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Mike Patton goes Country: Projekt mit Avett Brothers feierte Livepremiere

Mike Patton ist immer für Überraschungen gut. Auf Faith No More scheint das Gesangsgenie zwar keine Lust mehr zu haben, dafür aber umso mehr auf Kooperationen, die man in dieser Form nicht unbedingt erwartet hätte. Besonders eindrucksvoll zeigt sich das in seiner Zusammenarbeit mit den Bluegrass- und Folk-Veteranen The Avett Brothers, mit denen Patton unter dem Namen AVTT/PTTN ein gemeinsames Album aufgenommen hat. Vor kurzem feierte das Projekt im Loreto Theater des Sheen Center in New York City seine Livepremiere.

Besondere Show in New York

Das Konzert war Teil der „New York Evening“-Reihe des Grammy Museum und bot einen frühen Eindruck davon, wie sich die Songs des noch jungen Projekts jenseits des Studios entfalten. Patton und das um mehrere Musiker erweiterte Ensemble präsentierten vier Stücke des im November erschienenen Albums, darunter als Auftakt Dark Night of My Soul.  Patton schaltete zwischen sanfter Intonation, Sprechpassagen und seinem typischen expressiven Ausbruch, während die Avetts den warmen Kern des Americana-Sounds hielten und gleichzeitig Raum für Pattons experimentelle Impulse ließen.

Nach dem Auftritt stellten sich Patton und die Avett Brothers einem Gespräch mit Comedian Eric André, der den Sänger bereits für eine Revolver-Titelstory interviewt hatte und die Bühne deshalb mit einer spürbaren Vertrautheit betrat. Zuvor hatte das Ensemble eine Signierstunde bei Rough Trade abgehalten und außerdem einen TV-Auftritt für die „Tonight Show“ mit Jimmy Fallon aufgezeichnet, der am Abend der Livepremiere ausgestrahlt werden sollte.

Mike Patton: Faith No More liegen wohl auf Eis

Faith No More liegen derzeit auf unbestimmte Zeit auf Eis, was vor allem mit Mike Pattons Gesundheitszustand zusammenhängt. Der Sänger hatte bereits 2022 in einem Interview mit dem Rolling Stone offen über eine Diagnose gesprochen, die sein Leben nachhaltig veränderte. Er schilderte, dass bei ihm eine Angststörung festgestellt worden sei und dass er in dieser Phase erstmals therapeutische Hilfe in Anspruch genommen habe. In seinen Worten bedeutete das, dass er zunehmend Angst vor Menschen entwickelte und regelrecht in Panik geriet, sobald er sich in größeren Gruppen befand. Patton erklärte, dass die langen Monate der Isolation während der Pandemie diese Neigung möglicherweise verstärkt hätten, dass ihm das Erkennen und Aussprechen des Problems jedoch geholfen habe, die Situation besser zu verstehen.

Besonders einschneidend war, dass dieser Zustand genau zu dem Zeitpunkt eintrat, als Faith No More eigentlich wieder auf Tour gehen wollten. Patton berichtete, dass er kurz vor dem Start der geplanten Termine den Mut verlor und der Band sagen musste, dass er sich nicht in der Lage fühle, auf die Bühne zu gehen. Sein Selbstvertrauen sei in sich zusammengefallen, und der Gedanke, vor Publikum zu stehen, habe ihn überfordert, obwohl er diesen Beruf sein halbes Leben lang ausgeübt hatte. Er sprach davon, dass diese Entscheidung sowohl ihm als auch seinen Bandkollegen das Herz gebrochen habe, dass sie aber notwendig gewesen sei, weil sonst etwas wirklich Gefährliches hätte passieren können. Seit dieser Zeit gilt die Zukunft von Faith No More als offen, und die Band pausiert ohne feste Pläne für eine Rückkehr.

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