{ $store.headerGroupManager.updateMeasurements() })" :class="{ '' : searchBarOpen , 'hidden' : !searchBarOpen }"
@keydown.escape="searchBarOpen = false; $nextTick(() => { $store.headerGroupManager.updateMeasurements(); setTimeout(() => $refs.searchToggle.focus({ focusVisible: true }), 10) })"
id="header-search-dropdown"
>
We Came As Romans im Interview: „Wir sind stolz darauf, auf der Bühne eine energiegeladene Band zu sein“
featuresBitte Zählermarke einfügen
Wir haben We Came As Romans bei Rock am Ring getroffen. Die Band aus Michigan beweist seit fast zwei Jahrzehnten, dass Härte und Verletzlichkeit keine Gegensätze sind. Höchste Zeit also, über Festivals und Breakdowns im musikalischen wie emotionalen Sinne zu sprechen.
Musik der härteren Gangart, von Metalcore bis Deathcore, wenn man so will, ist manchmal schwer zu erklären, wenn man sie nicht fühlt. Für viele Außenstehende klingt sie nach Krach, Lärm, Gekreische, you name it. Innerhalb der Szene sieht das ganz anders aus: Hier wird ein Ort geschaffen, an dem Gefühle endlich raus dürfen, auch wenn es die weniger gesellschaftlich akzeptierten Gefühle im Mix sind – zum Beispiel Wut, Trauer und Überforderung. Bindemittel dieser Szene sind unter anderem eben jene Songs, die einem die Worte geben, die sonst irgendwie fehlen.
We Came As Romans stehen seit Jahren genau für diese Verbindung aus hartem Sound und Lyrics, in denen es um Verlust, Hoffnung, Resilienz und das Überwinden von Herausforderungen geht. Dabei ist die Band für viele Fans seit Teenager-Tagen mitgewachsen: durch Jugendzimmer, Erwachsenwerden, Krisen, Verluste, Neuanfänge, schlimme Nächte und gute Erinnerungen. Wer mit dieser Musik aufgewachsen ist, hat oft nicht nur eine Band gehört, sondern einen emotionalen Begleiter gefunden.
We Came As Romans: Energie als Versprechen
Im Gespräch bei Rock am Ring wird schnell klar, wie bewusst die Band mit dieser Verantwortung umgeht. Festivals sind für We Came As Romans eine besondere Situation: Nicht alle vor der Bühne sind Hardcore-Fans. Manche kennen jedes Wort. Andere sind nur neugierig. Wieder andere stehen da, weil sie gerade von der nächsten Bühne rübergelaufen sind.
Sänger Dave Stephens erklärt, dass die Band bei solchen Shows strategischer denkt als bei eigenen Headliner-Gigs. Die Songs müssen die Band gut vorstellen, sie müssen live funktionieren, sie müssen Energie haben. Bei Headline-Shows reicht oft ein „singt mit mir“, weil die Leute ohnehin wissen, was kommt. Auf Festivals muss man sie anders abholen. Man muss sie reinziehen, auch wenn sie die Worte noch nicht kennen.
Spannend ist dabei auch, wie datengetrieben die Setlist-Frage inzwischen geworden ist. We Came As Romans entscheiden nicht aus dem Bauch heraus, welcher Song am Abend wo im Set stattfindet – sie analysieren die Streaming-Zahlen ganz genau. Drummer David Puckett nennt sich im Gespräch selbst den „nerdy analytics guy“ der Band, also ist er derjenige, der sagt: „Well, the data says…“ Welche Songs streamen in welcher Stadt besonders gut? Was hören die Leute vor Ort? Was erwarten sie vielleicht, ohne es selbst zu wissen? Plötzlich werden aus Musikern auch ein bisschen Analysten. David beschreibt dazu den Balanceakt zwischen Daten und Gefühl. Natürlich schaut die Band darauf, welche Songs in welchen Städten gut laufen. Aber manchmal trügen die Streamingzahlen auch: Learning To Survive sei zum Beispiel ein riesiger Song auf Spotify und Co., funktioniere aber nicht automatisch gleichermaßen im Live-Moment. Deshalb gehe es immer auch darum, welche Songs live die Energie oben halten. „Wir sind wirklich stolz darauf, auf der Bühne eine energiegeladene Band zu sein“, sagt er. Wenn die Energie der Band niedrig sei, werde auch die der Crowd niedrig sein. Also setzen die Jungs die Messlatte selbst.
We Came As Romans sind keine Band, die einfach nur hofft, dass Emotion schon irgendwie reicht. Sie wissen, wie eine Liveshow aufgebaut werden muss. Welche Songs holen neue Leute ab? Welche Songs tragen die Fans? Welche Songs machen der Band selbst Spaß? Und welche Songs sind vielleicht nicht die größten Streaminghits, fühlen sich aber auf der Bühne unverzichtbar an? Red Smoke zum Beispiel nennen sie im Gespräch als einen Song, den sie vor allem für sich selbst im Set haben.
