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Vielleicht ist es wenig überraschend, dass Violet Grohl auf ihrem Debüt Be Sweet To Me den musikalischen Spuren ihres berühmten Vaters folgt. Das ist aber der einzige Kritikpunkt an einem Album, das warm, lässig und fuzzy ist und irgendwo zwischen Riot Grrrl und Mazzy Star liegt.
Es ist eine weit verbreitete Fehleinschätzung, dass es die Kinder von Rockstars leicht haben. Klar wachsen sie quasi mit einem goldenen Löffel auf und müssen sich keine Sorgen um Ausbildung, Studium oder Taschengeld machen, klar liegen da überall Gitarren oder Schlagzeuge rum, wenn man sich musikalisch ausprobieren möchte. Die bittere Realität ist aber eben, dass die musikalischen Gehversuche prominenter Rockstar-Juniors immer besonders kritisch beäugt und lustvoll zerlegt werden.
Violet Grohl im Circle Store:
„Nennt mich ruhig ein Nepobaby“
Violet Grohl hat das ihr ganzes Leben zu spüren bekommen. Doppelt und dreifach einfach deswegen, weil sie eine Frau ist. Heute ist sie frisch 20. Und sieht die ganze Sache mit der nötigen Nonchalance. „Ich bin unendlich dankbar für das Leben, in das ich hineingeboren wurde“, sagte sie kürzlich in einem Interview. Dennoch ist ihr natürlich klar, dass ein Nachname wie ihrer Türen öffnet, die den meisten anderen verschlossen bleiben. Eine talentbefreite Künstlerin nur wegen ihres berühmten Vaters unter Vertrag nehmen würde heutzutage aber eben auch niemand mehr. „Nennt mich ruhig ein Neppobaby, mir ist das völlig egal“, sagt sie dann noch. „Ich hoffe nur, dass mir die Leute irgendwann eine Chance geben.“
Zur Quelle des Grunge
Und da sind wir also bei Violet Grohls erstaunlichem Debüt Be Sweet To Me. Erstaunlich nicht unbedingt wegen seines Klangs. Sondern eher wegen der abgebrühten Lässigkeit, mit der sie uns ihren Mix aus Grunge, Alternative Rock und PJ Harvey. Violet Grohl strahlt pure Coolness aus Rock, eine Figur, die Licht und Schatten der Musikindustrie mitbekommen hat, seit sie denken kann. Das macht sie mit ihren jungen 20 Jahren praktisch zu einer Veteranin, die sehr genau weiß, was da auf sie zukommt und wie sie sich dafür wappnen kann.
Bei einem Vater wie Dave Grohl und dessen Vergangenheit bei Nirvana ist es natürlich irgendwie naheliegend, dass sich auch in Violet Grohl ein gewisses Neunziger-Virus eingenistet hat, aber gute Güte: Dass sie so weit zur Quelle dieses fuzzigen, warmen, grungigen Sounds zurückwaten würde, hätten wohl die wenigsten gedacht. Dass sie in dieser Klangwelt so heimisch und zuhause wirkt, ist da ein gewaltiger Bonus, der dieses Debüt zu einer launigen, stimmungsvollen, abwechslungsreichen Reise macht.
Sommerkleid mit Doc Martens
Dieses Album trägt ein geblümtes Hippie-Sommerkleid und kombiniert es mit Doc Martens. Es säuselt lieblich, während es Gift in den Drink träufelt. Mal spacig, mal dröhnend, mal sludgy und mal poppig, immer aber organisch und meilenweit von neuer digitaler Produktionsbrillanz entfernt. Es rauscht, es knistert, es dröhnt. Vor allem ist es ziemlich heavy. Da klingt deutlich ihre Liebe zu den Breeders durch, die damals schon Kurt Cobain begeisterten. Der Kreis schließt sich.
Natürlich steckt noch viel mehr drin in diesem Album mit dem wunderbar ironischen Titel Be Sweet To Me. Ein wenig Mazzy Star, ein wenig Hole, wie gesagt viel PJ Harvey und auch durchaus mal L7. All diese Bands eben, die schon in den Neunzigern eine dringend benötigte Weiblichkeit in den Alternative Rock brachten, nur um zum Millennium dann von Barbie Girl pulverisiert zu werden. Die Zeiten sind heute andere, ganz klar. Doch die Dinge, über die Violet Grohl singt, sind immer noch dieselben. „Ich mag keine männlichen Musiker in meinem Alter“, sagte sie etwa mal. „Die haben ein Problem mit ihrer Einstellung. Das sagen die schon so verdammt lange über uns – es wird Zeit, dass die sich hinsetzen, die Klappe halten und ihre Musik spielen.“ Word.
Im Schatten ihres Vaters stand sie eigentlich nie so wirklich. Dafür waren ihre seltenen Auftritte viel zu bemerkenswert: Schon mit 14 coverte sie Heart-Shaped Box mit Dave Grohl und den verbliebenen Nirvana-Mitgliedern, 2022 war sie bei der Tribute-Show für Taylor Hawkins mit dabei. Be Sweet To Me ist der letzte Schritt in ihr eigenes Dasein als Rock-Ikone, als mystische Erscheinung, die schon jetzt so wirkt und aussieht, als wäre sie immer dagewesen. Und doch erfreulicherweise gerade erst anfängt.