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SS26, die neue Single von Charli xcx, beschreibt einen glamourösen und selbstinszenierenden Weg in die Apokalypse – ob als Gesellschaft oder als Celebrity. Rock-Elemente sind wieder zu finden, diesmal geht der Song es aber etwas ruhiger an.
Nachdem die letzte Single von Charli xcx einen klaren Wechsel zeigte, fragten sich viele: Folgt noch mehr Rock Music? Nicht gänzlich, aber so kompletter Rock war Rock Music ja auch nicht. Gitarren und Bässe sind in SS26 wieder zu hören, und man kann Alternative-Rock-Einflüsse erkennen, aber auf eine wesentlich ruhigere Art. SS26 hat Melodien und Akkordfolgen, die typisch Charli sind; mit Brat oder Charlis Soundtrack zu Wuthering Heights hat der Song aber wenig gemeinsam.
Cancel-Culture und Pariser Modeschau
Besonders interessant an SS26 ist der Text. Der Titel steht für „Spring, summer ’26“, also die aktuelle Zeit, welche Charli xcx als ziemlich apokalyptisch betrachtet. Die Untergangsstimmung ist präsent, aber Charli singt eher explizit vom Umgang mit dem Leben in der Öffentlichkeit, zynische Zeilen über Cancel-Culture, Entschuldigungs-Posts aus der Notizen-App und Politik als Pressestrategie. Im Refrain taucht das zentrale Bild auf, auf einem „runway going straight to hell“ zu laufen – eine Gesellschaft auf einem möglichst glamourösen und selbstinszenierenden Weg in den Untergang. Passend dazu zeigt das Musikvideo Charli xcx in Paris auf einem Laufsteg einer Modeschau.
In Paris entstand auch der Song, wie ein Reel zeigt. Darin sieht man Charli xcx im Studio mit ihren üblichen Verdächtigen, was Produktion und Co-Songwriting angeht: A. G. Cook und Finn Keane. Man sieht den Schreib- und Aufnahmeprozess, in dem Charli Gesangsmelodien ausprobiert und an der Struktur des Lieds bastelt.
Charli xcx macht „Rock Music“ – mit gemischten Reaktionen
Die vorherige Single Rock Music spaltete die Musikwelt und sogar Charlis Fans. Während das nächste Kapitel nach der großen Brat-Ära für manche vielversprechend und neu klang, empfanden andere den Versuch eines Rock-Songs als nicht gelungen. Charli xcx selbst reagierte letzte Woche mit einem Statement auf Instagram. Der Diskurs um Rock Music habe sie an die Anfangszeiten des Labels pc music in 2010ern erinnert, mit dem Charli damals eng verbunden war. Die Prämisse von Rock Music, nun Rock machen zu wollen, weil der Dancefloor tot sei, nahmen manche als Beleidigung auf; und darin lege die Parallele zum experimentellen Pop-Ansatz von pc music: „Das Label wurde fast so wahrgenommen, als würde es Popmusik kritisieren oder auf sie herabblicken“, schrieb Charli.
„Das alles ist irgendwie faszinierend“, schrieb Charli xcx weiter. „Ich liebe es, mit meinen Freunden über Musik und Kunst zu sprechen; deshalb freue ich mich, dass die Leute ihre Gedanken dazu äußern. Ich werde nicht erklären, was genau ich mir bei Rock Music gedacht habe. Ich weiß nur: Dinge können gleichzeitig lustig, ernsthaft, aufrichtig und voller Lebensfreude sein. Und genau so empfinde ich es bei vielen der Dinge, die ich erschaffe.“ Ähnlich augenzwinkernd, wie Rock Music wahrscheinlich gemeint war, behandelt sie schließlich auch die Themen in SS26. Sie spielt also weiter mit den Reaktionen der Leute, und anders würde man es von Charli xcx auch nicht erwarten.