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Foto: Universal Music

Rihannas „Anti“ wird 10 Jahre alt: Das Album, das Pop-Regeln brach

Work, Needed Me, Love On The Brain: Aus heutiger Sicht steckt Rihannas Album Anti voller Selbstläufer. 2016 war der Titel jedoch Programm: Rihanna brach bewusst Erwartungen, Trends und bis dato bewährte Pop-Formeln. Warum sie sich für diesen Bruch entschied – und wie Anti die Musikwelt veränderte – zeigt unser Rückblick anlässlich des zehnjährigen Jubiläums der Platte. 

Als sich Rihanna an die Arbeit für ihr achtes Studioalbum Anti macht, hat sie die Pop-Welt schon lange fest im Griff. Der Vorgänger Unapologetic hatte es 2012 mühelos auf Platz eins der US Billboard Charts geschafft und gehörte zu den Top 10 der meistverkauften Alben des Jahres. Auch in den Jahren zuvor hatte die Künstlerin zuverlässig abgeliefert: 2009 veröffentlichte sie Rated R und erzielte mit Singles wie Russian Roulette und Rude Boy große Erfolge, Loud glänzte 2010 mit Only Girl (In The World) sowie S&M und Talk That Talk (2011) wies Über-Hits wie We Found Love und Where Have You Been auf.

Hits am Fließband

Während Fans und Plattenbosse bis dato also jährlich mit Mega-Hits versorgt worden waren, lässt Rihanna sie bis zum nächsten Album ganze vier Jahre warten (nur, um der Musik im Anschluss noch viel länger den Rücken zu kehren, wie wir heute wissen). Der Erwartungsdruck ist also entsprechend hoch. Zur Entstehungszeit von Anti sagt Rihanna jedoch, sie wolle nun zeitlosere Songs machen als bisher: „Wenn ich auf der Bühne bin, möchte ich viele meiner Songs nicht mehr performen. Sie fühlen sich nicht nach mir an.“ 

Rihanna im Circle Store:

Und sie soll sich daran halten. Schon vor dem Album-Release ködert die Künstlerin ihre Zuhörerschaft mit Singles, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Auf die Kampfansage Bitch Better Have My Money folgt die balladige McCartney/Kanye-Collab FourFiveSeconds, bevor am 27. Januar 2016 Work erscheint. Hierbei handelt es sich nicht nur um den einzigen der drei Vorab-Titel, der es tatsächlich auf das Album schafft, sondern auch gleich um die Leadsingle. Gesungen wird sie von Rihanna in jamaikanisch-kreolischer Sprache, was bei vielen Zuhörer:innen für Verwirrung sorgt: Die gebrochene Aussprache und die unfertigen Wörter klingen für Nicht-Muttersprachler:innen fremd. 

Work, work, work, work, work, work …

Doch obwohl viele Kritiker:innen der Single ihr Hit-Potenzial absprechen wollen, funktioniert die Dancehall-Nummer. So erhält Rihanna nicht nur zwei Grammy-Nominierungen, sondern schafft es auch in vielen Ländern der Welt auf Platz eins der Charts. Ähnlich verhält es sich mit den Stimmen zum Album, das nur einen Tag nach der Single erscheint. Anti wird von vielen als „experimentell“ bezeichnet, manchmal auch weniger wohlwollend als „chaotisch“ oder „unstrukturiert“. Das macht sich bereits beim Release bemerkbar: Versehentlich wird das gesamte Album bereits im Voraus auf der Streaming-Plattform Tidal veröffentlicht – und verbreitet sich natürlich in Windeseile. Es hilft nur die Flucht nach vorn: Das Album wird offiziell zum kostenlosen Download angeboten. 

Aus damaliger Sicht wirkt auf Anti einiges ungewohnt. Viele Songs sind auffällig kurz, der Gesang scheint fragmentarisch, fast gemurmelt. Aufgrund seiner Struktur verlangt Anti auch kein lineares Anhören im traditionellen Sinn; es funktioniert mehr als Sammlung von Momenten. Was heute zur kollektiv verkürzten Aufmerksamkeitsspanne der TikTok-Generation passt, scheint 2016 noch ein Regelbruch zu sein. Ob Rihanna sich hier bewusst von den bisherigen Erwartungen abwendet, bleibt ihr Geheimnis. Rückblickend jedoch wirkt Anti wie ein Schlussstrich unter einer perfekten Pop-Karriere.

Ihrer Zeit voraus

Der kommerzielle Erfolg von Anti gibt Rihanna Recht. In weniger als 24 Stunden erreicht das Album Platin-Status und etabliert sich langfristig als eine der wichtigsten Platten der 2010er-Jahre. 2025 feiert die Künstlerin mit Anti einen historischen Meilenstein: Als erste Schwarze Frau verbringt sie 500 Wochen in den Billboard-200-Charts. „Gott hat mich nicht vergessen“, kommentiert sie diesen Erfolg. 

Ein langer Abschied

Nach Anti verschiebt sich Rihannas Fokus. Mit Marken wie Fenty Beauty und Savage X Fenty etabliert sie sich als Unternehmerin abseits des Musikgeschäfts. Dass Anti dennoch stets weiter wächst und immer wieder neu entdeckt wird, beweist: Dieses Album war nie für den Moment gedacht – sondern für die Ewigkeit. 

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