Der große Durchmarsch für K-Pop bei den Grammys blieb mal wieder aus: Aber immerhin gab es endlich die erste Trophäe für einen K-Pop-Song und eine K-Pop-Produktionsfirma. Golden aus dem Film KPop Demon Hunters wurde in der Kategorie „Best Song For Visual Media“ ausgezeichnet und erhielt den allerersten Grammy für einen K-Pop-Song.
Natürlich könnte man sich jetzt fragen, ob das wirklich noch K-Pop ist. Der Song wird ja komplett auf Englisch gesungen und zwei der drei Sängerinnen – Rei Ami und Audrey Nuna – sind US-Koreanerinnen. Das mag zwar stimmen, aber die treibenden Kräfte hinter dem Riesenerfolg des Soundtracks sind genuin koreanisch und prägen den K-Pop schon seit Jahrzehnten maßgeblich. Das gilt natürlich vor allem für die koreanische Hauptsängerin Ejae, die als Songwriterin K-Pop-Hits wie Psycho von Red Velvet, Pieces Of Love von Twice und Armageddon für aespa geschrieben hat und auch die Hits auf dem Soundtrack zu großen Teilen schrieb. Es gilt aber auch für die Produzenten- und Labelcrew von THEBLACKLABEL – eine Firma, die gerne mal als „K-Pop Powerhouse“ beschrieben wird und von einem der erfolgreichsten Produzenten der K-Pop-Historie geleitet wird: Teddy Park.
Wer ist Teddy Park?
Teddy heißt eigentlich Park Hong-jun, wurde 1978 in Seoul geboren, verbrachte seine Kindheit und Jugend aber in Amerika, wo seine Eltern arbeiteten. Er lernte schon als Kind Klavier, wurde dann aber vom Rap der 80er und 90er angefixt, der den K-Pop bis heute prägt. Als Teenager hatte er mit seinem Jugendfreund Danny ein Rap-Duo, das von K-Pop-Legende Yang Hyun-suk entdeckt wurde – dem Chef von YG Entertainment. Eine der „Big Three“ der K-Pop-Industrie. Er lud die beiden zu einer Audition nach Seoul ein und nahm sie unter Vertrag.
Teddy war damals zunächst als Rapper und Sänger an Bord, interessierte sich aber schon für das Songwriting und das Produzieren. Er und Danny wurden Teil der vierköpfigen Band 1TYM, die von 1998 bis 2006 existierte und es in der Zeit auf fünf Alben brachte. Ab dem zweiten Album war Teddy bereits nicht mehr nur Performer, sondern erweiterte seinen Einfluss im Schreib- und Aufnahmeprozess.
Hausproduzent von YG Entertainment
Teddy Park wurde schnell zum Hausproduzenten von YG Entertainment. Er produzierte erste Songs für die immens erfolgreiche Band Big Bang und bekam dann den Auftrag, die Musik für ein neues Girlgroup-Projekt mitzuschreiben und zu produzieren: 2NE1 (was sich übrigens „Twenty-One“ bzw. „To anyone“ ausspricht). Vier junge Sängerinnen, die in ihren Outfits mit koreanischen Stereotypen brachen, auch mal Worte sangen, die man in Südkorea lieber auspiept, und die musikalisch experimenteller waren als die meisten Girlgroups dieser Zeit. Während bei der Konkurrenz noch überzuckerte Sweetness regierte, wurden Bom, Dara, CL und Minzy auch schon mal dark und angriffslustig.
Bis heute gelten sie als ikonische Girlgroup in der K-Pop-Historie – und als Wegbereiterinnen für Blackpink. Spätestens mit dieser Band wurde Teddy Park schließlich zum erfolgreichsten Produzenten Koreas. In der Netflix-Doku Blackpink: Light Up The Sky lässt er sich sogar mal kurz interviewen und sagt sehr treffend: „I’m their producer, songwriter. I’ve written and produced every single song that’s come out so far.“ Das stimmte bei den neueren Songs und Alben nicht mehr ganz, aber er ist immer noch der Fadenzieher im Hintergrund. Teddy Park hat jedoch erkannt, dass manche Fans nicht immer nur seinen Signature-Sound bei Blackpink hören wollen.
