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Review: „Chuck Timely & The Hourglass“ ist Role Models Roadtrip-Soundtrack
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Wer noch die richtige Platte für den anstehenden Sommer-Roadtrip sucht, wird hier fündig: Mit Chuck Timely & The Hourglass veröffentlicht Role Model einen geschmeidigen und relaxten Cruise durch Americana, Elvis und Sommerferien-Pop.
Als Kind war Tucker Harrington Pillsbury ein riesiger Elvis-Fan. Er liebte den King, verkleidete sich auch wie sein Idol und trat bei Familienfeiern auf. Wahrscheinlich schämt er sich nicht mal für die verwackelten Videoaufnahmen, die von diesen frühen Gehversuchen künden, denn irgendwie klingt er heute immer noch ein bisschen nach Elvis. Mittlerweile ist natürlich einige Zeit vergangen. Er ist heute als Role Model bekannt, hat virale TikTok-Hits, war mit Gracie Abrams auf Tour und trat schon mit Charli XCX auf.
Hol dir das neue Album von Role Model nach Hause:
Ein Zeitreisender auf der Suche nach der Liebe
Mit Chuck Timely & The Hourglass ist Role Model bei seinem dritten Album angekommen. In der Vergangenheit war es so, dass man an seinen Platten immer sehr genau spüren konnte, wie es ihm davor so ging (meistens schlecht). Der selbsternannte „Over-Sharer“ hat sich noch nie zurückgehalten, wenn es um sein Privatleben ging; zahlreiche Songs thematisierten seine Beziehung zur Internet-Sensation Emma Chamberlain. Und diesmal? Geht es, ähm, um einen Zeitreisenden auf der Suche nach Liebe.
Nach dem ist die Platte benannt, ein wirkliches Konzeptalbum soll das aber nicht sein, meint er: „Ich habe alle Songs geschrieben und mir dann diese Chuck-Sache ausgedacht, um das Ganze einfach zu veranschaulichen“, so erzählte er unlängst dem Rolling Stone. Warum auch nicht, irgendwie passt dieses abgedrehte Konstrukt gut zum sauber ausproduzierten Sound der Platte. Viel Americana, Folk-Pop, ein wenig Aloha from Elvis und zahlreiche Stones-Referenzen.
Der Sound für das Diner am Highway
Chuck Timely & The Hourglass ist perfekte Musik für ein Diner irgendwo an einem Highway. Für eine Strandbar in Venice Beach. Oder für einen Roadtrip mit Freund:innen, der ebenso unbeschwert und ohne allzu große Tiefgründigkeit verlaufen soll wie die Musik. Das ist keinesfalls negativ gemeint, denn selbst wenn einige Songs durchaus so eine Seichte haben, dass man sie sich auch als Muzak in einem Strandresort vorstellen könnte, sind sie clever arrangiert, charmant ausstaffiert und herrlich süß.
Ironie statt Selbstmitleid
Bislang war dieser seichte „Lake Pop“ durchaus Kalkül: flockige Musik, doch in den Texten ging es zur Sache. Ein wenig Entwicklung ist bei dem aus Maine stammenden und mittlerweile in Los Angeles residierenden Sänger daher durchaus zu spüren: Das Selbstmitleid ist fast überall einer feinen Ironie gewichen. Das macht seine launigen Beobachtungen des Single-Daseins nicht zur Nabelschau, sondern zum vergnüglichen Tagebuch, das im Grunde durchweg sympathisch ist. Und sind wir mal ehrlich: Zwei Alben über Herzschmerz reichen ja auch erst mal.
„Das Album aufzunehmen und all diese Songs zu schreiben – ich glaube, dass ich jetzt in Therapie gehe, ist eine Folge davon“, so Role Model. „Man lernt sich selbst sehr gut kennen. Man fängt an, sich zu fragen, ob man vielleicht selbst das Problem ist, und ich glaube, es gibt vielleicht Dinge an mir, die ich ändern muss, bevor ich – ich weiß nicht. Das Album hat mir insofern sehr gutgetan, als es mich dazu gebracht hat, etwas tiefer in mich hineinzuschauen und zu hinterfragen, inwieweit ich eigentlich schon alles durchschaut habe.“
Steht ihm gut. Chuck Timely & The Hourglass verlängert den Sommer und lässt uns für 47 Minuten auf seiner Veranda im trendigen Viertel Los Feliz Platz nehmen. Schön hier.