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Foto: Jordan Logan

Only The Poets über ihr kommendes Debütalbum: „Als würde ein Song vom Himmel fallen“

Im Januar ist es soweit: Only The Poets bringen endlich ihr Debütalbum namens And I’d Do It Again heraus. Auf ein Album der Indie-Pop-Band warten wir nun schon seit ein paar Jahren. So wie die vier Briten mit uns darüber sprechen, hat sich das Warten aber gelohnt.

„Wir mussten herausfinden, wer wir sind und wo wir stehen“

„Ich würde nicht sagen, dass das, was wir tun wollen, neu ist“, beschreibt Drummer Marcus Yates das neue Album And I’d Do It Again. „Für Only-The-Poets-Fans und Leute, die die Musik hören, mag es etwas anders erscheinen, aber dieser Prozess kam ganz natürlich. Wir mussten herausfinden, wer wir sind und wo wir stehen. Es gibt noch viel mehr Experimentierfreude, und ich denke, alle gute Popmusik geht irgendwie damit einher.“

Seit acht Jahren existiert das Projekt Only The Poets nun schon, damals angestoßen vom Frontmann Tommy Longhurst. Der hatte solo Musik gemacht, wusste aber bald, dass er mit einer Band auf der Bühne stehen wollte – das merkte er insbesondere bei Livekonzerten wie beim Reading Festival, aus dessen Nähe die Band stammt. Über die Jahre kristallisierte sich dann die aktuelle Bandbesetzung heraus: Tommy Longhurst selbst an Gitarre und Gesang, Clem Cherry ebenfalls an der Gitarre, Andy Burge am Bass und Marcus Yates an den Drums.

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Nach Jahren voller Gigs – von kleinen Pubs bis zum Vorband-Slot von Louis Tomlinson – und Singles und EPs steht nun der große Schritt zum Debütalbum an. Wie Yates eingangs schon erwähnt hat, klingt das Album – sofern man das von den vier bisher releasten Singles beurteilen kann – nicht radikal anders als die früheren Songs der Band. Inspiration ziehen Only The Poets immer noch unter anderem von Britpop-Bands wie Blur oder Post-Punk wie The Cure; auch zu jüngeren Bands wie The 1975 kann man Vergleiche ziehen.

Die Dinge atmen lassen

Um da zu landen, wo die Songs jetzt sind, hat es aber viel Ausprobiererei und Raum gebraucht. Vorher war das immer zu stressig gewesen; dieses Mal aber tourte die Band weniger und konnte viel Zeit in die Entstehung von And I’d Do It Again stecken. Und genau dieser zeitliche Vorteil war ein Knackpunkt. Dadurch wirke das Album besonders authentisch, meint Clem Cherry: „Ich glaube, in der Vergangenheit gab es Situationen, in denen es so aussah, als wären wir ziemlich kurzfristig hinter etwas her. Damals hatten wir gedacht: ‚Oh, es gibt eine Deadline!‘ Das setzt dich unter Druck und bringt dich kreativ auf einen bestimmten Weg. Aber nun hatten wir tatsächlich etwas Zeit, um uns zurückzulehnen und die Dinge atmen zu lassen. So konnten wir zurückgehen und Dinge überarbeiten, und nichts war in Stein gemeißelt.“

Bei so viel zeitlicher und kreativer Freiheit kann man sich natürlich schnell an Details verzetteln. Gerade das ist aber nicht passiert, erzählt Yates: „Es hat sich nicht wirklich überdacht angefühlt. Beim ersten Album wird es immer großen Druck geben, aber es war das erste Mal, dass die Songs und die Produktionselemente ziemlich schnell fertig wurden. Entscheidungen wurden also ziemlich impulsiv getroffen, und das zeigt sich in der Musik.“ Stimmt, überproduziert oder zu vollgestopft mit tausend Ideen wirken die Songs nicht. Auch Frontmann Tommy Longhurst stimmt da zu: „Es war, als würde sprichwörtlich ein Song vom Himmel fallen und sich einfach von selbst schreiben. Der größte Teil der Platte war so – das war manchmal fast zu einfach!“

Bouncy Vibes und verletzliche Geschichten

Eines der definierenden Merkmale von Only The Poets ist eine textliche Verletzlichkeit. Schon frühe Songs thematisierten Mental Health und kommunizierten offen persönliche Probleme und Gedanken – und auch dieses Mal hat Longhurst wieder tief gegraben. Die Single I Keep On Messing It Up beschreibt er daher als „einen ziemlich ergreifenden Moment während des Schreibprozesses“.

