Featured Image
Foto: Mark Seliger

Review: Die Rolling Stones liefern mit „Foreign Tongues“ ein Album voller Instant-Klassiker

Bitte Zählermarke einfügen

Irgendwie haben es die Rolling Stones auch auf ihrem 25. Album geschafft, absolut hinreißend, unverkrampft und ewig jung zu klingen. Die Lieder von Foreign Tongues klingen schon jetzt gleichzeitig wohlig vertraut und aufregend neu. Und fast ein wenig stimmiger als auf Hackney Diamonds.

Ist das noch der Karriereherbst? Oder eher schon der Karrierewinter? Spielt keine Rolle für die Rolling Stones. Die unverwüstlichen Dinosaurier klingen auch auf Foreign Tongues, ihren unglaublichen 25. Studioalbum, so frisch und voller Witz und Spielfreude, als wären sie immer noch mitten im Frühling. Und nicht seit unfassbaren 64 Jahren dabei.

Foreign Tongues im Circle Store:

Die Methusalems des Rock’n’Roll

Nun ist das mit einer monolithischen Band wie den Rolling Stones ja so, dass sie längst alles transzendieren. Eine klassisch sezierende Kritik dieses Albums wäre also ungefähr so angebracht wie die Google-Bewertung von Stonehenge. Manche Dinge sind einfach zu groß für die Realität. Zu mythisch. Im Grunde kann man also nur staunend darüber berichten, wie diese Methusalems des Rock’n’Roll Song nach Song schnitzen, Riffs aus dem hochheiligen Äther des Musikmythos schneiden und dieser glühenden, schwitzenden, lodernden, verruchten Musik frönen, von deren Geschichte sie selbst entscheidende Kapitel mitgeschrieben haben.

Hört man Foregin Tongues, hat man das wunderbar warme Gefühl, dass man die Songs teilweise schon seit Jahrzehnten kennt. Nicht, weil sich die Stones selbst kopieren, mitnichten, sondern, weil sie uns ein weiteres Mal in ihren ganz eigenen Kosmos abtauchen lassen. Man hat das Gefühl, diese Songs waren immer schon da, irgendwo, dort an diesem geheimnisvollen Ort, an dem Genies ihre Inspiration holen. Ein Album wie ein alter Freund, der mit dir tanzen gehen möchte, danach an der Bar einen Whiskey trinkt und anschließend durch die heiße Sommernacht spaziert.

Siebte Dekade – und immer noch relevant

Wie die Stones bis heute, in ihrer siebten (!) Dekade relevant bleiben, ist eines der sieben Weltwunder. Es liegt aber in ihrem trotzigen Willen begründet, nicht außer Mode zu geraten. Nach dem anfänglichen Rock’n’Roll-Boom gab es 1976 auf Black And Blue Disco- und Dance-Grooves, auf Some Girls bald darauf Punk-Anleihen, später Pop, Reggae und manchmal auch elektronische Spielereien. Das konnten sie bis auf einige unleidliche Ausnahmen irgendwie immer so überzeugend tun, dass man es ihnen abnahm.

Und heute? Zitieren die Stones eher aus ihrer eigenen Trickkiste. Das hat sich eine Band, in der das Nesthäkchen 79 Jahre jung ist, mehr als redlich verdient. Foreign Tongues ist eine coole, mühelose, selbstbewusste Zurschaustellung all dessen, was die Band bisher geleistet hat. Es ist ihre zweite Zusammenarbeit sowohl mit dem Grammy-gekrönten Produzenten Andrew Watt als auch mit dem neuen Schlagzeuger Steve Jordan – eine verschworene Gang also, die in London genau wusste, was sie tut.

Paul McCartney und Robert Smith geben sich die Ehre

Innerhalb weniger Tage wurde ein Album aufgenommen, das so viel mehr ist als die Resterampe von Hackney Diamonds. Im Gegenteil: Das Album wirkt tatsächlich stärker, in sich stimmiger und runder als der Vorgänger. Die absolute Ausnahmeriege an Gastmusikern wirkt das fast ein wenig überflüssig, zeigt aber natürlich den legendenhaften Status dieser Band. Da möchte jeder mal mitmachen. Selbst Paul McCartney (bei Covered In You) oder Robert Smith, der allerdings erst noch überzeugt werden musste.

Never Wanna Lose You ist die Nummer, die Robert Smith mit seinem Hintergrundgesang und seinen Synthesizer-Künsten tatsächlich aufwertet. In dem Song ist sogar Bruno Mars dabei, aber irgendwie praktisch nicht zu hören. Steve Winwood, Benmont Tench von den Heartbreakers und Chad Smith von den Red Hot Chili Peppers machen auch mit. Because why not.

Man könnte Foreign Tongues natürlich studieren, und das werden die Stones-Ultras da draußen ab dem heutigen Tag auch gewissenhaft tun, man könnte Lyriczeilen auf die Goldwaage legen und nach Hinweisen suchen, dass sich diese Band mit ihrem 25. Album verabschiedet. Man kann aber auch einfach die herrlichen Riffs, Hooks und Grooves genießen und einem stimmlich beeindruckend guten Mick Jagger lauschen. Der hat übrigens verraten, dass man bereits am nächsten Album schreibt. Es geht also weiter.

Mehr zu den Stones im Circle Mag:

Dein daily News-Update im Circle Mag

Bleib stets up-to-date in Sachen Musik und Popkultur mit unseren täglichen News, Reviews und Features. Viel Spaß beim Stöbern!