ROYA
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ROYA: Eine Runde Schwitzen mit dem sympathischsten Duo des nordischen Dancefloors

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ROYA stehen beim Hurricane vor ihrer bisher größten Festival-Kulisse, spielen ihr längstes Set überhaupt und haben trotzdem die Energie von zwei Menschen, mit denen man nach fünf Minuten Interview direkt ein kühles Getränk holen und danach bis drei Uhr morgens einfach quatschen will. Ein Gespräch über Spontaneität, Sound-Bastelei, Bauchgefühl und Songs, die manchmal einfach aus dem Universum fallen.

Es gibt Interviews, bei denen man erst einmal warm werden muss. Und es gibt ROYA. Line Gade kommt rein, sagt „I just woke up“, Sebastian Igens schaut sie an und findet das sofort großartig. Zwei Minuten später reden die beiden darüber, dass sie gerade erst realisiert haben, dass das Hurricane Festival ungefähr 75.000 Menschen fasst. Kurz danach wird über Sauna-Zelte, Badeanzüge und Schweiß gesprochen. Man merkt sehr schnell: Diese beiden sind nicht nur ein Pop-Duo. Sie sind ein kleiner gemeinsamer Kosmos mit sehr viel Charme, sehr wenig Rockstar-Gepose und einer Dynamik, bei der man direkt denkt: Darf man bei euch im Bus mitfahren?

ROYA, also Line und Sebastian, kommen aus Aarhus und machen elektronischen Pop, der nicht nach glatt gebügelter Playlist-Ware klingt, sondern nach einer spielerisch-verträumten Soundreise: euphorisch, verträumt, tanzbar, manchmal schräg. Ihre Musik passt zum nächsten Roadtrip, zum Wegträumen, zum Kurz aus dem eigenen Kopf ausziehen. Line nennt es im Interview einen „soundtrack for dreamers“ und das passt irgendwie wirklich gut.

Das Set als Sauna, Rave und Überraschungsei

Rund um das Hurricane Festival wartet auf die beiden eine ganz besondere Zeit: Drei Shows in 24 Stunden, dazu auf dem Hurricane das längste Set, das sie bis dahin je gespielt haben: eine Stunde und 15 Minuten. Line sagt trocken, man habe einfach alles an Material mitgenommen, was ging – „all the best of ROYA“. Sebastian denkt dabei schon weiter: Wenn man um 23 Uhr spielt, muss das Set eine Reise sein, aber trotzdem in Sachen Energie oben bleiben.

Und dann ist da diese Sache mit der Spontaneität. ROYA wirken nicht wie ein Act, der jedes Zwinkern und jede Bewegung vorher in einem Run of Show niedergeschrieben hat. Line beschreibt das Konzert als etwas, das zwischen Artist und Publikum entsteht. Die beiden wollen aufnehmen, was aus der Crowd zurückkommt, und damit arbeiten. Sie liebt die Impulsivität und „Randomness“, sagt sie. Sebastian ergänzt lachend, er wisse nie genau, womit Line gleich um die Ecke komme.

Das macht ihre Live-Shows interessant. Bei ROYA ist nicht alles festgezurrt. Es gibt Struktur, klar, aber auch Platz für kleine Bauchentscheidungen und Momente, die nur an diesem Abend passieren. Gerade bei elektronischer Popmusik ist das wichtig. Denn wenn alles zu sauber läuft, kann es schnell nach Laptop mit Beleuchtung aussehen. Bei ROYA dagegen fühlt es sich lebendig an: Stimmen, Beats, Samples, Bewegung, zwei Menschen, die wirklich miteinander und mit der Crowd agieren.

Dass das Hurricane-Zelt laut Sebastian eher „Sauna“ als Konzertlocation sein dürfte, nimmt das Duo erstaunlich sportlich. Line überlegt sogar, ob der mitgebrachte Badeanzug vielleicht doch die richtige Outfit-Entscheidung wäre. Wahrscheinlich hätte es niemanden gewundert.

Songs aus Bauchgefühl, Alarmanlagen und komischen Impulsen

Besonders spannend wird es, wenn ROYA über Songwriting und Produktion sprechen. Denn bei ihnen klingt das nicht nach: Wir setzen uns hin, schreiben Strophe, Pre-Chorus, Chorus, fertig. Eher nach: Irgendwo macht ein Geräusch „wrrr“, Sebastian hört darin ein Universum, Line folgt einem Impuls, und plötzlich ist da ein Song.

Die beiden sagen, dass sie selten wirklich streiten, wenn sie Musik machen. Nicht, weil immer alles sofort klar wäre, sondern weil sie einander offenbar sehr viel Raum geben. Line erklärt, dass sie den Flow ernst nehmen: Wenn eine Idee auftaucht, ist sie erstmal da, und dann wird geschaut, wohin sie führt. Jemand fügt etwas hinzu, jemand nimmt etwas weg, irgendwann fühlt es sich richtig an – oder eben nicht. Sebastian beschreibt es ähnlich: Man probiert Dinge aus, dreht sie um, hört sie zu oft, verwirft sie, wacht am nächsten Tag auf und denkt: Moment, das war vielleicht doch das Beste, was wir je gemacht haben.

