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Review: Auf „Middle Of Nowhere“ zelebriert Kacey Musgraves eine trügerische Americana-Idylle
Platten01.05.2026
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Es ist alles nicht so wie es scheint auf Kacey Musgraves fantastischem siebten Album Middle Of Nowhere. Was nach Kleinstadt-Charme und Country-Idylle klingt, hat immer auch einen langen Schatten und einen doppelten Boden. Das macht es erst so gut.
Hier könnt ihr euch das neue Album von Kacey Musgraves auf Vinyl sichern:
Golden, Texas. Ein Nest irgendwo im Nirgendwo. Eine kleine Ansammlung von Zivilisation am Highway 69, ein 150-Seelen-Kaff im Nordosten von Texas. Hier ist der Kojote begraben, hier ist wirklich so wenig los, dass die Bewohner voller Selbstironie ein Schild am Ortseingang aufgestellt haben, auf dem „Middle Of Nowhere“ geschrieben steht. Ohne Witz. Mit anderen Worten: Wer die endlose Weite der amerikanischen Provinz sucht, ist hier genau richtig.
Erster Song zum Grundschulabschluss
Kacey Musgraves kennt Golden. Sie wird zwar in Sulphur Springs geboren (immerhin rund 15.000 Einwohner:innen), wächst aber in Golden auf und weiß, was es bedeutet, wenn das Tumbleweed träge in der Nachmittagshitze über die staubige Straße taumelt. Wenn eine wie sie also mit Musik anfängt, dann kann dabei natürlich nur Americana rauskommen. Manchmal eher Country, manchmal eher Folk, manchmal eher Pop. Immer aber Musik, die tief im Mythos von Amerika verwurzelt ist.
Und das, wohlgemerkt, seit sie acht Jahre alt ist. Also seit knapp 30 Jahren. Ihren ersten Song schreibt sie zu ihrem Grundschulabschluss, lernt Mandoline und Mundharmonika und wächst auf Country- und Western-Festivals auf. Mit einer Freundin spielt sie sogar für Präsident George W. Bush, gewinnt nationale Meisterschaften im Jodeln (!) und wird ausgewählt, die Nationalhymne bei den Olympischen Winterspielen 2002 zu singen. All das vor ihrem 14. Geburtstag.
Auftritte als Hannah Montana
Um Geld zu verdienen, verkleidet sie sich an Kindergeburtstagen als Hannah Montana, zieht irgendwann nach Austin und bringt ihre Karriere endgültig in Schwung. 2012 beispielsweise wird sie für vier Grammys nominiert und liegt damit gemeinsam mit Taylor Swift und Lorde an der Spitze der Frauen mit den meisten Nominierungen in diesem Jahr. Seither geht es weiter und weiter bergauf für die Americana-Künstlerin, die Alison Krauss und (natürlich) Dolly Parton zu ihren größten Einflüssen zählt und schon auch mal mit Lana Del Rey ein Duett singt.
Jetzt also Middle Of Nowhere. Jetzt also ein Album, das schon mit seinem Titel ein Homecoming andeutet. Das Albumcover zeigt Musgraves, wie sie an einer einsamen Straßenecke steht, gekleidet in ein weißes Tanktop, einen Cowboyhut und Jeans – mit nichts als einem Texas-Longhorn als Gesellschaft. Damit ist im Grunde auch schon ganz gut auf den Punkt gebracht, was musikalisch serviert wird. Die achtfache Grammy-Gewinnerin feiert nach „einer Zeit der Reflexion und der Klarheit nach einer Trennung“ eine Heimkehr, die es in sich hat. Und das im doppelten Sinne: Sie kehrte nach Golden, Texas zurück und besann sich dort auf ihre Wurzeln.
Country durch und durch
Pedal Steel, Akkordeon und nostalgische, aber dennoch knackige Dancehall-Rhythmen feiern alle Spielarten dieses Genres, das so nur in den USA entstehen konnte. Middle Of Nowhere ist ein Album wie ein Streifzug durch Nashvilles brodelndes Zentrum, in dem sich Live-Location an Live-Location reiht. Country bis ins Mark, immer leicht melancholisch, manchmal ironisch, vielleicht auch mal verkatert, dann aber wieder lonesome und horny. Das Video zu Dry Spell spricht da herrliche Bände.
Lonesome ist sie dabei allerdings nicht immer. Der südafrikanische Country-Folk-Sänger Gregory Alan Isakov ist als Gaststar in Coyotes zu hören, Ikone Willie Nelson in Uncertain, TX.
Die größte Aufmerksamkeit auf dem Album sollte jedoch diesem wunderbaren Titel Horses And Divorces gelten, bei dem Musgraves mit der neunmaligen ACM-Gewinnerin als „Female Vocalist of the Year“, Miranda Lambert, zusammenarbeitet. Das ist für die Country-Welt natürlich richtig big, immerhin hatten die beiden eine regelrechte Fehde miteinander.
Foto: Jasmine Safaeian
Klare Kante gegen heuchlerischen Patriotismus
Es deutet eben alles darauf hin, dass Middle Of Nowhere das Country-Ereignis des Sommer wird. Ihr Überraschungsauftritt bei Coachella kürzlich war umjubelt, ihre Pläne, zur Feier der Veröffentlichung gemeinsam mit The Mariachi Brothers aufzutreten, einem Mariachi-Trio, das Asyl beantragt hat und von der ICE im Dilley-Internierungslager festgehalten wurde, zeigen, dass sie Country nach ihren eigenen Regeln auslebt. Und heuchlerischem Patriotismus im heutigen Amerika eine klare Abfuhr erteilt – selbst wenn sie ihre texanische Heimat liebt. Von solchen Country-Stars braucht es noch viel mehr.