Longhurst erklärt: „Ich habe mich mit einem Teil meiner Persönlichkeit befasst und grundlegende Fehler herausgezogen. Ich musste ein ehrliches Gespräch mit mir selbst darüber führen, wie ich Dinge vermassele. Da war ich ziemlich spezifisch im Bezug auf Beziehungen und so weiter, da ich eine weitere gescheiterte Beziehung hatte.“

Wenn man nicht auf den Text achtet, fällt einem das erstmal gar nicht auf, denn der Song klingt fröhlich, tanzbar und hat – wie Marcus Yates es nennt – einen „super bouncy 70s-Vibe.“ Dieser Kontrast war beabsichtigt, meint Longhurst: „Wir wollten nicht, dass es sich pathetisch anfühlt, sondern klanglich hoffnungsvoll und erhebend. Deshalb hat es so viel Schwung: als würde man die Schönheit in den Fehlern finden, die man gemacht hat; und nicht so, als würde man sich selbst sabotieren.“

Was erwartet uns noch auf dem Album?

Eine ähnlich persönliche Geschichte trägt ein Song auf dem Album, den wir bisher noch nicht zu hören bekommen haben: Thinking About Your Ex – der Titel verrät schon recht viel. Longhurst erzählt: „Immer, wenn ich in eine neue Beziehung komme, suche und finde ich den Ex. Auch wenn ich es nicht will, zwingt mein Gehirn mich dazu, und am Ende fühle ich mich auch nicht gut. Aber warum mache ich das?“

So etwas zuzugeben und auch noch in einem Song zu teilen, ist eine Herausforderung – auch für Longhurst. Daher fragte er andere männliche Freunde, ob ihnen das auch passiere – und die stimmten ihm zu. „Ich habe das Gefühl, dass ich so etwas nie wirklich von der Seite eines Mannes gehört habe“, meint der Sänger. Nach dieser emotionalen Reise sieht er diesen Song nun aber als einen seiner Favoriten auf der Platte, weil er so ehrlich ist.

Werden wir je fertig?

Durch das Umsetzen des Albums merkten Only The Poets, was sie als Band genau wollen. So waren Longhurst und Yates für die meiste Produktion verantwortlich und hielten das Team drumherum möglichst klein. „Wir haben nicht zu viele verschiedene Meinungen eingebracht, sondern etwas gemacht, worüber wir uns wirklich einig sind“, erzählt Longhurst.

Yates erklärt, worin die Herausforderungen und Belohnungen in diesem Produktionsstadium stecken: „Durchs Experimentieren probiert man eine Menge Dinge aus. Deshalb gingen wir alle Wege und jedes Kaninchenloch durch, um sicherzugehen, dass wir die richtige Entscheidung getroffen haben. Und es hat sich ausgezahlt.“ Zwischendurch hatten sie bei einem Song wie You Hate That I’m In Love aber auch mal das Gefühl: „‚Werden wir dieses Lied jemals fertigstellen?‘“ Clem Cherry erinnert sich: „Bei jeder Version, die wir machten, dachten wir: ‚Das könnte besser sein.‘ Und das sagten wir immer wieder. ‚Ist es wirklich so gut, wie es sein könnte? Schmeiß es weg, lass es uns noch einmal probieren.‘ Das haben wir circa fünf Mal gemacht.“

Was soll das Album auslösen?

Mit dem Album, das daraus entstanden ist, sind Only The Poets sehr zufrieden. Aber was sollen die Hörer:innen davon mitnehmen? Yates meint: „Sie sollen denken: ‚Ich will es nochmal anhören!‘“ – also passend zum Albumtitel, And I’d Do It Again! Cherry wiederum sagt: „Ich würde es lieben, wenn sie sagen würden: ‚Ich muss diese Jungs sehen. Ich werde ein Ticket kaufen, wo spielen sie?‘“

Bassist Andy Burges fasst besonders gut zusammen, was And I’d Do It Againauslösen soll: „Ich habe das Gefühl, dass in diesem Album eine Art Soundtrack zu jedem Aspekt des Lebens steckt. Jeder Song hat seine eigene kleine Geschichte oder Stimmung. Es gibt für jede Emotion einen richtigen Song auf diesem Album. Ich hoffe also, dass die Leute das spüren können, wenn sie es hören.“ Davon können wir alle uns ab dem 30. Januar 2026 überzeugen, wenn das Album erscheint.

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