Das klingt herrlich unakademisch, ist aber ziemlich genau der Punkt. ROYA bauen Songs nicht nach Anleitung. Sie züchten sie eher. Ein Sound, ein Preset, Lines Stimme, ein seltsames Sample, irgendein neues Plugin, das Sebastian heruntergeladen hat – alles kann der Anfang sein. Er nimmt Klänge, bearbeitet sie, zerlegt sie, setzt sie wieder zusammen. Line sagt, Sebastian könne ein ganzes Universum aus einem einzelnen Sound bauen. Und wahrscheinlich ist das die beste Produzentenbeschreibung, die man bekommen kann.

Besonders schön ist ihre Vorstellung vom Samplen: Da geht es nicht nur darum, coole Sounds aus Datenbanken zu ziehen. Line beschreibt, wie draußen beim Autofahren plötzlich ein Alarm losgehen könnte – und Sebastian würde genau diesen Impuls einfangen, verdrehen, „fermentieren“ und daraus etwas Neues machen. Das Wort „fermentieren“ passt in diesem Zusammenhang perfekt. ROYA-Songs wirken tatsächlich oft, als seien da kleine Klangpartikel eingelegt, geschüttelt, stehen gelassen und irgendwann als glitzernder Pop wieder herausgeholt worden.

Von Cruise bis Left / Right: Pop, der schwebt

Wer ROYA neu entdeckt, landet wahrscheinlich zuerst bei Cruise. Der Song ist dieser große, helle Türöffner: leicht genug, um sofort hängen zu bleiben. Danach kamen Songs wie Falling (D’Opera)Ain’t Just A GameBOY (ZACARIA)Dawn/Day und zuletzt Left / Right. Jeder dieser Tracks trägt ein andere kleine ROYA-Welt in sich: mal mehr Dancefloor, mal mehr Tagtraum, mal mehr elektronische Spielerei, mal mehr Pop-Song im klassischen Sinne.

BOY (ZACARIA) ist im Interview ein gutes Beispiel dafür, wie sehr ROYA auch mit Bedeutung spielen. Line sagt sinngemäß: Warum schreibt man einen Song über einen Jungen namens Zacaria? Keine Ahnung. Vielleicht sitzt irgendwo wirklich jemand, der genau diesen Namen hat. Das könnte kitschig klingen, wenn ROYA es nicht so angenehm beiläufig erzählen würden. Bei ihnen wirkt es weniger wie Mystik mit Nebelmaschine, sondern eher wie: Wir wissen auch nicht immer, woher es kommt, aber wenn es da ist, nehmen wir es mit.

Noch stärker wird das bei Dawn/Day klar. Line erzählt, dass Menschen ihnen geschrieben haben, der Song bedeute etwas ganz Persönliches für sie. Jemand habe etwa berichtet, ein verstorbener Cousin habe ähnlich geheißen und die Familie habe sich in dem Stück wiedergefunden. Für ROYA werden Songs dadurch nachträglich größer. Sie veröffentlichen einen Track und geben ihm eine eigene Bedeutung, dann legen ihre Fans ihre eigenen Geschichten hinein, und plötzlich gehört das Stück nicht mehr nur den beiden.

Gerade das macht ihre Musik so zugänglich. ROYA schreiben keine überkomplizierten Konzeptstücke – ihre Songs sind offen genug, dass man darin Platz findet. Sie sind tanzbar, ohne platt zu sein. Verträumt, ohne komplett wegzuschweben. Elektronisch, aber nicht kalt. Man kann dazu laufen, fahren, feiern oder kurz im Büro so tun, als sei man in einem sehr ästhetischen Musikvideo statt in einem Meeting, das auch eine E-Mail hätte sein können.

ROYA: Sympathie auf 11

Das Schönste an ROYA ist vielleicht, dass sie sich selbst nicht zu ernst nehmen, ihre Musik aber schon. Diese Kombination ist selten. Viele Acts können entweder lustig sein oder konzentriert, ROYA können beides gleichzeitig. Im Interview albern sie herum, lachen, ergänzen einander und wirken dabei so vertraut, dass es nur Sinn ergibt, dass genau diese beiden Menschen zusammen Musik machen.

Line bringt das Bauchgefühl immer wieder ins Spiel. Wenn zu viel nachgedacht wird, sagt sie, müsse man manchmal einfach „fuck it“ sagen und dem Gefühl folgen. Das ist kein Anti-Handwerk-Satz. Im Gegenteil: Es setzt voraus, dass man genug Handwerkskills hat, um loslassen zu können. Sebastian kann aus einem Sound ein Universum bauen, weil er weiß, was er tut. Line kann einem zufälligen Impuls folgen, weil sie ein Gespür dafür hat, wann eine Zeile oder Melodie etwas auslöst.

Live wird aus dieser Arbeitsweise dann genau das, was ROYA so sympathisch macht: kein durchchoreografiertes Pop-Raumschiff, sondern ein Set, das atmet. Ein Set, das spontan sein darf. Ein Set, das im besten Fall im selben Moment von Bühne und Publikum gebaut wird. Beim Hurricane heißt das: Sauna, Rave, Workout, Traumreise. Vielleicht auch Badeanzug. Man weiß es nicht genau. Und genau das ist gut.

Die Songs werden größer, die Bühnen auch, aber die Grundenergie bleibt charmant chaotisch: zwei Menschen, die Geräusche sammeln, Songs daraus bauen und dabei so wirken, als hätten sie selbst den meisten Spaß an der Sache. Und wenn Pop im Idealfall ein kleiner Realitätsausgang ist, dann haben ROYA eine ziemlich schöne Tür eingebaut. Man muss nur durchgehen. 

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