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Foto: XAVIER DUVOT/Hans Lucas/AFP via Getty Images

Wie im Norden von Seoul ein komplettes K-Pop-Viertel entsteht

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Wie wenig andere Länder hat Südkorea Popkultur als Soft Power und Wirtschaftsfaktor erkannt. Die „koreanische Welle“, auch Hallyu genannt, rauscht seit den 90ern durch die Welt und ist heute, nicht zuletzt dank K-Pop, mächtiger denn je. Wobei man an dieser Stelle auch nicht die Kraft der K-Dramen, den Erfolg von Squid Game oder das abgründig-intelligente Kino von Regisseuren wie Bong Joon-ho (Parasite) oder Park Chan-wook (No Other Choice und Oldboy) unterschlagen sollte.

Dennoch wurde zuletzt vor allem deutlich, wie mächtig der Magnetismus von K-Pop ist: Als BTS ihr Arirang-Comeback-Konzert mitten in Seoul spielten, schauten Millionen Menschen bei Netflix zu, während tausende Fans aus aller Welt schon Tage vorher angereist waren, um den Spirit dieses Events aus nächster Nähe zu erleben.

Damit dieser Gig vor der historisch bedeutsamen Kulisse am Verkehrsknotenpunkt des Gwanghwamun-Platzes möglich werden konnte, hatte sich auch die Stadt Seoul ins Zeug gelegt und der Band erstaunliche Dinge erlaubt. Ganz nebenbei wurde aus Sicherheitsgründen das halbe Stadtzentrum gesperrt, was nicht alle Anwohner:innen so geil fanden. 

Offene Fragen

Die Zeitung The Korea Times fragte danach nicht zu Unrecht in einem Meinungsartikel: „Die Nutzung des Gwanghwamun-Platzes wirft für die koreanische Gesellschaft weitreichende Fragen auf. Ist es akzeptabel, Großveranstaltungen im öffentlichen Raum auf Kosten der Bequemlichkeit, der Rechte und des Wohlergehens der Bürger abzuhalten? Noch dazu, ohne deren Zustimmung einzuholen? Was wäre, wenn die Veranstaltung an anderer Stelle ein Sicherheitsvakuum geschaffen oder die Notfallkapazitäten überlastet hätte? Und wer würde letztendlich die Verantwortung tragen, wenn etwas schiefgelaufen wäre?“

Vermutlich ist das BTS-Happening nicht ganz unschuldig daran, dass die Stadt gut einen Monat später ein erstaunliches Vorhaben der Öffentlichkeit präsentierte: Man wolle in den kommenden Jahren umgerechnet 1,6 Milliarden Euro investieren, um im nordöstlichen Chang-dong im Stadtteil Dobong-gu ein ganzes Viertel zu errichten, das sich ausschließlich dem K-Pop und seinen Fans widmet. 

Das sagte der amtierende Bürgermeister von Seoul, Oh Se-hoon, Ende April in einer extra anberaumten Pressekonferenz. Das Projekt trägt den wenig originellen Namen „K-entertainment town“. Oh Se-hoon erklärte: „Chang-dong und das umliegende Sanggye-Viertel werden nicht länger ein Vorort von Seoul sein, sondern sich zum kulturellen und künstlerischen Zentrum der Stadt sowie zu einem soliden wirtschaftlichen Kern entwickeln, der als Schlüsselregion die Zukunft der Stadt mitgestalten wird.“ Das Viertel sei ein wichtiger Schritt zu dem Ziel, bald über 30 Millionen ausländische Tourist:innen pro Jahr nach Seoul locken zu können. 

Ein Schlüsselelement sei vor allem die „Seoul Arena“ im Herzen des K-Pop-Viertels in Seoul, die schon im Mai nächsten Jahres mit einem großen Konzert eröffnet werden soll. 28.000 Menschen werden dort Platz finden. Den Stadtoberen schwebe ein Doppelkonzert eines internationalen Popstars und einer großen K-Pop-Band vor.

Um die Arena herum soll es das ganze Jahr über in Clubs, Bars und auf den Straßen Live-Darbietungen, Dance-Contests, Ausstellungen oder andere Kultur-Happenings geben. Chang-dong solle eine einzige „Live Stage“ werden. Eine „Connective Line“ werde es ermöglichen, die Konzerte in der Arena live in die umliegenden Public-Viewing-Locations zu übertragen. Die Museen „Photography Seoul Museum of Art“ und das „Seoul Robot & AI Museum“, die schon jetzt viele Kultur-Interessierte nach Chang-dong ziehen, werden ebenfalls K-Pop vermehrt ins Programm aufnehmen. 

Bessere Tourismus-Infrastruktur

Damit das hohe Bautempo ermöglicht werden kann, bekommt das Viertel im kommenden Jahr den Rechtsstatus eines „Culture and Tourism Specific Development Promotion Districts“.

Man darf gespannt sein, ob die Rechnung aufgeht. Die Reaktionen in der Stadt und in der K-Pop-Branche waren erst einmal positiv. Es ist schließlich bekannt, dass K-Pop-Tourismus ein riesiger Faktor ist und die Infrastruktur in Seoul bei Events wie einem BTS-Konzert bisweilen an ihre Grenzen kommt. Außerdem gibt es eigentlich eh zu wenige wirklich große Locations für den Bedarf – so mussten BTS für den Start ihrer Welttournee schon auf das wenig attraktive Goyang Stadion ausweichen, was die New York Times auf die süffisante Headline brachte: „South Korea Can’t Build Enough Stadiums To Host Its K-Pop-Stars“.  

Nun kommt also die typisch südkoreanische Antwort auf das Problem: Man baut einfach ein neues. Und noch ein ganzes Stadtviertel drum rum.

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