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Lautstark gegen Missstände: Diese politischen Metalbands musst du kennen
Sich aus politischen Debatten raushalten zu können, ist ein Privileg. Denn während es sich manche Menschen leisten können, gesellschaftliche Missstände zu ignorieren, leiden andere unter deren Folgen. Diese fünf Metalbands schauen ganz genau hin, legen den Finger in die Wunde und beziehen lautstark Haltung.
1. Napalm Death
Wer sich mit politischem Metal beschäftigt, kommt an Napalm Death nicht vorbei. Die Musiker aus Birmingham, vor allem Gründungsschlagzeuger Mick Harris, gelten als Mitbegründer des Grindcore und verbinden ihre rasenden Blastbeats seit den Achtzigern mit klaren politischen Botschaften. So kritisiert Frontmann Mark „Barney“ Greenway in seinen Texten den Kapitalismus und stellt Rassismus, Homophobie und Ausbeutung an den Pranger. Auch Tierrechte liegen ihm am Herzen. So entschied er sich bereits im Alter von 14 Jahren für ein Leben als Vegetarier. Seit 2012 ernährt er sich sogar vegan, außerdem ist er Mitglied in gleich mehreren Tierrechtsschutzorganisationen. Ihre Wut lassen Napalm Death betont nur auf der Bühne raus; in Interviews verweist Greenway immer wieder darauf, wie wichtig Empathie und Solidarität sind, wenn es um das gesellschaftliche Miteinander geht. Und zum Abschluss ein Funfact: Mit dem nur 1,316-sekündigen „Song“ You Suffer stellen Napalm Death 1987 unter Beweis, dass man auch in kürzester Zeit die ganz großen gesellschaftlichen Fragen aufwerfen kann, denn der Text der Mikronummer lautet (angeblich): „You suffer, but why?“
2. Sepultura
Auch Sepultura gehen in ihrer Musik seit jeher auf gesellschaftliche Missstände ein. Die Musiker der 1984 in Belo Horizonte gegründeten Band wuchsen während der brasilianischen Militärdiktatur auf, deren Auswirkungen das Land bis heute prägen. So handelt es sich bei Refuse/Resist, einem der berühmtesten Songs der Gruppe, um eine wütende Hymne gegen Unterdrückung und Polizeigewalt. Im Stück Manifest verarbeiten die brasilianischen Musiker das Massaker im Gefängnis von Carandiru, bei dem die Polizei im Jahr 1992 insgesamt 111 Häftlinge tötete. Und später auf Roots (1996) widmet sich die Band verstärkt der indigenen Bevölkerung Brasiliens, unter anderem gemeinsam mit Angehörigen der Xavante. Mit Derrick Green am Mikrofon schlagen Sepultura nach dem Ausstieg von Max Cavalera ein neues Kapitel auf, ohne dabei an politischer Haltung einzubüßen. Soziale Ungleichheit, Gewalt, Machtmissbrauch: Das sind nur einige der Themen, denen sich die Band widmet. Ohne sich zu weit aus dem Fenster zu lehnen: Sepultura haben nicht nur den globalen Metal geprägt, sondern auch dafür gesorgt, dass die gesellschaftlichen Probleme ihres Heimatlandes weltweit gehört werden.
3. Jinjer
Wie unmittelbar politische Konflikte das Leben von Musiker:innen beeinflussen können, zeigt auch das Beispiel Jinjer. Die Progressive-Metal-Band stammt aus der Ostukraine und ist bereits seit 2014 mit den Folgen des russisch-ukrainischen Kriegs konfrontiert. Bandmitglieder mussten ihre Heimat im Donbas verlassen, was die Gruppe unter anderem in ihrem Song Home Back thematisiert. Auch abseits der Bühne spricht Sängerin Tatiana Shmayluk offen über ihre Kriegserfahrungen und darüber, wie sehr die politischen Ereignisse ihr Leben und ihre Musik beeinflusst haben. Seit dem russischen Großangriff im Jahr 2022 nutzen Jinjer ihre internationale Bekanntheit verstärkt, um auf das Leid der ukrainischen Bevölkerung aufmerksam zu machen und Spenden für humanitäre Hilfe zu sammeln. Das Songwriting fällt Sängerin Shmayluk damals zunächst schwer, wie sie im Interview mit Loudersound verrät: „Es fällt mir leicht, über Krieg zu schreiben, solange er nicht unmittelbar um mich herum stattfindet. Doch als der Krieg begann, war ich völlig am Boden zerstört und auch kreativ wie gelähmt.“ Jinjer können sich schlicht nicht aussuchen, ob sie sich mit dem russisch-ukrainischen Krieg beschäftigen oder nicht.
4. Kreator
Dass Metal auch in Deutschland seit Jahrzehnten politisch ist, beweisen Kreator. Die Anfang der Achtziger in Essen-Altenessen gegründete Band zählt zu den wichtigsten Vertreter:innen des Thrash Metal und hat sich längst auch international einen Namen gemacht. Dabei kennt man Frontmann Mille Petrozza nicht nur für seine messerscharfen Riffs, sondern auch für seine messerscharfen Worte. Immer wieder positioniert er sich öffentlich gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Menschenfeindlichkeit im Allgemeinen, vor allem seit Beginn der Neunziger, also der sogenannten „Baseballschlägerjahre“, in denen sich besonders viele Vorfälle rechter Gewalt ereigneten. Auf dem Album Hate über alles (2022) nehmen Kreator die zunehmende gesellschaftliche Verrohung ins Visier, wie etwa den überbordenden Hass im Internet. Für sie ist Metal seit jeher eine Musik der Außenseiter:innen, die sich gegen gesellschaftliche Zwänge und Autoritäten auflehnt. Dass sich daraus auch die Verantwortung ergibt, gegen Ausgrenzung und Diskriminierung Stellung zu beziehen, ist für die Essener selbstverständlich und Teil ihres humanistischen Weltbilds.
5. Witch Club Satan
Witch Club Satan sind ein wunderbares Beispiel dafür, dass politischer Metal nicht nur auf eine lange Geschichte zurückblickt, sondern auch neue, ungewöhnliche Wege einschlägt. Das norwegische Trio besteht aus drei Musikerinnen mit Theaterhintergrund, die ihrem Black Metal eine ausgesprochen feministische Perspektive verleihen. Dabei greifen sie bewusst auf die genretypische Ästhetik aus Corpsepaint, Feuer und Okkultismus zurück, interpretieren die vertrauten Bilder jedoch neu: Die Hexe wird bei ihnen zum Symbol für all jene, die über Jahrhunderte verfolgt, unterdrückt und zum Schweigen gebracht wurden. In ihren Songs beschäftigen sich Witch Club Satan mit dem Patriarchat, sexualisierter Gewalt und gesellschaftlichen Erwartungen an weibliche Körper. Ihre Live-Auftritte bewegen sich irgendwo zwischen Black-Metal-Konzert, Theater und Performancekunst und sollen nicht zuletzt provozieren. Gleichzeitig positionieren sich die drei Musikerinnen gegen frauenfeindliche und rechtsextreme Strömungen innerhalb der Black-Metal-Szene und wenden die rebellische Kraft des Genres gegen dessen eigene Machtstrukturen, die viel zu lange unangetastet geblieben sind.