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Mit Gladiator erlebt das monumentale Sandalenkino der Fünfziger im Jahr 2000 eine gewaltige Renaissance. 470 Millionen US-Dollar und fünf Oscars sind der Lohn für Ridley Scotts epische Geschichte. Doch der wahre Hauptdarsteller ist der bewegende Soundtrack, für den sich Hans Zimmer die Dienste von Lisa Gerrard (Dead Can Dance) sicherte. Und einen Platz im Pantheon dafür bekam.
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Hans Zimmer ist Ende der Neunziger längst ein Star. Einer der ganz Großen in Hollywood, auf dem besten Wege, ein echter Soundtrack-Titan zu werden. Er unterlegt Rain Man, Der König der Löwen oder Der schmale Grat mit emotionalen, evokativen und visuellen Klängen wie wenige andere vor ihm. Darauf wird eines Tages auch Regisseur Ridley Scott aufmerksam. Er verpflichtet Zimmer erstmals 1991 für sein Roadmovie Thelma & Louise. Und bringt damit eine Zusammenarbeit ins Rollen, die prägend für das Hollywood-Kino werden wird.
„Wenn ich seine Musik höre, muss ich nicht einmal die Augen schließen“, sagte Ridley Scott einmal über Hans Zimmer. Ich sehe die Bilder vor mir. Und deshalb weiß ich, dass ich mit Hans in vielerlei Hinsicht über Bilder sprechen kann. Er reagiert auf Bilder.“ Deswegen war es nur sinnig und konsequent, dass Scott auch für sein Sandalenfilmepos Gladiator auf die Dienste des gefragten Komponisten zurückgreift. Und ihn einfach mal machen lässt.
Gänsehautmomente ohne Ende
Der Film wird zum bewegenden Triumph, läutet ein Comeback des großen Monumentalepos ein und wird einer der erfolgreichsten Filme des Jahres 2000. Das liegt auch an der Filmmusik, die selbst 25 Jahre nach Kinostart nichts von ihrem unwirklichen Zauber und ihrer epischen Breite verloren hat. Klar, das liegt einerseits an Zimmers Genius und seinem Gespür für große musikalische Bilder. Während wir Russell Crowe alias Maximus Decimus Meridius, einem römischen General, zusehen, wie er verraten und zum Sklaven gemacht wird und als Gladiator Rache an seiner Familie übt, kleidet Zimmer diese Bilder in bedeutsamen Pathos und große Melodien. Wagner schwingt da ebenso mit wie Gustav Holt – und natürlich jede Menge dieser Gänsehautmomente, wie nur Hans Zimmer sie so unnachahmlich anschwellen lässt.
Als Komponist ist sein Spektrum vielleicht eher begrenzt, weil er sich gern auf ähnliche Motive und Kniffe verlässt. Doch als Dramatiker und als Meister der Emotionen sucht er einfach seinesgleichen. Er weiß, wie man Emotion erzeugt, er weiß, wie er Bilder noch stärker machen kann. Und bei Gladiator zeigt er erstmals sein gigantisches Mammutkönnen. Das ist aber nicht alles. Das allein würde vielleicht nicht reichen, damit dieser Soundtrack die Zeit überdauert. Die größten Momente des Soundtracks liegen in den Elegien zwischen dem Kolosseum-Bombast.
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Die Stille zwischen den Noten
Die gehen auch auf das Konto der Dead-Can-Dance-Sängerin Lisa Gerrard und ihrem unnachahmlichen Gespür für Stimmung, leise, ätherische Töne und die Stille zwischen den Noten. Sie gibt der Filmmusik einen dringend nötigen Gegenpol zu orchestralem Säbelrasseln und Streicher-Heroik. Ihre zurückhaltenderen, wehmütigen Momente verbinden ihren jenseitigen, mystischen Gesang mit verträumten, stimmungsvollen Passagen für Solo-Gitarren, Synthesizer und eine Vielzahl ethnischer Instrumente.
Ihre Faszination für Frauenchöre kommt hier mit ihrem durch und durch andersweltlichen Ansatz ans Musikmachen zusammen. Dazu passt, dass sie den großen Abschluss Now We Are Free in einer eigenen Sprache geschrieben hat – ihre „Sprache des Herzens“, wie sie sagt. All das schwebt eindrucksvoll zu den leicht arabisch anmutenden Klängen ihres einzigartigen Musikstils, der hier eben klar erkennbar bleibt und dem Soundtrack eine schwerelose Qualität verleiht, die auch 25 Jahre später zu Tränen rührt.
Der Soundtrack begründet eine große Ära des monumentalen Orchester-Budenzaubers, bei dem Hans Zimmer natürlich ganz vorn mitmischt. Und in Folge gleich auch die nächsten drei Ridley-Scott-Filme vertont.