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Foto: Paulo Pinho/Redferns

Kneecap reagieren auf Rücktritt von Keir Starmer

Die nordirische Band Kneecap hat auf den Rücktritt von Keir Starmer als britischer Premierminister und Vorsitzender der Labour Party reagiert. Starmer kündigte am 22. Juni vor seinem Amtssitz in der Downing Street an, von beiden Ämtern zurückzutreten.

Auf Social Media veröffentlichte die Band daraufhin ein Video mit dem Kommentar „Slàn Keir“. Das gälische Wort bedeutet so viel wie „Auf Wiedersehen“. Der Clip zeigt unter anderem Szenen vom Glastonbury Festival 2025, bei denen Kneecap gemeinsam mit dem Publikum den Sprechchor „Fuck Keir Starmer“ anstimmten.

Spannungen zwischen Band und Politiker

Die Spannungen zwischen Kneecap und Starmer reichen bereits mehrere Jahre zurück. Auslöser war vor allem die offene Solidarität der Band mit Palästina. Starmer kritisierte die Band deshalb wiederholt öffentlich. Der Politiker hatte sich 2025 dafür ausgesprochen, Kneecap vom Line-up des Glastonbury Festivals zu entfernen. Der Auftritt fand schließlich trotzdem wie geplant statt.

Am Ende ihres aktuellen Videos verschärft die Band ihre Kritik erneut. Dort bezeichnet sie Starmer als „Netanyahus Schoßhund“ und als „Unterstützer eines Genozids“. Die Musiker werfen dem Politiker seit Langem vor, Israels Vorgehen im Gazastreifen politisch zu unterstützen. 

Verfahren gegen Mo Chara

Für zusätzliche Spannungen sorgte ein Verfahren gegen Kneecap-Mitglied Mo Chara, mit bürgerlichem Namen Liam Óg Ó hAnnaidh. Ihm wurde vorgeworfen, bei einem Konzert in London eine Flagge der Organisation Hisbollah gezeigt und entsprechende Parolen gerufen zu haben. Die Band bestritt jedoch wiederholt jede Unterstützung für Hamas oder Hisbollah und bezeichnete das Verfahren als „Ablenkungsmanöver“.

Die Anklage wurde später vom High Court abgewiesen. Eine anschließende Berufung blieb ebenfalls erfolglos. Starmer erklärte daraufhin, die Staatsanwaltschaft solle die Entscheidung „sehr sorgfältig“ prüfen.


Bereits im vergangenen Jahr hatte der Politiker seine Kritik an der Band bekräftigt. Gegenüber NME sagte er: „Kneecap sollten nicht bei Glastonbury auftreten, und ich unterstütze nicht, Gewalt als freie Meinungsäußerung zu rechtfertigen.“ Er betonte zudem, dass zwischen politischer Debatte und Gewaltaufrufen klar unterschieden werden müsse. 

Kneecap weisen Kritik zurück

Kneecap haben die Vorwürfe gegen die Band wiederholt zurückgewiesen und sehen die politische Aufmerksamkeit als Ausdruck einer größeren Debatte über den Krieg im Gazastreifen. Im Gespräch mit NME fragte Mo Chara: „Warum ist es kontroverser, wenn eine Band auf einer Bühne steht, als wenn ein Regime einen Völkermord begeht und gegen den Premierminister dieses Landes ein Haftbefehl vorliegt?“ Weiter sagte er: „Wir sind nicht die Einzigen, die von einem Genozid sprechen. Das tut auch der Internationale Gerichtshof. Es heißt immer: ‚Verurteilt ihr die Hamas?‘ Politiker:innen werden aber nie gefragt, ob sie die israelischen Streitkräfte verurteilen.“

Auch Bandkollege Móglaí Bap kritisierte die politische Debatte. „Keir Starmer gibt The Sun ein Interview darüber, dass wir bei Glastonbury spielen. Warum macht er das? Das ist doch seltsam“, sagte er im Interview. Starmer könne sich dadurch über etwas empören, das für ihn keine direkten Konsequenzen habe, während es gleichzeitig sein öffentliches Image stärke. „Wir haben eine dysfunktionale symbiotische Beziehung zu Politiker:innen.“

Mit Starmers Rücktritt endet nun wohl vorerst der Konflikt zwischen dem britischen Politiker und der irischen Band. Während Starmer Kneecap wiederholt wegen ihrer Aussagen kritisierte, sieht die Band die Debatte als Teil einer größeren Auseinandersetzung über Meinungsfreiheit, politische Kunst und den Krieg im Gazastreifen.

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