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Mit The Weight Of The Woods veröffentlicht der Singer-Songwriter Dermot Kennedy sein drittes Album. Und das ist nicht nur so verletzlich wie selten zuvor geworden, es scheint auch geradezu naturverbunden zu sein. Mehr darüber erzählt Kennedy im Interview.
Wer die Videos, Bilder und Songs aus Dermot Kennedys Promophase zu seinem neuem Album gesehen hat, konnte schon erahnen: Der Singer-Songwriter reist dieses Mal tiefer denn je in sich selbst und seine Beziehungen zu anderen Menschen. Im Albumtrailer sieht man, wie Dermot Kennedy im Wald und an anderen natürlichen Orten zur Ruhe findet – oder diese zumindest sucht. The Weight Of The Woods: Die Natur scheint für ihn ein unvergleichliches Gewicht zu tragen, das ihn erdet.
Mit einem Albumtitel wie diesem macht sich direkt eine Landschaft beim Hören vorm inneren Auge auf. Aber wie genau sieht diese Landschaft für Kennedy selbst aus? „Für mich ist das ziemlich klar. Wenn ich an das Cover des Albums denke, ist das für mich ein wunderschönes Bild, denn es besteht aus viel Stein, aber auch viel Grün und diesen einheimischen Bäumen. Die irische Landschaft ist ziemlich holprig und rau, aber sie ist auch so schön und kraftvoll – und ich hoffe, die Musik ist beides davon.“ The Weight Of The Woods entstand in verschiedenen Landschaften: in Norwegen, in Nashville, in den Wäldern nahe seiner Haustür in Irland.
The Weight Of The Woods auf Vinyl:
Zittern auf der ersten großen Bühne
In den ländlicheren Teilen Irlands wuchs Dermot Kennedy auf, genauer in einem dörflichen Vorort Dublins namens Rathcoole. Doch er studierte in Dublin und musizierte schon als Teenager dort oft, etwa bei Open-Mic-Abenden oder als Straßenmusiker. Bald folgten größere Bühnen. So lud ihn etwa der ebenfalls irische Singer-Songwriter Glen Hansard als Support-Act vor 1.200 Leuten ein – ein Moment, an den Kennedy sich jetzt noch gut erinnert: „Für mich war das verrückt, ich zitterte! Ich erinnere mich, wie sich die Bühne und das Schlagzeug unter meinen Füßen anfühlten, all diese unterschiedlichen Sinneseindrücke.“
Von solchen Momenten hatte er als Teenager lange geträumt, doch wie groß diese Karriere noch werden würde, hatte ein 16-jähriger Dermot Kennedy nicht ahnen können. „Er wäre wahrscheinlich schockiert, dass es tatsächlich geklappt hat“, sagt Kennedy über sein jüngeres Ich. „Mittlerweile habe ich an so ziemlich jedem Veranstaltungsort gespielt, von dem ich geträumt habe. Allein herauszufinden, wie es sich anfühlt, rauszugehen und da sind 40.000 Menschen – als ich in diesem Alter davon träumte, versuchte ich, irgendwie vorherzusagen, wie sich das anfühlen würde. Aber es fühlt sich anders an.“ Das zeigte ihm dieser erste Moment auf der gleichen großen Bühne wie Glen Hansard.
In eine so große Karriere würde Kennedy aber schnell hineinwachsen, spätestens mit Riesen-Hits wie Power Over Me war es dann soweit. Während einer so berauschenden Karriere muss man auch mal innehalten und in sich gehen – und so entsteht dann etwas wie The Weight Of The Woods, ein Album, das für den Musiker so persönlich und ehrlich wie selten zuvor ist
„Es ist neu für mich, in Liedern zuzugeben, dass mir auch vieles schwerfällt.“
Diese Ehrlichkeit ließen schon die Vorab-Singles erahnen. Refuge etwa sieht Dermot Kennedy als „meinen verletzlichsten Song bisher. Seit Jahren schreibe ich diese Musik, die hoffentlich anderen Menschen Hoffnung gibt und ein bestimmtes Gefühl vermittelt. Aber es ist neu für mich, in Liedern zuzugeben, dass mir auch vieles schwerfällt.“ In Refuge singt er davon, zu zittern, das Düstere in sich zu verstecken, sich Unbesiegbarkeit einzureden, auch wenn es eine Lüge ist. Ist es schwer, so etwas mit der Welt zu teilen? „Nein, also vielleicht beim ersten Konzert, aber ich fände es verrückt, darüber nicht zu singen. Es ist befreiend.“
Persönliche Songs liegen natürlich besonders eng am eigenen Herzen. Was soll also jemand anders daran kritisieren dürfen? Das ist ein Problem, dem Kennedy immer wieder begegnet, erzählt er. Denn wer Musik macht, muss in den meisten Fällen auch lernen, sich stellenweise von anderen Personen unter die Arme greifen zu lassen, um die Idee so gut wie möglichst umzusetzen. „Es ist interessant, weil ich mit Menschen zusammenarbeite, denen ich sehr vertraue“, erzählt der Singer-Songwriter. „Aber wenn ich eine Idee mitbringe, von der ich wirklich begeistert bin, möchte ich nicht, dass mir jemand etwas darüber erzählt. Ich denke: ‚Es ist gut so, wie ich es gestern Abend zu Hause gespielt habe.‘ Also fällt es mir bei diesen sehr persönlichen Stücken, die ich alleine zu Hause am Klavier geschrieben habe, schwer, eine Richtung festzulegen, weil ich denke: ‚Nein, das ist die Art und Weise, wie es aufgetaucht ist.‘ Ich bin der festen Überzeugung, dass, wie auch immer ein Song auftaucht, man dem irgendwie vertrauen sollte.“
Die Magie entsteht im Studio
Die Zusammenarbeit scheint trotzdem gut funktioniert zu haben. Das Album klingt groß und stadiontauglich, in anderen Momenten so folkig wie Bon Iver. The Only Time I Prayed etwa wirkt riesig, zugleich lebt er von Atmosphäre, Raum und Platz zwischen den Strophen. Nicht ohne Grund ist es Kennedys Lieblingssong auf der Platte geworden.
