Review: Soft Cell feiern auf „Danceteria“ ein letztes Mal bis zum Morgen

Marc Almond von Soft Cell live
Foto: Jeff Hahne/Getty Images
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Mit Danceteria setzen Soft Cell der gleichnamigen Nachtclubikone und dem New York City der Achtziger ein Denkmal. Das Abschiedsalbum der Synth-Pop-Pioniere ist nicht ihr stärkstes. Aber ein wunderbar nostalgisches Werk voller bittersüßer Erinnerungen an lange Nächte.

Die Danceteria war Manhattans legendärer Nachtclub. Ein Ort, mehr Mythos als Disco, das Epizentrum eines Lebensgefühls. Hier erfindet sich Madonna, hier gehen prägende Figuren der New Yorker Kunstszene ein und aus. David Byrne, Nile Rodgers, alle strömen zu langen Achtziger-Nächten in die Danceteria – und das alles zu einer Zeit, in der New York City eher noch Gotham City aus Tim Burtons düsteren Batman-Filmen ähnelte.

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Liebesbrief an das New York der Achtziger

Kriminalität, heruntergekommene Blocks, günstige Wohnungen, Taxi-Driver-Flair, die Twin Towers… all das schwingt auch in Danceteria mit, dem Abschiedsalbum von Soft Cell. Vollendet vor dem Tod des Mitbegründers Dave Ball, beschreibt es Sänger Marc Almond als „Liebesbrief an das New York der frühen Achtziger.“ Er fährt fort: „Die Zeit, die wir in New York verbrachten – wo wir unsere ersten drei Alben aufgenommen haben –, hat uns sowohl als Künstler als auch als Menschen geprägt. Diese Zeit zu feiern, ist ein passender Abschied von Dave Ball und das letzte Soft-Cell-Studioalbum.“

Soft Cell verabschieden sich also mit einem Werk, das sich ganz unverblümt und hemmungslos der Nostalgie hingibt. Inhaltlich wie klanglich. Konzipiert als eine Nacht in New York, die in einer Cafeteria im Nachtclub beginnt, durch ein Kino führt, einen Tanz im Regen einschließt, jede Menge Drogen beinhaltet und in einer langen After-Hour endet. „In der Danceteria habe ich den Großteil meiner ersten Zeit in New York verbracht, deshalb wollte ich sie als Schauplatz für dieses eher feierliche Album wählen“, so Almond. „Es ist nicht nur ein Verweis auf den Club, sondern auch darauf, wie wir uns tanzend durchs Leben bewegen. Das Leben ist eine Danceteria.“

Ein wenig Verklärung ist erlaubt

Man muss all das natürlich in Betracht ziehen, wenn man das Album kritisch begutachtet. Die Bedeutung für Marc Almond und Dave Ball, die als junge Engländer vom Land in diesen Sündenpfuhl kommen und dem legendär hedonistischen und zerstörerischen Nachtleben Manhattans verfallen. Die Tatsache, dass das hier ein letzter Akt ist, eine Zugabe, ehe der Vorhang für immer fällt. Da darf man gern pathetisch, bombastisch und wehmütig werden. Verklärt natürlich auch.

Auf Danceteria fehlt daher das für diese Band so charakteristische Elend, das Klagen und das Selbstmitleid. Ersetzt wird all das durch romantische Nostalgie, die immer noch von der Gosse singt, aber immerhin den Blick auf die Sterne gerichtet hat. Bläser, Funk, jede Menge Disco-Glitzer und ein Starker Pet-Shop-Boys-Vibe ziehen sich durch ein Album, das einfach nur noch ein letztes Mal feiern will, ehe alles für immer vorbei ist. Ein letzter Drink, ein letzter Flirt auf der Tanzfläche, eine letzte Line auf der Clubtoilette. Sorry, das ist das New York der Achtziger, das ging nicht anders.

Es ist deswegen kein unverzichtbares Spätwerk, wie man es dieser Band ja durchaus zugetraut hätte. Aber es ist eine Zeitkapsel einer anderen, vermeintlich einfacheren Welt, inszeniert von zwei Zeitzeugen, die damals hautnah mit dabei waren. Und ohne die Erfahrungen, die sie mit diesem Album Revue passieren lassen, niemals die legendären Soft Cell geworden wären, die mit unsterblichen Blueprints wie Tainted Love maßgeblich am Sound der Achtziger mitgewirkt haben.

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