Gretel ist zurück und verblüht zu schrabbeligen E-Gitarren

Gretel is „unblooming tonight“
Foto: Karolina Wielocha / AWAL

Widerborstig wirft sich Gretel in den Schmerz der Grungegitarren auf der Single Unbloom. Ein chaotischer Rock-Hit à la PJ Harvey, den es eigentlich nie geben sollte.

Mit ihrer tiefen, rauen Stimme hat Gretel – auch bekannt als Gretel Hänlyn – 2023 die Alternative-Szene auf den Kopf gestellt. Der große Druchbruch lässt noch auf sich warten, aber die Diskografie der gerade mal 22-jährigen Musikerin ist voller reflektierte, beachtlicher Brecher. Ihr Album Head Of The Love Club steckt voller Facetten, Spielereien und hat die Bandbreite der Londoner Musikerin demonstriert. Gitarren trafen auf große Jazz-Pianomelodie. Dazu ihre unverkennbare Stimme, die sich zielstrebig weiter nach unten schürft und mit jedem Ton etwas heiserer wird. Nun meldet sich Gretel ohne ihren Nachnamen, dafür aber mit einer neuen Single zurück.

Laut und mit 90er-Punk-Sound taucht Gretel jetzt wieder auf der Bildfläche auf. Der Titel erzählt von verletzlichen Momenten, in denen man vielleicht lieber unbeobachtet bleiben möchte. Doch anstatt zaghaft danach zu bitten, ist Unbloom eine laute Forderung nach Raum. Manchmal hat man eben einen Break-Down und es ist ja wohl kaum zu viel verlangt, den in Frieden für sich zu haben. Die Grungegitarren heulen auf und Gretel wechselt zwischen ihrer dumpfen Brust- und der zarten Kopfstimme.

„Es war einfach magisch“

Den Song schrieb Gretel eigentlich für das letzte Album und released ihn zwei Jahre später. Fast wäre er nie aufgenommen worden. Gretel beschreibt die Single so: „In Unbloom geht es darum, schwierige, herausfordernde Gefühle wirklich zuzulassen. Es war immer einer meiner liebsten Songs, allerdings hat er es nicht auf das Album geschafft, weil das Team die Demo nicht so fühlte! Aber in einer Zufallslaune hat mich meine Band überzeugt, ihn zwischen den Aufnahmen einfach in den RAK Studios einzuspielen. In zehn Minuten war das Ding fertig, was erstaunlich ist, weil ich der Band den Song gar nicht richtig beigebracht hatte! Wir waren alle gefesselt im Moment. Es war einfach magisch!!“

Seitdem Gretel im zarten Alter von nur 18 Jahren ihre Karriere mit der eindringlichen Debütsingle Slugeye startete, hat sich Gretel ihren Platz in der alternativen Musikszene erobert. Immer wieder verbindet sie gotische Märchenwelten mit Selbstreflexion und großen Erzählbögen. Ihre Musik hat Momente von verletzlichem, rohen Folk, allerdings im Gewand von Nirvana, Nick Cave, PJ Harvey und Wolf Alice. Mit Unbloom kehrt Gretel nun zurück, um uns daran zu erinnern, dass sie wie keine andere Chaos in Katharsis verwandeln kann.

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