aber obwohl internationale Medien hohe Gewinnchancen sahen und die BTS-ARMY optimistisch war, wurde die Band jedes Mal übergangen. Und das, obwohl sie mit ihren englischen Hits Butter und Dynamite mega-präsent in den US-Charts waren und ihre Konzerte in den Staaten wie überall innerhalb von Minuten ausverkauft waren.
Was die ARMY besonders ärgerte: Die Strahlkraft und Bühnenpräsenz von BTS nahmen die Grammys immer gerne mit. BTS spielten bei der 63. und 64. Grammy Awards Show, holten damit ein Millionenpublikum in die Live-Übertragungen und gingen trotzdem leer aus. Wobei man an dieser Stelle auch erwähnen sollte: Die Grammy Awards gelten auch mit Blick auf PoC- und Rap-Artists als problematisch. Die Formulierung „Grammys so white“ kursiert völlig zurecht seit Jahren, weil die Grammy-Preisträger:innen oft weit weniger divers waren als die Chart-Landschaften, die man ja angeblich abbilden will. Außerdem wurden oft popkulturelle Meilensteine aus dem Rap in „urbane“ Preiskategorien verschoben – selbst in den Jahren, in denen Rap kulturell und kommerziell die Welt regierte und das „Album of the Year“ todsicher im Rap oder im Schwarzen R’n’B zu verorten war.
Wer vergibt eigentlich die Grammys?
Im Grunde ist es natürlich so: Die Grammys – bzw. die Recording Academy, die diese seit 1959 einmal im Jahr vergibt – sind koreanischer Popmusik eigentlich keine Rechenschaft schuldig. Die Academy ist eine amerikanische Instanz, die natürlich ein Interesse daran hat, vor allem heimische Acts zu ehren. Auch die stimmberechtigen Mitglieder der Recording Academy sind überwiegend der amerikanischen Musikbranche zuzurechnen.
Dennoch: Die Grammys pochen darauf, künstlerische Qualität und kommerzielle Erfolge in ihre Entscheidung einfließen zu lassen. Und nominiert werden können auch Acts, die nicht aus den USA stammen. Deshalb wäre es eigentlich angebracht gewesen, eines der erfolgreichsten Genres der letzten Dekade zumindest bei den Nominierungen zu bedenken. Vor allem in Jahren, in denen BTS Streamingrekorde in den USA brechen, Blackpink das Coachelle headlinen, oder die Stray Kids mal wieder mit einem Album auf der 1 der US-Album-Charts landen.
Ist es in diesem Jahr „besser“ geworden?
Und damit wären wir bei der nun anstehenden Grammy-Verleihung, die am 1. Februar 2026 über die Bühne geht. Ja, es stimmt: Durch KPop Demon Hunters und Rosés APT. stehen die Chancen nicht schlecht für K-Pop. Wobei das natürlich genau die beiden Phänomene sind, die den internationalen Mainstream in einem Maße erobert haben, die auch die Grammys nicht übersehen können. Sicher gefällt es der Recording Academy auch, dass APT. ein Duett mit dem US-Star Bruno Mars und auch KPop Demon Hunters eine amerikanische-koreanische Co-Produktion ist. Aber das war es dann auch schon, denn KATSEYE in die K-Pop-Kategorie zu packen, ist nun mal faktisch nicht richtig, auch wenn es Brücken nach Korea gibt.
Hol dir die KPop Demon Hunters nach Hause:
Und dann wäre da noch die große Ungerechtigkeit mit Blick auf die Stray Kids. Die haben in diesem Jahr amerikanische Chart-Geschichte geschrieben: als erster Act seit Beginn der Billboard-Charts, der es geschafft hat, sieben Alben in Folge aus dem Stand auf die 1 zu bringen. Das ist vorher weder Beyoncé noch Taylor Swift noch den Beatles oder Elvis gelungen. Damit dürfte eigentlich klar sein, dass K-Pop-Fans weiterhin ruhig mit einem „boombastic side-eye“ auf die Grammys schauen dürfen, selbst wenn Rosé oder Ejae und Co. in diesem Jahr verdientermaßen für Korea Grammys-Geschichte schreiben sollten.