Sein diesmal engster Arbeitspartner Gabe Simon, der das neue Album produziert hat, hat laut Kennedy wohl einen wesentlich schnelleren Arbeitsprozess als er selbst. Klar, Simon hat auch schon mit etlichen Namen wie Lana Del Rey, Maroon 5 oder Hozier gearbeitet. Kennedy währenddessen ist zwar ebenfalls erfahren, springt aber nicht rastlos von Idee zu Idee: „Ich schreibe Texte ganz leise und ich schreibe nicht viel. Ich bin nicht der Typ, der gerne Seiten füllt. Wenn ich im Studio bin, schreibe ich die meisten Texte in meinem Kopf und dann kenne ich sie.“
Das Studio sei Kennedys Lieblingsort, sagt er, insbesondere den Aufnahmeprozess liebe er: „Besonders wenn jemand reinkommt und sehr besonders Klavier oder Geige spielt – ich glaube, das ist mein Lieblingsteil des Musizierens. Das könnte ich ewig tun. Aber beim Schreiben ist es fast wie ein Arbeitstag. Und es hat lange gedauert, bis ich das gelernt habe, denn wenn man anfängt, hat man das Gefühl: ‚Ich sollte bis Mitternacht hier sein!‘ Aber so verschwendet man meiner Erfahrung nach seine Zeit. Ich werde nicht besser, je müder ich werde.“
Die transformierende Wirkung des Publikums
Am 03. April 2026 ist es so weit: Die Songs auf The Weight Of The Woods dürfen in die Welt hinaus. Dieser Schritt ist wie eine Transformation, vor allem sobald man die Songs zum ersten Mal live spielt. Das erklärt Kennedy am Beispiel eines seiner älteren Lieder: „Better Days schrieb ich inmitten der Corona-Krise, als niemand reisen konnte und so weiter. Als ich den dann aufnahm, klang es sehr hoffnungsvoll, und ich war zwar nicht dagegen, aber ich dachte mir: ‚Ich möchte wirklich kein kitschiges Covid-Lied machen.‘ Deshalb war ich etwas nervös.“
„Als dann alle Beschränkungen aufgehoben wurden, spielte ich auf einem Festival in Glasgow, und das Publikum war einfach so glücklich, auf einem Festival zu sein. Das änderte nicht die Bedeutung des Songs, aber ich war dann mit der Bedeutung einverstanden und sie veränderte sich für mich. Ich dachte: ‚Okay, cool, ich freue mich, jetzt mit euch allen in diesem Gefühl zu sitzen.‘ Als ich die Leute noch nicht sehen konnte, konnte ich dieses Gefühl nicht spüren.“ Es ist etwas, das schon einige Musiker:innen erkannt haben: Ab dem Punkt der Veröffentlichung gehören die Songs nicht mehr ihnen selbst, sondern dem Publikum.
Wer Dermot Kennedy live sehen will, um die Bedeutung seiner Songs mit ihm zu teilen, kann das an den folgenden Terminen tun. Bis dahin kann man The Weight Of The Woods in aller Ruhe hören – vielleicht ja beim Sitzen in der Natur.
Dermot Kennedy auf Tour:
14.05.26 Hamburg, Barclays Arena
15.05.26 Berlin, Max-Schmeling-Halle
17.05.26 Zürich, Halle 622
23.05.26 München, Zenith
26.05.26 Düsseldorf, Mitsubishi Electric Halle
08.06.26 Wien, Gasometer
09.06.26 Offenbach, Stadthalle