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Die Wüste bebt: Gestern feierte das erste Coachella-Wochenende 2026 ein stürmisches Finale. Von Justin Biebers Duett mit sich selbst über Sabrina Carpenters Diva-Parade bis hin zu Jack Whites rotziger Machtdemonstration: Das war los im Empire Polo Club.
Klar, für viele ist Coachella hauptsächlich ein Laufsteg. Bei der 25. Ausgabe des hippen Wüstenfestivals wurde aber stärker als in den letzten Jahren klar, dass die Musik bei aller Fashion drumherum immer noch die Hauptrolle spielt. Das erste von zwei Wochenenden ist seit wenigen Stunden Geschichte, schauen wir also mal, wer in der Colorado-Wüste besonders glänzen konnte.
The xx brauchen nur das Intro
Am Freitag ging es los beim Coachella Valley Music & Arts Festival. Und was von vornherein klar war: Die 25. Jubiläumsausgabe des Trendsetter-Events würde sich nicht lumpen lassen. Wohl nur bei Coachella bekommt man deswegen eine Größe wie The xx noch vor den Headlinern zu sehen. Erst im Februar hatte das Indie-Trio seinen ersten gemeinsamen Auftritt seit acht Jahren, bei Coachella ist man das erste Mal seit 2017 wieder zu Gast. Und verwöhnt die Fans mit einer Klassiker-Setlist, die natürlich mit diesem entrückten Intro beginnt, nachdem ja eh fast alles egal ist, weil man längst seinen Körper verlassen hat.
Turnstile ehren den Vater ihres Sängers
Turnstile sind immer für besondere Momente gut. So eröffnete die Hardcore-Band aus Baltimore dann aber auch noch keine ihrer Shows: Vor dem Set gab es eine bewegende Videomontage, in der Fans die Energie eines Turnstile-Gigs beschrieben. Ganz am Ende meldete sich der Vater von Leadsänger Brendan Yates zu Wort. Nur eine Woche nachdem er angeblich vom ehemaligen Gitarristen der Band überfahren worden war, erinnerte er sich an die Anfänge der Band in seiner Garage. Danach gibt es eine Stunde den hochemotionalen Turnstile-Irrsinn – natürlich vor weit weniger Leuten als drüben bei Katseye, aber immer noch vor tausenden begeisterten Fans. Bei Seein’ Stars kam dann sogar noch Blood Orange auf die Bühne – typische Coachella-Magie eben.
Hol dir Coachella-Vibes nach Hause:
Huntr/x singen mit Katseye
Das explosive Set von Katseye hätte das vielleicht gar nicht gebraucht, aber geschadet hat es gewiss nicht: Urplötzlich stehen mit Huntr/x die Sängerinnen der Stunde auf der Bühne, um gemeinsam mit Katseye den Mega-Hit Golden zu singen. Das passiert auch nur hier in der Wüste.
Sombr holt Billie Corgan dazu
Noch mehr Überraschungen: Zu seinem verträumten Sonnenuntergangsauftritt holte sich Indie-Durchstarter sombr mit Billie Corgan echte Rock-Royalty auf die Bühne. Insider wissen: Diese Sunset-Slots sind nur für die, denen man alles zutraut. Und sombr weiß mit dieser Ehre umzugehen. Er spielt sich schlafwandlerisch gut durch seine traurigen Songs und lässt zu 1979 mit Corgan wirklich alles raus.
Jack White rettet den Rock
Erst wenige Tage vor dem Festival wurde Jack White als Überraschungsgast angekündigt. Und was soll man sagen? Er kam, sah und rockte: Jeder Song der lebende Beweis dafür, dass Rock’n’Roll niemals sterben wird – roh, wild, laut, verzerrt und hingebungsvoll. Da spürt selbst die oftmals etwas schwierige Coachella-Crowd, dass hier etwas Großes passiert. Am Ende sagt er noch, dass er sich noch Geese und die Strokes anschauen wird und dass Musik „etwas Heiliges“ sei. Amen.
Sabrina Carpenter führt nach SABRINAWOOD
Hollywood war gestern, heute ist Sabrinawood: Carpenters erster Headline-Gig in der Wüste ist natürlich genau so opulent, wie man sich das vorstellt: unzählige Tanznummern, Kostümwechsel und abwechslungsreiche Bühnenbilder. Ein vollkommen verdienter Headliner, ein Spektakel, eine Show, die sich locker mit den größten Headliner-Momenten der letzten 25 Jahre messen kann.
The Strokes sind immer noch gut
Ja, auch The Strokes waren da. Eine Menge Rock dieses Jahr, oder? Und mehr noch: Die Garage-Rock-Veteranen klingen fantastisch, nach Ansicht einiger Menschen vor Ort sogar besser denn je – kompakter, druckvoller, müheloser melodisch. Sogar Last Nite spielen sie. Obwohl Julian Casablancas den Song angeblich nicht mehr leiden kann.
Justin Bieber hat YouTube Premium
Im Vorfeld sickerte durch, dass der Headliner-Auftritt von Justin Bieber der teuerste der Festivalgeschichte war. Ziemlich gewagt (oder genial), dass er sich mitten in seinem Set mit seinem Laptop hinsetzt und eine halbe Stunde lang zu seinen alten Musikvideos Duette mit sich selber singt. Das gab’s so auch noch nicht. Und hat eines klar gemacht: Bieber hat YouTube Premium. Werbung gab es nämlich keine.
Iggy Pop setzt neuen Altersrekord
Mit 78 Jahren ist Iggy Pop der älteste männliche Künstler, der jemals bei Coachella auf der Bühne stand. Ebenso alt war 2019 Calypso Rose bei ihrem Set. Und spätestens hier zeigt sich: Das Publikum hat in diesem Jahr Bock auf Rock und Bock auf Legenden. Es ist am Sonntagabend zumindest sehr voll, aus der Godfather Of Punk oberkörperfrei, allerdings nicht gerade gut zu Fuß loslegt. Mit kompletter Band und Bläsersektion geht es durch Klassiker wie Raw Power, The Passenger oder Lust For Life. Beeindruckend.
Karol G schreibt Geschichte
Dritter und letzter Headliner am Sonntag ist Karol G. Die schreibt schon deswegen Geschichte, weil sie die erste südamerikanische Künstlerin ist, die den Headline-Slot bei Coachella bekommt. „Reichlich spät“, sagt sie, sichtbar mitgenommen und auch ein wenig wütend. Ihr Set ist dann ein Akt der Befreiung, lustvoller und spektakulärer Widerstand in Pop-Form.