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Review: Mit „Palace For The People“ versöhnen Greta van Fleet Hard Rock mit Grunge
Erst haben sie den Rock gerettet, jetzt geben sie ihn wieder all denen zurück, die ihn in Zeiten wie diesen am dringendsten brauchen: Palace For The People ist eine Liebeserklärung an dieses verrückte, beschissene, wundervolle Leben. Und Greta van Fleets bisher abwechslungsreichste Platte.
Da ging der Rockwelt aber der Arsch ordentlich auf Grundeis: Vor einigen Monaten posteten Greta van Fleet ein kryptisches Video in den sozialen Medien, das nicht wenige als Ende der Band interpretierten. Wenig später das Aufatmen: Alles Quatsch. Es war nur Zeit für eine neue Ära. Die ist jetzt da – und kommt nach drei atemberaubenden Breitwand-Platten, die dem Hard Rock genau das zurückgegeben haben, was er irgendwann in den Neunzigern verloren hat: Chuzpe, Pathos und überlebensgroße Songs.
Greta van Fleet im Circle Store:
Mehr rockige Basisarbeit
Wie klingen sie nun aber, die „neuen“ Greta van Fleet? Natürlich sind sie immer noch eine Rockband. Dennoch klingen sie auf Palace For The People einerseits etwas nachdenklicher, andererseits flirten sie manchmal mit fast grungigen Alternative-Passagen und dem guten alten Sleaze der Achtziger. Vielleicht also etwas weniger Pathos und Welteroberungsepen. Und mehr rockige Basisarbeit.
Led Zeppelin wird weiterhin eine feste Größe im Referenzrahmen der Michigan-Helden bleiben, natürlich allein schon wegen der Banshee-Stimme von Joshua Kiszka. Heart And The Beat zeigt aber, dass man sich dann eher auf die rock’n’rollige Seite der großen Urväter konzentriert, auf den süßen Groove und das satte Stampfen. Die Dramatik manch früherer Songs bleibt dabei manchmal ein bisschen auf der Strecke und wird eher für besondere Momente aufbewahrt.
Pompöser Klang
Palace For The People ist daher ein etwas untypisches GvF-Album. Weil sie zaghaft versuchen, etwas Neues aufzubauen ohne das Alte einzureißen. Die Songs sind gewohnt detailverliebt, kunstvoll arrangiert und wunderbar arrangiert, glanzvoll und pompös produziert vom gefragten Mike Elizondo betreut, dessen Referenzliste von Eminem bis hin zu Mastodon reicht. Klar, Greta van Fleet wussten immer schon, wie sie ihren zugleich modernen und zeitlosen Rock ins beste Licht rücken.
Hard Rock küsst Grunge
Klares Highlight ist Touch Again. Es ist einer dieser Songs, die man sofort noch mal hören muss. Vielleicht ist es das Kashmir dieser Band, ein sehnsüchtiges, weit nach oben strebendes Epos, von dem man nicht genug kriegen kann. Von dieser Sorte Hymne hatten sie früher vielleicht ein paar mehr im Köcher, aber dafür lebt Palace To The People von einer gewissen Abenteuerlust, die sich in ungewöhnlichen Tonfolgen, sehr viel Spiel auf der Akustischen und ungewöhnlicher Rhythmik manifestiert. Wer hätte gedacht, dass die alten Erzfeinde Hard Rock und Grunge am Ende doch so gut harmonieren?
Man hätte sicherlich vieles von Greta van Fleet erwartet. Aber ein Album, das abwechselnd nach Led Zep, Temple Of The Dog, Suede und Bon Jovi klingt, dann doch eher nicht. Äußerst schöne Überraschung. Und sehr viel musikalisches Futter für die nächsten Herbstwochen.