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Review: Bloc Partys „Anatomy Of A Brief Romance“ ist persönlich bis zur Schmerzgrenze
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Bloc Party sind eine der letzten großen Indie-Bands Englands. Auf ihrem siebten Album Anatomy Of A Brief Romance wollen sie davon offensichtlich nicht viel wissen. Stattdessen gibt es eine sehr intime Nabelschau von Sänger Kele Okereke zwischen Dance, Wave, Pop und dezenter Gitarrenmusik.
Es ist nicht so, dass das jetzt überraschend kommt. Die neue von Bloc Party wurde groß und breit als autobiografisches „Disco-Trennungsalbum“ angekündigt. Na bitte, warum auch nicht? Auf der Tanzfläche alles rauslassen, tanzen mit Tränen in den Augen, Katharsis durch viel laute Musik. Gerne doch. So wirklich lässt sich das dann aber doch nicht auf Anatomy Of A Brief Romance übersetzen, das siebte Album der englischen Indie-Darlings.
Bloc Party im Circle Store:
Wäre ein Soloalbum besser gewesen?
Stattdessen wirkt das Album wie die Memoiren von Sänger Kele Okereke, der in sehr nuancierter und ausführlicher Form über eine Romanze schreibt und singt. Das kann er natürlich machen, doch es erscheint mehr als ein wenig fragwürdig, warum das ausgerechnet unter dem Namen Bloc Party geschehen muss. Dafür, so muss man klar sagen, wurde doch eigentlich das Soloalbum erfunden.
Nun ist es so. Und natürlich darf sich die Welt immer noch freuen, vier Jahre nach Alpha Games ein neues Album von Bloc Party geschenkt zu bekommen. Es fehlt in letzter Konsequenz nur das, was ein Album von Bloc Party nun mal so ausmacht. Sicher, Okerekes Stimme zählt immer noch zu den prägendsten und besten des Genres, zudem ist durchaus positiv hervorzuheben, dass die ambige Emotionslage früherer Texte einem unmissverständlichen Tonfall gewichen ist. Das hat allerdings zur Folge, dass manche Textzeilen oder Vergleiche dann doch arg banal wirken.
Party der Verdammten
Es ist das persönlichste Album des Frontmanns, eine minutiöse und allzu oft zu ausführliche chronologische Schilderung einer Beziehung vom ersten Blick bis zum endgültigen Abschied. Es ist, und das muss man eben auch betonen, aber sehr wahrscheinlich erst durch die Mitwirkung von Gitarrist Russell Lissack, Schlagzeugerin Louise Bartle und dem neuen Bassisten Harry Deacon ein überwiegend hörenswertes Werk.
Gitarren spielen auf Anatomy Of A Brief Romance eine Nebenrolle. Stattdessen: Synthesizer, eine Menge Synthesizer, Dance-Anleihen, Rap-Beats und programmierte Drums, die sehr bewusst anachronistisch und nostalgisch (lies: etwas cheap) klingen. In den besten Momenten wird die Siebte dann doch zum versprochenen „Disco-Trennungsalbum“, zur furiosen Anatomie einer zum Tode verurteilten Beziehung, in der Gitarren wie bei The Cure aufflackern und das Ganze eine Art Party der Verdammten wird. Love Bombs etwa ist ein echter Kracher. In den weniger überzeugenden Momenten klingt das alles aber eher nach Sad-Boy-Karaoke mit einem Kele Okereke am Piano. Als hätte er im Pub ein Pint zu viel gehabt und würde sein Selbstmitleid am dortigen Klavier auslassen.
Drama wie im Theater
Bloc Party sind dennoch Meister:innen darin, musikalische Stimmungen zu erzeugen, Okerekes Erfahrungen im Musiktheater tun ihr Übriges, um dem Album eine dramatische Note zu geben. Zudem passt sich die intensive, dräuende, fatalistische und bisweilen düstere musikalische Landschaft dem Verlauf des Albums an – von den zarten Anfängen über erste Zweifel bis zum tiefen Fall. Wie es wohl dem Herrn geht, den Kele Okereke da über 14 Songs hinweg besingt?
Natürlich dürfen wir von Bloc Party kein zweites Silent Alarm mehr erwarten. Seither sind über 20 Jahre vergangen, das wäre ja auch gar nicht wünschenswert. Dennoch fällt auf, dass die Band damals auf durchaus wildere und explosivere Weise verschiedenste Genres unter einem Hut brachte und die Indie-Welt damit gehörig aufrüttelte.