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Foto: Apple TV+

Die Show „KPOPPED“ ist Culture Clash und starbepackter Fiebertraum

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R&B-Queen Patti LaBelle auf der Bühne mit den jungen K-Pop-Stars der Girlgroup Billlie? Vanilla Ice mit der Rap Unit von Kep1er? Die Spice Girls und ITZY? Und das alles moderiert von Psy und Megan Thee Stallion? WTF? Wir haben uns die neue, crazy Apple-TV+-Show KPOPPED angeschaut – und bei den Executive Producers Moira Ross und Jake Hong gefragt, wie man es schafft, Pop-Legenden nach Seoul zu bringen, um dort vor einem K-Pop-verrückten Publikum die eigenen Hits an der Seite junger Idols zu performen.

Wer sich die acht Folgen der neuen Show KPOPPED auf Apple TV+ anschaut, die an diesem Wochenende freigeschaltet wurden, wähnt sich bisweilen in einem Fiebertraum. Zum Beispiel, wenn Kylie Minogue ganz locker mit den hotten Boyz der Ateez plaudert, während man gemeinsam einen koreanischen Fächertanz performt. Oder wenn Megan Thee Stallion im Studio plötzlich frustriert feststellt, dass die Idols der Girlgroup ITZY gefühlt nur ein paar Sekunden brauchen, um eine komplexe Choreo tanzen zu können, während sie seit einer halben Stunde daran verzweifelt. Oder, wenn Vanilla Ice Ice Ice Baby performt und im letzten Drittel des Songs plötzlich die Rapperinen von Kep1er über die Bühne rauschen und ihn auf Koreanisch beinahe in Grund und Boden rappen.

Die K-Pop-Behandlung

Ihr merkt schon, was die Idee hinter der Show ist: KPOPPED lässt westlichen Pop auf K-Pop krachen. Das etwas kompliziert zusammengebaute Konzept der Show geht dabei so: Legacy Acts aus den USA oder England bringen ihre Hits mit, die dann von koreanischen Bands und ihren Produzent:innen ein wenig auf K-Pop gedreht werden. Dafür bemüht man etwas penetrant die Wortschöpfung, die der Sendung den Namen schenkte: KPOPPED. Die gut halbstündigen Folgen sind dann um Musikshows gestrickt, die jeweils in Seoul aufgenommen wurden. Die Fans vor Ort wussten vorher nur, dass sie eine Secret Performance ihrer K-Pop-Band sehen werden. Im Verlauf der Show werden dann immer wieder Video-Einspieler gezeigt: Interviews mit den Acts, der Blick auf die jeweils anderen Künstler:innen und im Vorfeld produzierte Mini-Reportagen. Die zeigen zunächst, wie sich die K-Pop-Stars in Seoul mit ihrem westlichen Counterpart treffen und sich in einer Art Date-Situation kennenlernen. Später sieht man dann Behind-the-Scenes-Bilder aus dem Studio, wo die Acts gemeinsam die westlichen Pop-Hits, äh, „KPOPPEN“. Am Ende entscheidet das Publikum im Saal per Voting, wer besser war.

Die Gästeliste bei all dem ist ziemlich crazy. Mr. Gangnam Style Psy und Megan Thee Stallion sind die Hosts. Als performende Acts sind – neben Megan – noch dabei: Patti LaBelle, Mel B und Emma Bunton von den Spice Girls, Vanilla Ice, Taylor Dayne, Kesha, Eve, J Balvin, Kylie Minogue, TLC, Boy George, Jess Glynne, Ava Max und Boyz II Men auf westlicher Seite. Und aus Korea und Japan: Billlie, ITZY, Kep1er, JO1, ATEEZ, STAYC, Kiss of Life und BLACKSWAN.

