Erst vor wenigen Monaten veröffentlichte Olivia Dean ihr zweites Album The Art Of Loving. Nun gewann sie den Grammy als „Best New Artist“. Doch wer ist der neue Star am Neo-Soul-Himmel? Wir stellen euch die britische Sängerin vor – und zeigen euch das klare Signal gegen die Trump-Regierung in ihrer Dankesrede.
Wer den Zweitnamen Lauryn trägt, muss den Soul im Blut haben: Olivia Lauryn Dean erblickt am 14. März 1999 in London das Licht der Welt, und zwar als Tochter einer jamaikanisch-guyanischen Mutter und eines englischen Vaters. Ihre Eltern lieben die Musik von Fugees-Sängerin Lauryn Hill, weshalb sie die kleine Olivia nach ihr benennen – vermutlich nicht ahnend, wie wegweisend der Name für ihr Töchterchen werden soll. Bereits im Kindesalter tanzt Olivia mit ihrem Papa, entdeckt ihre Liebe zur Musik. Mit acht Jahren weiß sie, dass sie Sängerin werden möchte, nimmt Musical-Stunden, singt in einem Gospelchor – und entdeckt die Musik von Leona Lewis, deren Single A Moment Like This (2006) eine der ersten CDs in Deans Sammlung wird. Wenig später tritt sie in Lewis’ Fußstapfen.
„Best New Artist“ Grammy-Gewinnerin Olivia Dean im Circle Store:
Erst BRIT School, dann Grammy: Olivia Deans Weg zum Erfolg
Amy Winehouse war da, Adele ebenfalls – und auch Leona Lewis: Als 15-Jährige wird Olivia Dean an der renommierten BRIT School im Londoner Bezirk Croydon aufgenommen, einer echten Superstar-Schmiede. Jeden Tag fährt sie eine und eine Dreiviertelstunde hin und eine und eine Dreiviertelstunde zurück, um sich ihren großen Traum vom Leben als Sängerin zu erfüllen. Auch hier interessiert sie sich zunächst für Musical-Gesang, wählt in den letzten zwei Jahren allerdings das Fach Songwriting und überredet ihre Mutter dazu, ihr ein gebrauchtes Klavier zu kaufen. Auf die Idee kommt sie, als eine:r ihrer Lehrer:innen den Song Diamonds On The Soles Of Her Shoes von Paul Simon zum Besten gibt, gemeinsam mit einer südafrikanischen Gruppe. „Da ist der Funke irgendwie übergesprungen“, berichtet Dean später – und wie er das ist.
Stück für Stück arbeitet sich Olivia Dean die Treppe zum Pop-Olymp hoch. Sie bringt sich das Gitarre- und Klavierspielen bei, arbeitet als Straßenmusikerin und verdient dabei gerade einmal genug Geld, um sich etwas zu essen leisten zu können. Sie findet eine Managerin, landet erste Erfolge auf YouTube, spielt auf Festivals vor 16.000 Zuschauer:innen. Dann geht ihre erste Single Reason To Stay durch die Decke und sie unterschreibt einen Plattenvertrag. Nachwuchspreise, virale Hits auf TikTok, ein Auftritt bei Later… with Jools Holland: Olivia Dean legt so richtig los, veröffentlicht 2023 ihr Debütalbum Messy, mit dem sie aus dem Stand in den britischen Top 5 landet. Doch das war noch längst nicht alles. Im September 2025 erscheint ihre zweite Platte The Art Of Loving – und beschert dem britischen Nachwuchstalent nun den Newcomer-Grammy.
Hoffentlich hat Donald Trump gut zugehört
Von Lola Young über Leon Thomas bis hin zu KATSEYE: Die Konkurrenz in der Grammy-Kategorie „Best New Artist“ ist groß, doch Olivia Dean darf die Trophäe am Ende des Abends entgegennehmen. Unter Tränen erzählt sie, dass sie niemals damit gerechnet hätte, nominiert zu werden, geschweige denn, auch noch zu gewinnen, und bedankt sich bei ihrer langjährigen Managerin und ihrem Team. Doch sie schlägt auch ernste Töne an.
„Ich stehe hier als Enkelin einer Immigrantin“, erklärt Dean und spielt damit auf die aktuellen Zustände in den USA an. Deans Oma kam als Teil der sogenannten Windrush-Generation nach England, benannt nach dem Schiff, auf dem karibische Immigrant:innen im Juni 1948 nach Großbritannien auswanderten. „Ich bin ein Produkt des Muts und finde, das gehört gefeiert“, fährt Dean fort. Sie haben hoffentlich gut zugehört, Mr. Trump.