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Mit Haut wie Pelz hat Apsilon 2024 eines der meistdiskutierten Rap-Alben des Jahres veröffentlicht – und den Soundcheck Award des Tagesspiegels gewonnen, der zuvor an Neil Young, James Blake und Tocotronic gegangen war. Wir beleuchten den Künstler genauer und schauen uns an, warum wir es hier mit einem der interessantesten Protagonisten des Genres zu tun haben.
Wer ist Apsilon?
Apsilon heißt bürgerlich Arda Yolci, wurde 1997 in Berlin-Schöneberg geboren und wuchs in Moabit auf. Seine Großeltern kamen in den Siebzigern als Gastarbeiter aus der Türkei nach Deutschland. Bevor er Musiker wurde, studierte er Medizin an der Charité – mit einem Abiturdurchschnitt von 1,2. Irgendwann hörte er damit auf – nicht weil das Studium nicht lief, sondern weil die Musik lauter wurde.
Was macht seine Musik aus?
2021 bot Rapper und Produzent Ahzumjot auf Twitter an, Demos unbekannter Künstler:innen anzuhören. Arda schickte etwas ein, Ahzumjot meldete sich, und kurz darauf erschien die Debüt-Doppelsingle Sport / Ich leb bei Four Music. Es folgten drei EPs: Gast (2022), 32 Zähne (2022) und Blei (2023) – jede ein bisschen größer als die vorherige. Apsilon schrieb bereits seit seinem 14. Lebensjahr Texte, zeigte sie aber lange niemandem.
Wie kam es zur Musikkarriere?
Apsilons Texte sind gesellschaftskritisch, antirassistisch und oft autobiografisch. Er rappt über das Aufwachsen als Sohn einer Gastarbeiterfamilie in Deutschland, über Fremdheitsgefühle, Männlichkeit und strukturellen Rassismus. Musikalisch arbeitet er eng mit seinem Bruder Arman zusammen, der als Produzent und Executive Producer fungiert. Sein Sound begann als das, was die taz einmal treffend „Indiefresserap auf Trapbeats“ nannte – politische Texte auf basslastigem Trap, ohne dass beides sich gegenseitig erklären müsste. Auf Haut wie Pelz hat er dieses Spektrum deutlich erweitert: Autotune-Balladen, Klavierstücke, eine Pop-Hymne mit Paula Hartmann. Zugänglich, aber ohne inhaltliche Kompromisse.
Das Debütalbum Haut wie Pelz
Haut wie Pelz erschien im Oktober 2024 und landete in den deutschen Top Ten. Das Album verarbeitet Familiengeschichte, politische Wut und persönliche Verletzlichkeit – und zieht dabei eine lose narrative Linie durch 14 Songs. Es beginnt mit Koffer, einer Ballade über das Fremdheitsgefühl, das entsteht, wenn das Land, in dem man lebt, einem das Gefühl gibt, nicht dazuzugehören. Der Song widmet sich auch dem Schicksal seines Großonkels Bekir G., der 1998 in Berlin aus rassistischen Motiven in seinem Taxi ermordet wurde. Die Ballade Baba – über die emotionale Verschlossenheit seines Vaters und was diese Härte mit einem Menschen macht – löste eine breite öffentliche Debatte über Männlichkeit aus. Zeilen wie „Ich wünscht, er wär ein bisschen schwächer / Dann hätt’s ihn nicht kaputtgemacht“ haben eine Direktheit, die im deutschsprachigen Rap selten ist.
Ist Apsilon nur Musiker?
Nein. Apsilon ist auch politisch aktiv: Er tritt bei Gedenkveranstaltungen für Opfer rechtsextremer Anschläge auf, organisiert Benefizkonzerte für die Seebrücke und hielt 2021 einen TEDx-Talk über rassistische Normalität an der Universität Mannheim – damals noch bevor er überhaupt ein Album draußen hatte. Auf die Frage, ob ihm das alles nicht zu viel werde, antwortet er: „Das gibt mir mehr als ein Festivalauftritt.“
Was kommt als Nächstes?
Apsilons zweites Album Glanz Null erscheint am 24. Juli 2026. Die erste Single Weg hier raus klingt elektronischer und offener als alles, was er bisher veröffentlicht hat – kein Stilbruch, eher eine Erweiterung des bisherigen Sounds. Der Albumtitel steht laut Ankündigung für den Verlust kindlichen Vertrauens – und möglicherweise für einen Neubeginn danach. Während Haut wie Pelz noch stark von äußeren Konflikten erzählte, richtet Glanz Null den Blick stärker nach innen. Im Herbst 2026 geht Apsilon damit auf Tour durch Deutschland, Österreich und die Schweiz.
Apsilon auf Tour:
- 29.10.2026 Leipzig, Felsenkeller
- 30.10.2026 Hamburg, Georg-Elser-Halle
- 04.11.2026 Stuttgart, Im Wizemann
- 05.11.2026 Zürich, Komplex457
- 06.11.2026 München, Muffathalle
- 07.11.2026 Wien, Ottakringer Brauerei
- 10.11.2026 Nürnberg, Z-Bau
- 11.11.2026 Münster, Skaters Palace
- 12.11.2026 Köln, Carlswerk
- 14.11.2026 Hannover, Capitol
- 16.11.2026 Wiesbaden, Schlachthof
- 18.11.2026 Berlin, Columbiahalle
- 19.11.2026 Berlin, Columbiahalle