@tyreid.99 Which group and pairing are you rooting for in the new KPOPPED reality competition show?! #KPOPPED #kpoppedseries #Ateez #Kiof #Itzy #Koppedappletv #greenscreen ♬ In Your Fantasy - ATEEZ

Das alles ist sehr unterhaltsam, auch wenn die Dramaturgie manchmal etwas grob zusammengeholzt wirkt. Dabei sind es vor allem die ungeplanten Momente, bei denen man am meisten über das Zusammenspiel von K-Pop und amerikanischen oder europäischen Pop lernen kann: Wenn eines der koreanischen Idols etwa vor Ehrfurcht kaum weiß, was es sagen soll. Das sieht man zum Beispiel in der Folge mit Patti LaBelle und der Girlgroup Billlie. Bandmember Tsuki kann sich plötzlich die Tränen nicht verkneifen, als sie die Stimme der ikonischen R&B-Sängerin live im Studio hört. Sie habe als Kind immer Lady Marmelade gehört, erzählt sie später. Jetzt mit dieser Ikone im Studio zu sein, habe sie dann einfach vor Glück zum Weinen gebracht. Auch bei den Studioszenen sieht man eine interessante Dynamik, weil viele der westlichen Acts plötzlich merken, wie verdammt gut die Idols singen, tanzen und rappen können. Gleichzeitig realisieren sie und das Publikum, dass diese großen Pop-Songs eben einen riesigen Einfluss auf K-Pop haben. Es sind aber vor allem die Performances, die KPOPPED so spannend machen: Auch hier funktioniert nicht jede Kombi perfekt – aber wem zum Beispiel bei den Spice Girls und ITZY nicht das Herz aufgeht, der oder die spürt auch sonst nichts mehr. Und diese Vanilla-Ice-Kep1ler Nummer ist einach ein Banger.

Interview mit den Produzent:innen

Wir konnten vor einigen Tagen mit den beiden Executive Producers Moira Ross und Jake Hong über diese sehr ambitionierte und gut besetzte Show sprechen. Ross war aus London zugeschaltet, Hong aus Seoul. Hier kommt ein Auszug aus unserem Gespräch:

Die Show hat einige sehr herzwärmende Momente, die ich nicht unbedingt erwartet hätte. Zum Beispiel, wie charmant und ehrfürchtig die ATEEZ Kylie Minogue begrüßen und wie entwaffnend euphorisch sie dabei ist. Ich habe mich auch noch mal neu in die Spice Girls verliebt, weil Mel B und Emma so eine tolle, freundschaftliche Energie und Neugier untereinander hatten. Was waren für Sie beide solche überraschenden Momente? 

Moira Ross: Ich habe es geliebt, wie Patti LaBelle mit Billlie umgegangen ist. Da gibt es einen wirklich großen Altersunterschied, aber der Respekt und die Liebe von beiden Seiten waren wirklich aufrichtig, authentisch und bewegend. Ich ziehe meinen Hut vor Patti LaBelle, dass sie so neugierig auf K-Pop war – und sich übrigens gut damit auskannte, weil ihre Enkelkinder große K-Pop-Fans sind. Es war also eine besondere Erfahrung für sie, und ich fand es einfach toll, diese Interaktion zu sehen.

Jake Hong: Ich persönlich habe den Moment geliebt, als Vanilla Ice und Kep1er zusammenkamen. Ich bin mit Vanilla Ice aufgewachsen und habe seine Musik immer als generationsübergreifend empfunden. Es war einfach sehr interessant zu sehen, wie die beiden jungen Rapperinnen der Band diesen Song aufgemischt haben und wie beeindruckt Vanilla Ice von ihnen war.

In der Show werden Songs wie Wannabe und Say You’ll Be There von den Spice Girls, Lady Marmelade von Patti LaBelle, Ice Ice Baby von Vanilla Ice, Mi Gente von J Balvin, Waterfalls von TLC oder Karma Chameleon von Boy George geremixt und um eigene, koreanische Strophen ergänzt. Das sind massive Pop-Hits, bei denen die Rechte-Inhaber:innen sehr genau schauen werden, wer was mit ihnen machen darf. Können Sie mir Einblicke geben, wie diese ge-k-poppten“ Versionen zustande kamen? 

