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Kurz nach der Jahrtausendwende wird die Welt sehr schnell sehr chaotisch. Das finden auch Bon Jovi und geben dafür unter anderem ihrem US-Präsidenten die Schuld. Mit ihrem neunten Album Have A Nice Day und dem dazugehörigen Titeltrack senden sie George W. Bush im September 2005 einen kleinen Gruß.
Am 13. November 1959 erschien ein Compilation-Album, das in die Geschichte eingehen sollte: 50,000,000 Elvis Fans Can’t Be Wrong von Elvis Presley. Der „King“ feierte damals 50 Millionen verkaufte Platten und ließ sich für das Cover in einem goldfarbenen Anzug ablichten. 45 Jahre später: Bon Jovi aus New Jersey konnten verdoppeln und bringen in Anlehnung an Presleys Machtdemonstration das Box-Set 100,000,000 Bon Jovi Fans Can’t Be Wrong auf den Markt. Auf dem Cover? Genau, die Band in goldfarbenen Anzügen. Bon Jovi sind nicht nur auf dem Rockolymp angekommen – sie fliegen gemütlich im Privatjet darüber her. Entspannt zurücklehnen möchte sich die Gruppe kurz nach der Jahrtausendwende trotzdem nicht.
Have A Nice Day: Bon Jovi senden George W. Bush einen Gruß
Schaut man sich die heutigen politischen Verhältnisse in den USA an, wirkt George W. Bush beinahe handzahm – doch damals steht der Republikaner schwer in der Kritik, unter anderem wegen des Irakkriegs, der am 20. März 2003 begann. Mit umso mehr Unverständnis reagiert Bon-Jovi-Sänger Jon Bon Jovi auf die (zunächst umstrittene) Wiederwahl des polarisierenden Politikers, denn nach der Wahl 2004 ist klar: Bush darf noch etwas länger im Weißen Haus wohnen bleiben. Das kann ja heiter werden, denkt Bon Jovi wohl – und komponiert den Song Have A Nice Day, in dem er klarmacht, dass er sich von niemandem in seinen Lebensweg hineinpfuschen lässt, auch nicht vom Präsidenten der USA.
Der Song erscheint am 8. August 2005 und markiert den ersten Vorboten auf das neunte Bon-Jovi-Album, das die Gruppe ebenfalls Have A Nice Day nennt. Die Platte folgt am 20. September und handelt nicht nur von der politisch angespannten Situation in den Staaten, sondern auch von persönlichen Themen. „Ich hatte immer diesen ‚Kopf-hoch-Das-Glas-ist-halb-voll‘-Optimismus“, verrät Jon Bon Jovi damals in einem Interview mit Billboard. „Diesmal zeige ich, dass meine Rüstung ein paar Schwachstellen hat.“ Ein Beispiel dafür ist die Ballade Welcome To Wherever You Are, die im Dezember 2005 als zweite Single von Have A Nice Day erscheint. Die klare Botschaft der zugegebenermaßen kitschigen Nummer: Sei, wie du bist, denn so bist du genau richtig.
Bon Jovis neues Album Forever (Legendary Edition) gibt's hier:
Dreieinhalb Minuten Berühmtheit: Bon Jovi kritisieren das Musikgeschäft
Auch die Musikindustrie bekommt auf Have A Nice Day ihr Fett weg. In der rockigen Nummer Last Man Standing prangern Bon Jovi die Fantasielosigkeit der Plattenfirmen an. Andy Warhol habe früher von „15 Minuten Berühmtheit“ gesprochen, dabei seien es nur noch drei Minuten und 30 Sekunden, findet Jon Bon Jovi. „Ich weiß nicht, wie diese Industrie den nächsten Bob Dylan finden möchte, wenn sich alles nur um die nächste Single dreht“, erklärt er im Billboard-Interview, „nicht um das Album, die Vision, die Inspiration. Es geht nur noch um 99-Cent-Downloads, die man gebündelt verkaufen kann, damit irgendwer seine Boni bekommt. Das bricht mir das Herz.“
Heute hat er seine Meinung dazu ein wenig relativiert, wie er 2024 im Gespräch mit Virgin Radio UK berichtet. „Für die Kids heute ist es anders. Nicht besser, nicht schlechter, einfach anders.“ Ein großes Problem sei, dass Social-Media-Likes zu viel Bedeutung beigemessen würde. Bon Jovi ist sich sicher: „Irgendwo da draußen gibt es Kids, die genauso verrückt sind wie ich damals, direkt zu den Radiostationen gehen und sich sagen: ‚Zur Hölle mit der Plattenfirma, ich gehe direkt zur Quelle.‘ Es gibt kreative Köpfe da draußen und sie werden ihren Weg gehen.“ Der Erfolg gibt Bon Jovi recht, doch zur Wahrheit gehört natürlich auch, dass er dafür seit mehr als 40 Jahren durchaus mit Plattenfirmen zusammenarbeitet.
Have A Nice Day: Bon Jovi arbeiten an den nächsten 100 Millionen
Als Have A Nice Day erscheint, stürmen Bon Jovi damit in 15 Ländern auf Platz eins der Charts. In den USA und Großbritannien gelingt immerhin der zweite Platz. Schon in der ersten Woche gehen in den Staaten mehr als 200.000 Exemplare über die Ladentheke, mehr als je zuvor in der Bon-Jovi-Historie. Man könnte also sagen: Bon Jovi sehen keinen Grund dazu, ihren Erfolgspfad zu verlassen. Ob es irgendwann noch 200 Millionen verkaufte Platten werden? Durchaus möglich. Den Rockolymp überfliegen Bon Jovi inzwischen ohnehin nicht mehr mit dem Privatjet, sondern höchstens in einem Spaceshuttle – und Inspiration für neue Songs dürfte die US-Heimat der Band heute mehr denn je liefern.