Review: Phoebe Bridgers wird mit „Lost Weekend“ endgültig zur Ikone ihrer Generation

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Foto: Todd Owyoung/NBC via Getty Images

Review: Phoebe Bridgers wird mit „Lost Weekend“ endgültig zur Ikone ihrer Generation

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Sechs Jahre nach ihrem letzten Soloalbum, drei Jahre nach dem Sensationsdebütalbum von boygenius und unzählige Grammys später ist Phoebe Bridgers zurück. Ihr dritter Alleingang Lost Weekend ist ein musikalisches wie lyrisches Meisterwerk, das mit Galgenhumor, Trauerbewältigung und geschundenem Herzen zeigt, wie seltsam und divers Popmusik sein kann.

Das berüchtigte Lost Weekend ist bekanntlich ein nebulöser Abschnitt in John Lennons späterem Leben in den USA, der von Alkoholexzessen, einem mit der Pistole wedelnden Phil Spector und einer Affäre mit Mary Pang bestimmt war. Dass Phoebe Bridgers ihrem neuen Soloalbum diesen Namen gibt, ist passend für eine wie sie, die sich seit jeher in einem Kosmos verwirklicht, der reich an Referenzen, Wortspielen, Anspielungen und Doppeldeutigkeiten ist. Lennon meint sie damit nicht, wohl aber die inhärente Symbolik verlorener Zeit, die einem niemand zurückgibt.

Mit Galgenhumor auf die Beerdigung

Das geht schon im geisterhaften Vocoder-Opener The Outside los, in dem sie mit Galgenhumor von der Beerdigung ihres Vaters erzählt. Nicht das einzige Mal, dass ihr verstorbener Dad auf Lost Weekend erwähnt wird. Neben ihrem Vater arbeitet sich Bridgers auf ihrem ersten Soloalbum seit sechs Jahren auch an einem anderen Typen ab – Bo Burnham, ihrem langjährigen Partner, den sie in einer anderen Realität geheiratet hätte. Nicht in dieser. In dieser spukt er mit ihrem Vater durch Songs, die vom Tod und von Trauer, von der Liebe, von gebrochenen Herzen handeln. Und vom Neuanfang. Vor allem vom Neuanfang.


Das erklärt dann auch ganz gut, weshalb Songs wie die hinreißende Single Lost Boys diese bittersüße Aufbruchstimmung verbreiten. Das sind keine Heartbreak Songs, keine Torch Songs. Das ist das selbstbewusste Statement einer Künstlerin, die in den vergangenen sechs Jahren vom Indie-Darling zur globalen Ikone wurde. Und für diese Rolle mehr als bereit ist. Anders ist nicht zu erklären, wie Phoebe Bridgers mit dieser entschlossenen Leichtigkeit Lieder singt, die in vielen Fällen gemeinsam mit Burnham entstanden sind.

Phoebe Bridgers vertraut auf Jack Antonoff

Mit 31 Jahren ist Phoebe Bridgers endgültig zum großen Talent ihrer Generation geworden, eine Entwicklung, die sich schon mit ihrem Covid-Album Punisher überdeutlich abzeichnete. Mit Jack Antonoff als neuem Kollaborateur in der Gang um ihre Vertrauten Tony Berg und Ethan Gruska öffnet sich Bridgers ein wenig hin zum Pop, legt aber keineswegs ein überproduziertes Album vor. Im Gegenteil: Antonoffs Gespür für großen Pop kommt in triumphalen Titeln wie eben Lost Boys oder Bobby zum Tragen. Auf der anderen Seite stehen krachige, schräge, unbequeme Ausbrüche wie Kill Me, die überdeutlich zeigen, dass Phoebe Bridgers immer noch genau das macht, was sie will.

Und was sie wollte, ist augenscheinlich eine ausufernd lange Gästeliste. Zusätzliche Produktionsarbeit stammt von Alex G, der Songs wie Lost Weekend oder Panorama in ein geisterhaftes Licht taucht. Steht ihr unheimlich gut. Auch ihre langjährigen Kolleg:innen Christian Lee Hutson, Marshall Vore und Lucy Dacus sind als Songwriter aufgeführt, während Blake Mills, Jon Brion, Conor Oberst, Mike Kinsella von American Football, das Bluegrass-Trio Nickel Creek und ein gewisser Son-John Johnson die lange Liste der Gastmusiker:innen vervollständigen. Ob dieser Son-John Johnson tatsächlich Cameron Winter von Geese ist? Wundern würde es niemanden.


Wie sie es schafft, diese Sammlung an Songs dennoch so intim, nah, ruhig zu gestalten, ist ihr Geheimnis. Es zeigt aber ihr gewaltiges Talent. Lost Weekend ist so etwas wie das ultimative Anti-Pop-Album – ein großes Werk der Popkultur, das zeigt, wie seltsam diese Musik sein darf. Wenn sie von den richtigen gemacht wird. Mal Indie, mal elektronisches Wabern, mal Americana, mal Pop – Phoebe Bridgers schöpft für ihr bislang optimistischstes Album aus der ganzen Bandbreite ihrer Talente. Und triumphiert.

Komm süßer Tod

Existenzialismus lag ihr schon immer. Der Tod war stets ein dankbares Thema für sie. Der wirkliche, endgültige Tod ebenso wie der kleine Tod einer zerbrochenen Beziehung. Zugegebenermaßen lassen sich die besten Lieder aus diesen beiden Themen schnitzen. Phoebe Bridgers zeigt das besonders eindringlich in As Above fast am Ende des Albums, eine zerrüttete, angekämpfte Pianoballade, die zwischen Unsterblichkeit und Todesgewissheit pendelt und sich in ein intensives Finale steigert, bis ihre Stimme bricht – eine der atemberaubendsten Gesangsdarbietungen, die sie je aufgenommen hat.

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