Moira Ross: Man sollte nicht unterschätzen, wie wichtig dieser Prozess war. Hinter den Kulissen passierte da natürlich sehr viel. Die westlichen Künstler:innen haben sich mit K-Pop auseinandersetzen müssen und die koreanischen Produzent:innen mussten sicherstellen, dass alle zufrieden sind und es für beide Seiten etwas gibt, dass sie stimmlich und performativ widerspiegelt. Der Prozess verlief aber insgesamt sehr reibungslos. Überraschend reibungslos würde ich sogar sagen. Besonders herausfordernd war natürlich, dass wir dann in Korea jeweils nur 48 Stunden hatten, um alles auf die Beine zu stellen. In dieser Zeit mussten sich die Acts kennenlernen, proben, und lernen, gemeinsam zu singen. Das war natürlich auch mit Druck verbunden, denn jeder wollte sein Bestes geben. Aber ich glaube, dieser Druck hat die Spannung dieser Auftritte und die Magie, die dabei entstand, noch verstärkt.

Jake Hong: Und unsere koreanische Musikproduzent:innen waren einfach fantastisch. Sie waren für den K-Pop-Sound der Tracks verantwortlich, und wollten die westlichen Künstler:innen wirklich glücklich machen und sicherstellen, dass wir den ursprünglichen Sound beibehalten und gleichzeitig die K-Pop-Elemente klanglich zur Geltung bringen, damit auch die K-Pop-Fans glücklich sind.

Wie waren Ihre Erfahrungen mit der Zusammenführung dieser großen Musikmärkte und -traditionen? Ich habe das Gefühl, man muss in Europa und Amerika immer noch vielen erklären, dass amerikanischer und britischer Pop eng verwoben ist mit der K-Pop-Historie. 

Moira Ross: Unsere westlichen Künstler:innen sind allesamt sehr musikbewusst. Und K-Pop ist ein solches Phänomen und eine solche Megakraft, dass sie neugierig waren, wie ihre eigenen Hits in einer K-Pop-Version klingen würden. Wir mussten unseren internationalen Künstler:innen K-Pop nicht erklären, würde ich sagen. Stimmen Sie mir zu, Jake?

Jake Hong: Auf jeden Fall. Es gab natürlich einige Herausforderungen, als wir die Show produziert haben, weil es natürlich kulturelle Unterschiede und unterschiedliche Arbeitsweisen gab. Aber es war wirklich alles kein Problem, weil wir auch die ganze Zeit zweisprachige Dolmetscher:innen und Übersetzer:innen am Set hatten. Klar, Ost und West sind ziemlich unterschiedlich, aber alle Crews und Künstler:innen haben sich gegenseitig wirklich respektiert. Ich glaube also, wir konnten alles klären.

Die K-Pop-Acts sind allesamt eher die junge Garde, während Sie bei den westlichen Teilnehmenden bewusst auf Legacy Acts setzen. Warum diese Entscheidung? 

Moira Ross: Es war von Anfang an die kreative Richtung, die wir einschlagen wollten. Ganz früh stand schon die Frage im Raum: Wie verrückt wäre es eigentlich, wenn die Spice Girls und ITZY zusammenkommen würden, um diese großartigen Hits neu zu interpretieren? 

Jake Hong: Ausserdem hatten wir sehr klare Vorstellungen von der Besetzung und wollten große, einflussreiche Namen dabeihaben. 

Unsere Zeit ist fast vorbei, aber eine Frage hätte ich noch: Wie wichtig war es, Psy dabei zu haben, auch wenn er leider keine Musik performt?

Jake Hong: Psy war von Anfang an eine Schlüsselfigur für die Show. Er ist hier in Korea eine Ikone und er hat 2012 mit Gangnam Style fast im Alleingang dafür gesorgt, dass die ganze Welt auf einmal K-Pop für sich entdeckt. Für uns und Apple war es also sehr wichtig, ihn an Bord zu haben – und Sie werden sehen, dass es eine gute Entscheidung war. Er bringt in allen Episoden seine ganz eigene Magie ein.

Alle acht Folgen von KPOPPED gibt es ab sofort hier auf Apple TV+ zu sehen

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