Harte Songs für die Soft Spots
We Came As Romans verbinden heftige Soundwände mit emotionalen Texten: Die Shows sind maximal energetisch, aber die Texte erzählen oft von Dingen, die alles andere als leichter Tobak sind. Schmerz, Zweifel, Verlust, Überleben, mentale Kämpfe. Das sind keine Themen, die man auf den ersten Blick mit einer Festivalcrowd verbindet, die gerade springt, schreit und feiert. Aber genau hier liegt die Magie von Metalcore: Manchmal ist eben die härteste Musik der sicherste Ort für die verletzlichsten Gefühle.
Die Songs geben den Fans die Möglichkeit, etwas zu zeigen, das im Alltag oft keinen Raum hat. Man muss nicht still traurig sein. Man darf laut traurig sein. Man muss Wut nicht wegatmen. Man darf sie in einem Breakdown fühlen. Man muss Hoffnung nicht kitschig finden. Man darf sie in einem riesigen Chorus mit tausenden anderen Menschen herausschreien.
Das könnte schnell pathetisch werden. Bei We Came As Romans funktioniert es trotzdem. Der Song klingt nicht nach sauberem Triumph, sondern nach Arbeit, nach Antrieb, nach dem Versuch, sich aller Widrigkeiten zum Trotz weiter zu bewegen. In den Lyrics geht es um das Gewicht der Vergangenheit, um innere Muster, um den Drang, weiter zu machen, auch wenn man erschöpft ist. Es geht nicht darum, wovon man träumt, sondern um das, was man auf sich nehmen will und kann, um an diesen Träumen festzuhalten.
Im Live-Set wird dabei aus einer persönlichen Bandgeschichte ein kollektiver Moment. Dave erzählt von ihrem Weg, aber am Ende geht es um alle, auf und vor der Bühne. Um die Menschen, die schreiben, zeichnen, singen, kämpfen, neu anfangen, scheitern, wieder aufstehen. Um alle, die einen Traum haben, aber nicht jeden Tag an ihn glauben können.
No Rest For The Dreamer: Eine Ode ans Durchziehen
Besonders deutlich wird das bei No Rest For The Dreamer. Schon der Titel klingt wie ein Satz, den man sich tätowieren lassen möchte, wenn man mal wieder nicht weiß, warum man das alles eigentlich macht. Keine Ruhe für Träumer:innen. Kein Ausstieg aus dem inneren Antrieb. Keine Pause für Menschen, die noch nicht dort sind, wo sie hinwollen.
Vor dem Song hält Frontmann Dave Stephens live oft eine Ansprache an die Crowd. Er blickt dabei auf die Reise der Band zurück und darauf, dass er sich vor zwei Jahrzehnten niemals hätte vorstellen können, einmal um die Welt zu reisen und Musik zu machen. Aus dieser persönlichen Erinnerung macht er eine Botschaft an alle Künstler:innen, Unternehmer:innen, Kreativen und Träumer:innen im Publikum: Hört nicht auf. Kämpft euch durch die harten Phasen. Wenn ihr etwas in euch habt, das euch antreibt, dann gebt ihm Raum. Denn für Träumer:innen gibt es keine Pause.
Das ist die ganz besondere Kraft der Community, die um solche Bands entsteht, quasi als emotionales Kollektiv. We Came As Romans haben diese Verbindung über Jahre aufgebaut – und sie wurde durch die eigene Bandgeschichte noch stärker. Nach dem Verlust von Keyboarder und Sänger Kyle Pavone bekam die Musik der Band eine zusätzliche emotionale Schicht. Songs wie Lost In The Moment oder spätere Stücke aus der Darkbloom-Ära tragen diese Mischung aus Trauer, Erinnerung und Weitermachen in sich. Die Band ist nicht stehen geblieben, aber sie hat auch nie so getan, als könne man Verlust einfach abhaken.
Ein kollektives musikalisches Zuhause
Vielleicht ist das der Punkt, an dem man die Wirkung von We Came As Romans am besten versteht. Metalcore und Post-Hardcore haben schon immer von diesem Widerspruch von Nähe und Härte gelebt und für die Fans einen Safer Space geschaffen.
Gerade in einer Zeit, in der Mental Health viel besprochen, aber oft trotzdem sehr einsam erlebt wird, können solche Shows etwas geben, das schwer zu ersetzen ist. Kein Gegenmittel. Keine Lösung für alles. Aber Ausdruck, Verbindung, Entladung. Ein Ort, an dem man alles fühlen darf, ohne sich dafür zu entschuldigen.
We Came As Romans haben sich ihre Legacy nicht dadurch aufgebaut, dass sie immer nur härter, größer oder lauter wurden. Sondern dadurch, dass sie Emotion nie als Schwäche behandelt haben. In ihrer Musik darf Schmerz groß sein. Hoffnung darf pathetisch sein. Trauer darf bleiben. Wut darf sich bewegen. Und Community entsteht genau dort, wo diese Gefühle nicht mehr alleine getragen werden müssen.
No Rest For The Dreamer ist dafür fast eine perfekte Momentaufnahme. Der Song erzählt vom Weitermachen, ohne zu verschweigen, dass Weitermachen manchmal gar nicht so einfach ist. Und wenn Dave Stephens vor dem Song zum Publikum spricht, dann ist das nicht einfach eine Ansage zwischen zwei Tracks, sondern vielmehr ein kurzer Reminder, warum viele Menschen überhaupt zu dieser Musik gefunden haben.