Die Bands von THEBLACKLABEL: Meovv und Allday Project
Blackpink debütierten 2016, aber schon 2015 gründete Teddy Park schließlich mit dem Rapper, Produzenten und Komponisten Kush THEBLACKLABEL. Die neue Firma ist bis heute ein Unterlabel für YG Entertainment und soll neue Talente fördern. Was ziemlich gut klappt. 2024 ging zum Beispiel die Girlgroup Meovv an den Start, die auch ein wenig den Spirit und den Sound von 2NE1 und Blackpink in sich trägt, diesem aber einen jüngeren Twist gibt.
Im vergangenen Jahr debütierten dann Allday Project, die zu gleichen Teilen begeistern und polarisieren. In diesem Artikel haben wir sie bereits genauer vorgestellt.
Rosé von Blackpink setzt solo auf THEBLACKLABEL
Beinahe hätte es bei den Grammys auch für eine zweite Trophäe gereicht: Denn auch Apt., ein weiterer internationaler K-Pop-Hit, von Rosé und Bruno Mars entstand mit Hilfe von THEBLACKLABEL. Das Blackpink-Member hielt Teddy Park als Einzige der Vier die Treue und veröffentlichte ihr Soloalbum rosie in einer Kooperation von Atlantic Recordings und THEBLACKLABEL. Aber auch die weiteren Solo-Artists vom Label können sich hören lassen: Big-Bang-Mitglied Taeyang veröffentlicht solo dort und die Sängerin Jeon Somi.
Die Produzenten hinter dem Soundtrack von KPop Demon Hunters
Aber zurück zum aktuellen Grammy für Golden. Zuerst sollte man an dieser Stelle noch einmal unterstreichen, dass der Song vor allem von den Sängerinnen getragen wird: Ejai, Rei Ami und Audrey Nuna auf ihrem Siegeszug zu sehen, ist „the gift that keeps giving“. Die Drei sind charismatisch, witzig, haltungsstark – und sie sind allesamt fantastische, eigenständige Musikerinnen, wie wir hier schon recht hymnisch geschrieben haben.
Trotzdem ist es spannend, auf die THEBLACKLABEL-Produzentencrew zu blicken. Sie waren es nämlich, die von den Machern von KPop Demon Hunters ganz gezielt ins Boot geholt wurden. Zum einen, weil sie K-Pop-Profis sind, zum anderen aber auch, weil sie viel Erfahrung darin haben, für den US-Markt zu produzieren und mit amerikanischen Player:innen zusammenzuarbeiten.
Im Mittelpunkt stand dabei nicht nur Teddy Park (der in vielen Credits des Soundtracks auftaucht), sondern IDO (Yuhan, Zhun und NHD), Vince und Dominsuk. Dieses Team ist bekannt für Hits wie Pink Venom von Blackpink, Still Life von Big Bang, Vibe von Taeyang, Fast Forward von Somi, Famous von Allday Project und Meow sowie Drop Top von Meovv.
In einem aufschlussreichen Interview mit dem Magazin Billboard geben sie jedoch zu, dass sie mit diesem Riesenerfolg nicht gerechnet hätten. Ihnen habe eher gefallen, Worldbuilding, Animationsfilm und Musik zusammenzubringen. Vince erklärt es so: „Ich habe mich nur darauf konzentriert, Musik zu komponieren, die zu den Bildern passt. Natürlich haben wir unser ganzes Herzblut hineingesteckt – als würden wir Tracks für eine echte K-Pop-Gruppe produzieren –, aber ich hätte nicht erwartet, dass sie so stark ankommen würde. Letztendlich denke ich, dass es die Synergie zwischen Musik und Bildern war, die die Menschen so angesprochen hat.“
Und Zhun von Produzenten-Trio IDO sagt: „Anstatt zu versuchen, es wie reinen K-Pop klingen zu lassen, haben wir uns darauf konzentriert, den Charakteren und ihrer Geschichte emotionale Tiefe zu verleihen. Wir haben die charakteristischen Elemente von THEBLACKLABEL – die eingängigen Drops und unsere uniquen Grooves – sehr organisch eingewoben. Außerdem haben wir koreanische und englische Texte gemischt, um dem Ganzen einen globaleren Touch zu verleihen.“
Das hat besser geklappt, als wohl alle gedacht haben. Was sich im Grunde über den kompletten Film sagen lässt. Und man darf gespannt sein, was THEBLACKLABEL in naher Zukunft noch so alles in Petto hat.