{ $store.headerGroupManager.updateMeasurements() })" :class="{ '' : searchBarOpen , 'hidden' : !searchBarOpen }"
@keydown.escape="searchBarOpen = false; $nextTick(() => { $store.headerGroupManager.updateMeasurements(); setTimeout(() => $refs.searchToggle.focus({ focusVisible: true }), 10) })"
id="header-search-dropdown"
>
features
Review zu „Don’t Look Back In Anger“: Die Oasis-Doku dreht sich um Versöhnung
„Ich habe ganz vergessen, wie viel er den Menschen bedeutet“, sagt Noel Gallagher über seinen Bruder Liam. Das ist einer der rührendsten Momente des Oasis-Reunion-Films Don’t Look Back In Anger. Denn dass es hier um mehr gehen würde als um Nostalgie und Rock’n’Roll, war angesichts der Gallagher-Geschichte mehr als klar. Nämlich um brüderliche Versöhnung (und um universelle Aussöhnung, wie sich im Laufe des Zwei-Stunden-Films herauskristallisiert). Wie diese Versöhnung aber aussehen würde, blieb spannend. Interviews gaben die Gallaghers schließlich (außerhalb des Filmteams) keine, gemeinsame PR-Termine gab’s nicht – alles, was wir bislang zu sehen bekamen, waren zwei Brüder, die sich bei triumphalen Reunionshows auf der Bühne die Hand reichten, sie in die Höhe reckten und von Konzert zu Konzert sichtlich im Umgang miteinander auftauten.
Don’t Look Back In Anger zeigt, wie diese Versöhnung stattgefunden hat – vor und vor allem während einer Reunion-Tour, die als eine der größten Wiedervereinigungen aller Zeiten in die Geschichte eingehen wird. Die Versöhnung, so lässt es sich zusammenfassen, war: graduell und unspektakulär, vorsichtig und ohne die ganz großen Emotionen. Keine Entschuldigung, keine Aussprache, aber auch keine Vorwürfe mehr. Ein Herantasten und ein Wiederfinden – und eine universelle Erkenntnis über das „Wir“, unterlegt mit jeder Menge Interviews mit Fans, die erklären, wie viel ihnen diese Band (und, viel wichtiger: das Gefühl, das die Band verkörpert) bedeutet.
Das Oasis-Comeback für dein Plattenregal:
Die Proben
Noel Gallagher wirkt sichtlich angespannt. Mehrere Wochen hat sich die Band Zeit zum Proben genommen, erst nach einigen Tagen stößt Liam Gallagher dazu. Keiner weiß so recht, wie das werden wird – und Noel erklärt, er könne es sich gar nicht vorstellen, wieder mit Liam auf der Bühne zu stehen, was allerdings bald passieren wird. Natürlich, es ist viel passiert. Die Streitigkeiten, der Schlussakkord in Paris mit der zerbrochenen Gitarre, die Auflösung der Band, Beleidigungen und Sticheleien, anderthalb Jahrzehnte ohne Kontakt – und dann endlich die Reunion, die man keinesfalls vermasseln möchte. Beiden ist klar: Scheiße haben sie beide gebaut. Nur gibt’s zusätzlich auch ein Problem, erklärt Noel: Es liegt nicht in seinem Charakter, Menschen zu vergeben.
Dann geht die Tür irgendwann auf, und Liam Gallagher kommt herein. Nicht nur ohne große emotionale Begrüßung, sondern offenbar gänzlich ohne nennenswerte Begrüßung. Rückt sich die Mineralwasserflaschen zurecht, kaut an seinem Voice Straw (ein Werkzeug, das auch Noel die ganze Tour über ausgiebig nutzt) – und singt wie früher, als wäre er 30, meint sein Bruder. Dann ist er irgendwann fertig und verschwindet mir nichts, dir nichts wieder, ist auf einmal weg. Noel ist verblüfft, meint, Liam habe das „Not giving a fuck“ auf ein neues Level gehievt. „Es braucht eine Menge Hingabe, um so zu tun, als wäre einem alles egal“, meint Liam – und eines ist klar: Ihm ist das Ganze extrem wichtig. Und vielleicht geht er auch deswegen nach jeder Probe sofort weg, beschränkt die Interaktionen auf ein Minimum. Raucht nicht, trinkt nicht, setzt alles daran, dass das Ding hinhaut.
Erinnerungen an die alten Zeiten
Und natürlich, da gibt’s auch die Nostalgie, die einen großen Teil der Reunion ausmacht. Nostalgie, erklärt Liam Gallagher, habe zu Unrecht einen schlechten Ruf – schließlich sei es schön, sich an bestimmte Zeiten in seinem Leben zu erinnern. Dass es bei der Oasis-Reunion zu einem guten Teil um Nostalgie ging, steht außer Frage, das zeigen auch viele O-Töne von Fans, die in Don’t Look Back In Anger reichlich zu Wort kommen. Erinnerungen an eine einfachere, überschaubarere Zeit, an Cool Britannia und den Höhepunkt des Britpop, ganz ohne Smartphones und Streamingdienste, dafür mit gigantischer pophistorischer Vehemenz und großen Hymnen, die auch in TikTok-Zeiten neue Generationen finden und weitergegeben werden. Die Zeiten gibt’s nicht mehr, die Welt ist im Arsch, darüber sind sich die Gallaghers einig, und das wird auch thematisiert. Heutzutage ist Noel und Liam Gallagher, auch wenn es irgendwie komisch klingt, die Verantwortung bewusst, die sie mit diesem Gefühl tragen. Je länger die Tour andauert, desto mehr scheint den beiden klar zu werden, worum es geht: um das Verbindende.
Dabei macht Noel Gallagher keinen Hehl daraus, wie emotional das für ihn ist. Auf der Bühne dreht er sich immer wieder vom Publikum weg, wenn ihm die Tränen kommen – Liam hingegen scheint weniger emotional, dafür extrem fokussiert. Wir sehen Konzertausschnitte aus allen Ländern und Kontinenten, in denen Oasis gespielt haben: Japan, Südamerika, USA, UK. Wir bekommen Fangeschichten zu hören, sehen weinende Menschen, großartige Konzertausschnitte. Einen Priester, der in seiner Sonntagspredigt die Gallagher-Versöhnung als religiöses Gleichnis heranzieht (das hätte der Film nicht gebraucht). Gitarrist Paul „Bonehead“ Arthurs, der ausreichend gewürdigt wird und als musikalischer Motor der Band dargestellt wird. Erinnerungen an den Terroranschlag in Manchester, Erinnerungen an den verstorbenen Freund und Stone-Roses-Bassisten Gary „Mani“ Mounfield. Die zwei Stunden gehen schnell um, es passiert viel.
Es dauert ein wenig, aber dann sieht man Noel und Liam am selben Interviewtisch sitzen. Das Verhältnis sei so eng wie nie, erzählt Noel. Man schickt sich Nachrichten mit lustigen Videolinks hin und her, die eigenen Kinder, die sich bis zur Tour nicht kannten, sind jetzt eng miteinander befreundet. Die Wut und die Verbitterung sind verflogen, Noel selbst scheint davon überrascht zu sein. Es brauchte keine großen Worte oder tränenreichen Gesten zwischen den beiden – wäre auch irgendwie Anti-Gallagher gewesen.