Featured Image
Foto: Awal

Zurück zu Americana: die erste Ethel Cain-Single ist bittersüß

Nachdem Ethel Cain schon im März ihr Album Willoughby Tucker, I’ll Always Love You nebst Welttournee angekündigt hatte, mussten wir uns noch ziemlich gedulden. Nun veröffentlicht Cain endlich die erste Single Nettles. In welche Richtung es Cain wohl dieses Mal verschlägt?

Nachdem das Debütalbum Preacher's Daughter von Ethel Cain mit voller Wucht eingeschlug, entstand gelinde gesagt ein ganzer Kult um die Americana-Musiker:in mit Gothic-Attitüde und Horrorgeschichten aus den heruntergekommenen Südstaaten. A Preacher's Daughter erzählte in harschen Worten und mit schaurigen Bildern zu trotzdem liebevollen und verträumten Tönen von den Abgründen der Gesellschaft und verband das mit Themen wie Glaube, Trauma und queerer Identität. Tausenden Menschen sprach Cain damit aus dem Herzen, die sie daraufhin als Mother Cain auf ein richtiges Podest hoben.

Mit der zweiten Platte Perverts machte Ethel Cain schließlich einen Ausflug in die wabernde Drone Music. Die verträumten Hooks hat sie hier gegen unzählige Aufnahmen von rauschendem Wasser eingetauscht und sich in schummerigen Soundscapes ausgetobt. Wie es jetzt weiter geht? 

Zurück zur Melodie

Schon in der Ankündigung von Willoughby Tucker, I’ll Always Love You ließ Ethel Cain durchblicken, dass das kommende Album wieder verstärkt am melodischen Folkende ihres Klangspektrums zu verortet wäre. Die erste Single Nettles löst dieses Versprechen nun ein. Nach einem ersten Synthesizer-Bett im Perverts-Stil setzten die Americana-Klänge wieder ein. Mit wabernden Pedal-Steel-Gitarren, Banjoschlägen und Streichern geht Cain wieder direkt zu ihrem Ursprung zurück: „Made a fool of myself down on Tennessee Street / It wasn't pretty like the movies, it / Was ugly like what they all did to me“.

Elfenhaft wie wir sie kennen, summt, haucht und singt Cain in ihrer wunderbar zarten Kopfstimme und fügt ihren traurigen Geschichten mehr und mehr Stimmen hinzu, die dem Song eine unendliche Tiefe geben. Nachdem der Titel butterweich und getragen beginnt, bringen die spät einsetzenden Drums und Shaker einen langsamen zweihebigen Schwung in den Titel. Auf Instagram beschreibt Cain: „Das ist der erste Song, den ich je in dem Haus in Alabama geschrieben habe, in dem ich auch Preacher's Daughter beendet habe. Ich habe nicht einmal gemerkt, was für eine Geschichte ich da erzähle und doch, weil mir unterbewusst schon klar war, wie Preacher's Daughter endet, wollte ich zu diesem süßen Moment zurückkehren”

Nicht nur in diesem Song gibt es damit also direkt einen Verweis zu Preacher's Daughter: Auch der im Titel erwähnte Willoughby Tucker ist den Cain-Fans bereits bekannt. Ethel Cain singt gleich in mehreren Liedern über Willoughby Tucker, ihren Highschool-Freund und ihre erste große Liebe. Im Song A House in Nebraska erinnert sie sich an ihre Beziehung zu ihm – der Song, der definitiv ein Fan-Favorite ist, ist getränkt von der Sehnsucht nach ihm. Sie beschreibt, wie sie Zeit in einem verlassenen Haus verbrachten, bis er eines Tages verschwand, und sie gibt sich selbst die Schuld an seinem Verschwinden. Scheinbar ist auch drei Jahre nach Preacher's Daughter der Schmerz bei Ethel Cain noch genauso frisch wie damals.

Mehr von Ethel Cain:

Dein daily News-Update im Circle Mag

Bleib stets up-to-date in Sachen Musik und Popkultur mit unseren täglichen News, Reviews und Features. Viel Spaß beim Stöbern!