Review: Madonna krönt sich mit „Confessions II“ erneut zur Queen Of Pop

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Foto: XNY/Star Max/GC Images

Review: Madonna krönt sich mit „Confessions II“ erneut zur Queen Of Pop

Mit Confessions II möchte Madonna 20 Jahre später an die Qualität ihres letzten großen Albums anknüpfen. Daran würden die meisten scheitern. Aber die meisten sind eben nicht die Queen Of Pop. Wie macht sie das nur?

Madonna ist Gesetz. Das muss natürlich gar nicht erst gesagt werden. Ihr Einfluss auf die Popkultur ist nicht bezifferbar, ihr Einsatz für die queere Szene pionierhaft, couragiert, ihr musikalisches Wirken eine der fünf Säulen der modernen Unterhaltungsmusik. Sie hat Grenzen verschoben und Wände niedergerissen, hat Dinge gesagt und getan, die sich niemand vor ihr zu sagen oder zu tun gewagt hätte.

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Rückkehr auf die Tanzfläche

Dennoch musste sie sich in den letzten Jahren immer wieder Kritik gefallen lassen. An ihren freizügigen Bühnenoutfits, an ihren ambitionierten Filmprojekten, natürlich auch an ihrem Alter. Denn nicht vergessen: Die Popkultur ist immer noch misogyn, so schnell ändern das auch die Sabrina Carpenters und Charli xcxs nicht. Madonna lässt sich davon nicht unterkriegen, das hat sie noch nie. Sie kämpft, sie geht ihren Weg, sie folgt ihrem Instinkt. Und der war angesichts der prekären Weltlage diesmal eben: Lass uns ein Album für die Tanzfläche machen, um diesen ganzen Scheiß da draußen zu vergessen.

Und nicht nur das: Sie beschließt irgendwann tatsächlich, ihrem riesigen Erfolg Confessions On A Dancefloor ein Schwesterchen zu schenken. Puh, das ist natürlich erst mal eine Ansage, das Original von 2005 ist eines ihrer besten Werke und stellt schon damals eine Art Rückkehr zu ihrer alten Hochform dar. 20 Jahre später also eine Fortsetzung. 20 Jahre später also der erneute Versuch, sich neu zu erfinden und zu alter Form zurückzukehren, die die letzten beiden Platten Rebel Heart und Madame X zumindest phasenweise vermissen ließen.

Musik als Ritual

Madonna wusste aber: Confessions I wurde auch dank ihrem Produzenten Vincent Price zu diesem Erfolg – aufgenommen als Nonstop-DJ-Mix in dessen Londoner Wohnung. Nun war es aber so, dass Madonna nach Abschluss der Tour zu Confessions On A Dancefloor geschlagene 15 Jahre nicht mit Price sprach. Und ihn dann plötzlich 2023 als musikalischen Leiter für eine weitere Tournee engagierte. Schon damals hecken die beiden den Plan eines Dance-Albums aus, eines Werkes, das uns abtauchen lässt wie auf einer Tanzfläche, die uns mit ausgefeilten House-Beats in eine tiefe Trance schickt, in der es außer der Musik und ihrer Stimme nichts mehr gibt.

Das funktionierte 2005. Aber wird es auch 2026 funktionieren? Erstaunlicherweise ja. Und das liegt nicht an den relativ einfachen Texten oder dem nicht eben originellen Manifest, das Madonna und Price dem Album mitgeben und in dem sie den Tanz als „spirituelle Praktik“ und die Tanzfläche als „rituellen Raum“ bezeichnen. Das machen die Leute schon seit der Erfindung der elektronischen Musik. Nein, die wahre Stärke dieser erstaunlichen Fortsetzung liegt in ihrer unapologetischen Attitüde und in einem gelungen transportierten Gefühl, als würde Madonna einfach das machen, wonach sie sich fühlt.

Ein Blick in die eigene reiche Vergangenheit

Zwischen den beiden großen Klammern Detroit Techno und Chicago House entfaltet sich Confessions II erneut als DJ-Mix ohne Pausen zwischen den Songs, zitiert im Dance-Monolog Feel So Free Deep House und begeistert im House-Pop von Bring Your Love mit einem grandiosen Sabrina-Carpenter-Feature. Die Queen und die Princess Of Pop mal wieder vereint – textlich eine Abrechnung mit der Kritik an Madonnas und Carpenters öffentlichem Image. Danceteria wurde dann natürlich von ihren Anfängen und den Partys im gleichnamigen Club inspiriert. Der Song enthält den Hook aus Lou Reeds Walk On The Wild Side, was man durchaus als genialen Kunstgriff bezeichnen darf. Auch die anderen Samples aus alten, teils obskuren, Dance-Tracks lassen nur ein Urteil zu: Madonna zaubert wieder.

Mutter und Tochter

Confessions II ist zudem gespickt mit Anspielungen auf Madonnas eigene legendäre Diskografie – und somit im Grunde auf die Ikonografie der Dance-Musik als Ganzes. Hier ein kleines Nicken in Richtung Justify My Love von 1990, da eine klare Spoken-Word-Hinwendung zu ihrem lasziven Erotica-Opus von 1992. Das hier ist kein halbgarer und ein wenig peinlicher Versuch einer 67-Jährigen, noch mal zwanghaft mit den Cool Kids mithalten zu wollen. Das hier ist das beeindruckende Werk einer Person, die genau weiß, was sie will, was sie kann und was sie sagen möchte.

Dazu zählen auch persönliche Momente: Fragile ist ihrem verstorbenen Bruder Christopher gewidmet und The Test ist gemeinsam mit ihrer Tochter Lola Leon entstanden. Auch hier gilt: Nicht Madonna hat ihre Tochter vors Mikrofon gezerrt, um den Altersdurchschnitt zu denken. Nein, Lola Leon selbst kam auf ihre Mutter zu und wünschte sich ein Duett. All das macht Confessions II zu einem würdigen Nachfolger und zu ihrem überzeugendsten Album seit 20 Jahren. Sind wir also mal gespannt, wie sie uns 2046 mit Confessions III verblüffen wird.

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