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Post-Hardcore, Alternative Rock, Nu Metal, Pop Rock: Don Broco wollen sich einfach nicht festlegen. Ihr fünftes Album Nightmare Tripping ist dennoch das mit Abstand härteste und düsterste. Warum das nicht anders möglich war und wie sich so ein musikalisches Freischwimmen anfühlt, verrät Schlagzeuger Matt Donnelly im The-Circle-Interview.
Don Broco sind bereit für den nächsten großen Schritt. Nightmare Tripping ist ein knallhartes, düsteres Album, geboren aus den Albträumen unserer Zeit und der kollektiven Ohnmacht angesichts einer globalen Krisensituation. Gemeinsam mit ihrem langjährigen Produzenten Dan Lancaster, der für das Gros der spannenden Rock-Veröffentlichung aus Großbritanniens jüngerer Vergangenheit verantwortlich ist, lassen sie ein fiebriges, verzweifeltes, an der richtigen Stelle aber auch erhebendes Album von den Ketten, das mit riesigen Breakdowns, irrwitziger Energie und überraschenden Wendungen begeistert.
Don Broco über die Kunst, sich nicht festzulegen
Matt, ihr wart von Anfang an vielfältig und gefühlt in fünf Szenen gleichzeitig zuhause. Habt ihr euch eigentlich nie gefragt, ob ihr damit durchkommen würdet?
Doch. Ständig eigentlich. (lacht) Aber es war die natürlichste Art und Weise für uns, Musik zu machen. Wir sind mit Don Broco an den Start gegangen, um die Musik, die wir lieben, neu zu interpretieren. Dabei sind wir geblieben und haben immer versucht, etwas zu tun, was wir noch nie zuvor gemacht haben. Sobald wir merken, dass wir zu nah an einem früheren Song oder Album dran sind, lassen wir die Finger davon.
„Wir wollen jederzeit das Gefühl haben, in eine ganz andere Richtung abbiegen zu können.“
Klingt aufregend.
Genau das ist es. Wir wollen diese Aufregung. Vielleicht auch diese Ungewissheit. Nicht zu wissen, ob wir auch diesmal damit durchkommen. Wir drängen an unsere Grenzen und darüber hinaus. Mittlerweile haben wir natürlich unseren Sound gefunden, also sind die Sprünge vielleicht nicht mehr so groß wie auf unseren frühen Werken. Da galt wirklich noch anything goes, eben weil wir in der Band so viele verschiedene Musikstile lieben. Jeder, der Don Broco schon eine Weile begleitet, weiß, dass das Ungewisse Teil des Vertrags ist. Wir wollen jederzeit das Gefühl haben, in eine ganz andere Richtung abbiegen zu können.
Nightmare Tripping im Circle Store
Diesmal ist daraus euer härtestes Album geworden. Warum?
Das ist der Zeit geschuldet, in der dieses Album entstand. Amazing Things erschien, als wir gerade aus der Pandemie kamen. Die Welt öffnete sich wieder, es gab Hoffnung auf Konzerte, auf Festivals. Diese Intensität und diese Hoffnung haben das Album bestimmt. Wie sich danach herausgestellt hat, sind wir seither aber einfach nur von einer Krise zur nächsten und von einem Schrecken zum nächsten getaumelt. Also haben wir ein Album geschrieben, das diese Unsicherheit, diese Lähmung und diese Angst einfängt.
Die Weltlage hat also direkte Auswirkungen auf eure Musik?
Ja. Ich denke, es ist unmöglich, die Welt auszusperren, wenn wir Musik schreiben. Auf Tour schreiben wir beispielsweise gar keine Musik. Da sind wir in einer Blase, in einer eigenen Welt, in der wir wie abgekapselt von der Außenwelt sind. Danach brauchen wir erst mal wieder eine ordentliche Dosis Leben, um die Speicher wieder zu fühlen. Deswegen hat es diesmal auch viereinhalb Jahre lang kein Album gegeben.
„Wir wollen die Augen vor der Welt nicht verschließen.“
Musik als Eskapismus ist nichts für euch?
Oh, ich denke, selbst auf Nightmare Tripping gibt es ein paar Songs, die sich zum Eskapismus einigen, und zwischendurch brauchen wir das auch. Nur solche Stücke wären uns aber zu wenig. Uns hilft unsere Musik sehr dabei, Dinge zu verarbeiten. Daher wollen wir die Augen vor der Welt nicht verschließen. Oder zumindest nicht für lang.
Ihr spielt seit 2012 in derselben Besetzung und arbeitet eigentlich immer mit eurem Hausproduzenten Dan Lancaster zusammen. Was macht diese Stabilität mit euch?
Die meisten von uns kennen sich, seit wir Schüler sind. Wir haben den Großteil unseres Lebens miteinander verbracht. Es gab nur einen Besetzungswechsel, das war’s. Auch Dan kennen wir seit unserer allerersten Tour. Diese Stabilität ist zentral für uns. Natürlich habe ich keinen Vergleich, aber es gibt nichts Besseres, als mit seinen Brüdern in einer Band zu spielen. Was wir zusammen erlebt haben, habe ich so mit keinem anderen Menschen geteilt. Wir sind ehrlich, wir müssen uns nicht verstellen, wir fetzen und auch mal, vertragen und aber nach fünf Minuten wieder. Jeder hat dasselbe Mitspracherecht, niemand steht über den anderen.
„Jeder, der Nickelback disst, hat etwas Grundlegendes nicht verstanden.“
Der ziemlich wilde und spektakuläre Titeltrack ist ein Feature mit Nickelback. Wie kam es denn dazu?
Es passiert mittlerweile ja immer öfter, dass Rockbands zusammenarbeiten. Also nicht nur ein Feature-Gast, sondern eine ganze Band. Ryan Peake, der Gitarrist von Nickelback, kam irgendwann mal zu einem kleinen Headliner-Gig von uns in Vancouver. Einige Zeit später kam eine Mail vom Nickelback-Management, in der es hieß, wie gut ihm unsere Show gefallen hätte und dass er und der Rest der band jetzt Fans von uns seien. Daraus wurde irgendwie ein Dialog, der schließlich dazu führte, dass Ryan Gitarree spielte und Chad Kroeger Backing-Vocals sang. Eine irre Sache für uns, weil wir alle riesige Nickelback-Fans sind. Jeder, der Nickelback disst, hat etwas Grundlegendes nicht verstanden.