Idols ist eine bewegende, überlebensgroße Geschichte vom Glauben an sich selbst und seine Fähigkeiten. Mit dem zweiten Teil schenkt Yungblud sich und seinen Fans die sehnlich erwartete Fortsetzung. Und begeistert mit überwältigenden Rocksongs.
Im Juni 2025 schrieben wir Folgendes über das damals brandneue Yungblud-Album Idols: „Man ist nicht oft live dabei, wenn aus einem Phänomen ein Weltstar wird. Bei Yungblud ist dieser Moment jetzt gekommen – mit Idols, einem neuen quintessenziellen englischen Indie-Album.“ Ein gutes halbes Jahr später wissen wir längst, dass alles genau so gekommen ist. England hat seinen nächsten großen Rockstar, der mittlerweile die ganze Welt erobert, begeistert und für sich gewonnen hat. Told you so.
Hymne auf den Glauben an sich selbst
Nach Nummer-eins-Erfolgen, nach einer ausverkauften US-Tour, nach einem Grammy für seine bewegende Changes-Performance zu Ehren Ozzys, nach einer EP mit Aerosmith und hundert anderen Dingen ist Yungblud jetzt endlich mit dem bereits einige Zeit angekündigten zweiten Idols-teil zurück. Mehr Schwester-EP als vollwertiges Album, ist überdeutlich, dass diese beiden Teile zusammengehören. Und Seite an Seite endlich ein großes Ganzes ergeben.
Yungblud: Idols & mehr im Circle Store:
Idols ist die Geschichte eines Musikers, der sich über allen Gegenwind hinwegsetzt, der sich nicht einreden lässt, wie er zu klingen hat, auf seinen Instinkt vertraut. Und dadurch zum Weltstar wird. Es ist eine Hymne auf den Glauben an sich selbst, eine Kollektion an Songs, die über allem für Freiheit und Selbstbestimmung stehen. Auch deswegen resoniert er so sehr mit seinem Publikum. Auch deswegen wollen alle großen Rockstars einer fernen Generation mit ihm zusammenarbeiten.
Unbesiegbar
„Teil eins war eine Reise, die mir half, meine Identität aus der dunkelsten Phase meines Lebens zurückzugewinnen“, so sagt Yungblud selbst. „In Teil zwei geht es darum, zu erkennen, dass ich lebe, dass ich real bin, dass diese Reise, auf der ich mich befand, mich nicht umgebracht hat. Es geht darum, zu erkennen, dass man sich unbesiegbar fühlen kann, wenn man sich selbst wirklich spürt. Es geht darum, zu begreifen, dass mein Herz schlägt und meine Lungen sich mit Luft füllen.“
Entsprechend groß und episch sind die neuen Songs angelegt. Da ist der berührende Opener I Need You (To Make The World Seem Fine), den man durchaus als neues Nights In White Satin bezeichnen kann. Da ist der ansteckende Britpop-Groove von Postman, aber auch die grungige neue Version seines Hits Zombie, bei denen unbedingt Billy Corgan und seine Smashing Pumpkins mitmachen wollten. Keine bessere Version, aber eine anders grandiose.
Alles auf Rot
Time zeigt Yungblud pur, verletzlich, nur mit der Akustischen, während er mit War Pt. II einem der besten Songs von Idols eine cinematische, ausladende Fortsetzung schenkt, die sich ein wenig Pathos von U2 borgt und live für jede Menge offene Schleusen sorgen wird. Überhaupt fällt bei diesen sechs neuen Songs und der Zombie-Neuaufnahme auf, wie fragil und emotional sie komponiert sind. Das hier sind echte Momente aus seinem Leben, keine generischen Radiohits. Das hier ist der Blick in das Leben eines Künstlers, der alles auf eine Karte gesetzt hat. Alles auf Rot, rien ne va plus. Und damit durchgekommen ist. Entsprechend groß wallen die Streicher am Ende von War Pt. II. Das hier ist das Leben. Das hier ist das pure, kostbare, lächerliche, unersetzliche, schwere, leichte Leben. Und Yungblud schreibt den Soundtrack dazu.
Bei Blueberry Hill klingt er wie eine Mischung aus späten Beatles, Rock-Oper, Peter Gabriel und einem sonnigen Nachmittag in London, singt ungewöhnlich hoch und erweitert seinen archetypischen englischen Rock-Kniefall um weitere spannende Facetten. Das Highlight, das hebt er sich aber bis zum Schluss auf: Suburban Requiem, sein Bittersweet Symphony. Der Song bringt die Theatralik von Hello, Heaven Hello mit der Energie von Lovesick Lullaby zusammen. Ein seismisches Ereignis, das künftig wahrscheinlich jedes Konzert mit der ganz großen Rockgeste beschließen wird.
Yungblud ist ganz oben angekommen, und das völlig zurecht. Er ist eine neue Art von Rockstar, menschlich, empathisch, verletzlich, einer, der sich so schnell nichts mehr von der Industrie sagen lassen wird. Mit diesen neuen Songs wird er auch durch 2026 segeln wie durch einen wilden Traum. Er hat es verdient. Mehr als die meisten.