Dreimal Pit zum Mitnehmen, bitte: So war’s bei I Prevail, Polaris und Gore. in Berlin

I Prevail live in Berlin
Foto: Gina Wetzler/Redferns/Getty Images
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Aller guten Dinge sind ja bekanntlich drei. Das gilt auch für das Line-Up am 13. Oktober im Velodrom in Berlin. Auf dem Menü stehen Gore., Polaris und I Prevail – und damit dreimal Metalcore, Screams und Gitarren irgendwo im Drop-B-Bereich. 

Die Show in Berlin bildet den Abschluss von I Prevails Violent Nature Tour, die die Kombo einmal quer durch Europa führte. Nach Porsche-Arena und PSD Bank Dome lädt die Band ins UFO im Velodrom zum Metalcore-Klassentreffen. Also, Röhrenjeans an und Vans umgeschnallt, wir gehen rein.

I Prevail fürs Plattenregal:

Gore.: Zwischen zarten Melodien und brachialen Shouts

Gore. eröffnen mit Wrath und Sepsis und machen als Opener deutlich, wie viel Ausdruck in den Wechsel zwischen Härte und Zerbrechlichkeit passt. Sängerin Haley Roughton steht für einen Sound, in dem zarte Melodien jederzeit in gutturale Wut umschlagen, mit einer Stimmtechnik, die auch live komplett überzeugt und uns mal wieder begeistert zurücklässt. Gerade dieses Haken-Schlagen zwischen sanft und sauer gibt der Band ihr eigenes Profil und macht die Show abwechslungsreich.

Polaris: Metalcore made in der Harbour City

Auf Gore. folgen Polaris, die Metalcore-Virtuosen aus Sydney. Das Set beginnt stark mit Dissipate, die Crowd versteht natürlich sofort und der erste von zahlreichen ziemlich großen Moshpits geht auf. Und auch sonst setzen Polaris in diesem Set vor allem auf Energie und „Gas geben“ und führen die Crowd einmal quer durch die letzten beiden Alben, von Above My Head und Landmine vom 2020er-Album The Death of Me bis zur aktuellen Single Without You. Sie liefern damit die perfekte Support-Setlist, die dem Saal genau richtig einheizt und gleichzeitig auch ein paar Mitsing-Banger (All of This Is Fleeting, etwa) bereithält. 

Besonderes emotionales Gewicht bekommt das Set mit Without You. Der Song ist das erste neu geschriebene Material, mit dem sich Polaris nach dem Tod ihres Gitarristen Ryan Siew 2023 im September zurückmelden – und eine unmittelbare Auseinandersetzung mit der Lücke, die ihr Freund und Bandkollege hinterlassen hat. In den aufgewühlten Vocals, den weit geöffneten Melodien und dem schweren Breakdown finden Trauer, Wut und Hilflosigkeit nebeneinander Platz. Wie macht man gemeinsam weiter, wenn jemand fehlt, der untrennbar dazugehört? Without You gibt darauf keine einfache Antwort. Gerade deshalb berührt der Song: Er trägt die Erinnerung an Ryan in einen neuen Abschnitt der Bandgeschichte, ohne den Verlust für überwunden zu erklären.

I Prevail: Pyro, Feuer, Vollgas

Kurze Umbaupause, ein bisschen durchatmen, ein paar Mal mit den umstehenden Fans zu Millennial-Nu-Metal-Hymnen mitsummen, dann ist es auch schon Zeit für den Headliner. I Prevail wählen für ihren Einstieg die direkte Eskalation: Auf NWO folgen Bow Down und Self-Destruction. Die Setlist führt ältere Publikumslieblinge und Material aus Violent Nature eng zusammen. Als Nachfolge für Brian Burkheiser steht Eric Vanlerberghe dabei im Zentrum der Clean Vocals. 

Bei Violent Nature holen I Prevail dann Polaris-Frontmann Jamie Hails auf die Bühne, bei Paradise sehen wir Hayley Roughton von Gore. nochmal. Zwischen Body Bag, Bad Things und Rain zeigt sich außerdem, wie selbstverständlich I Prevail Singalongs und heavy Songs aneinanderreihen und miteinander zu einer stimmigen Setlist verweben können. Diese beiden Pole gipfeln dann musikalisch wie emotional am Ende des Sets mit Hurricane und Gasoline. Eric Vanlerberghe macht vorher eine klare Ansage: Es wird keine Zugabe geben, sondern eben nur noch diese beiden Songs. Einmal Singalong, einmal heavy. That’s it.

Ein weiteres zentrales Element der Show ist – wie könnte es anders sein – Feuer. Bei fast jedem Song gibt es mindestens einen Pyro-Moment, der die musikalische Energie auch visuell spiegelt. I Prevail agieren hier komplett on brand: Sie sind eine Band, deren Musik sich vor allem mit den Schattenseiten des menschlichen Emotionsspektrums beschäftigt und dort zuhause ist. Die Songs handeln vom Durchziehen, vom Grenzen setzen, vom Sich-Nichts-Mehr-Gefallen-Lassen. Und das unterstreicht man mit so einer Wand aus Feuer nun doch tatsächlich ganz gut. 

Und nach knapp zweieinhalb Stunden im Velodrom gehen danach alle Metalcore-Heads zufrieden Richtung S-Bahn. An dieser Stelle darf auch mal wieder festgestellt werden, dass hier großteilig sehr höfliche Fans am Start sind: Die Pit-Etikette wird gewahrt, man gibt aufeinander Acht und Crowdsurfer:innen werden safe und sound weitergetragen. Nicht das erste Rodeo der meisten, so scheint es. 

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